Wildbach
«Unser Schulhaus ist eine alte, reife Frau geworden.»

Das Schulhaus Wildbach feierte sein 60-jähriges Bestehen – und wartet immer noch auf seine Gesamtsanierung.

Katharina Arni-Howald
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Mit fröhlichen Liedern umrahmte die Schülerschaft die 60 Jahr-Feier für ihr Schulhaus Wildbach.

Mit fröhlichen Liedern umrahmte die Schülerschaft die 60 Jahr-Feier für ihr Schulhaus Wildbach.

Wolfgang Wagmann

«Unser Schulhaus ist eine alte, reife Frau geworden.» Mit diesen Worten begrüsste Schulleiterin Therese Scheidegger die Schülerinnen und Schüler des Wildbachschulhauses und ihre trotz brütenden Hitze zahlreich erschienen Eltern. 60 Jahre hat der renovationsbedürftige und noch immer modern wirkende Bau auf dem Buckel.

Doch sein Innenleben ist in die Jahre gekommen. «Da und dort ist eine Schraube locker und der Hauswart ist ein gefragter Mann.» Trotzdem: eine kleine Feier war es den Lehrpersonen vor der geplanten Renovation Wert, um zu zeigen, dass ihnen das Schulhaus ans Herz gewachsen ist.

Denn es kann unendlich viele Geschichten erzählen. Was lag da näher, als mit Hans Rüd auch einen ehemaligen Lehrer zu Wort kommen zu lassen, der 21 Jahre seiner 43 Jahre dauernden Lehrtätigkeit im Wildbachschulhaus den Schülern Wissen beibrachte und zurückblickend sagt: «Ich habe mich hier immer wohl gefüllt.»

Von Anfang an zu klein geraten

Ursprünglich hätte das neu erstellte Schulhaus «Weststadtschulhaus» heissen sollen, doch die spätere Volkskundlerin Elisabeth Pfluger, die damals als junge Lehrerin in der Weststadt tätig war, sah es anders: «Das neue Schulhaus muss den Namen des nahen Wildbaches tragen», überzeugte sie die Verantwortlichen.

Wie Hans Rüd erzählte, hatte das neue Schulgebäude von Anfang an einen Makel: es erwies sich für die wachsende Weststadt von Anfang als zu klein, so dass die Fünft- und Sechstklässler anderweitig untergebracht werden mussten bis später ein zusätzlicher Pavillon das Problem löste und in den Neunzigerjahren das Schulhaus Brühl Entlastung brachte.

Ein eigener Wildbach-Böögg?

Hans Rüd erinnerte sich an eine Episode, die aufzeigt, wie erfinderisch man am Wildbach war: «Wir wollten an der Fasnacht selbst einen Böögg verbrennen, doch das wurde uns von der Stadt kurzerhand verboten.» Was lag da näher als ins nahe Bellach auszuweichen: «Dort hatte niemand etwas gegen unser Vorhaben.»

Am Anfang stand ein legendärer Architekt

Hinter dem Schulhaus Wildbach stehen die bedeutenden Architekten Bruno und Fritz Haller, die den grosszügig verglasten Baukörper mit acht Klassenzimmern und einer freistehenden Turnhalle 1958/59 realisierten. Die streng kubischen Baukörper stehen in einer klaren geometrischen Beziehung zu einander und besetzten den eingeebneten Platz. 1987 wurde im Westen ein niedriger Pavillon, ebenfalls von Fritz Haller, angegliedert und in den Neunzigerjahren die Bausubstanz sanft renoviert. Wie ein «Doppelgänger» wirkt das 1963 bis 1965 erbaute Fegetz-Schulhaus, dessen Architekt Hans Rudolf Bader sich an den Prinzipien Hallers orientiert hatte. (szr)

Einer, der als ehemaliger Schüler in Erinnerungen kramte, war Wolfgang Wagmann. «Das Schönste waren die Spielwiese und der Pausenplatz, den die stärksten Buben für sich vereinnahmten, denn es gab damals noch mehr Raufereien als heute.» Im Gedächtnis geblieben ist allen der Glockenaufzug in der neuen Marienkirche.

Über schulische Grillabende

Wagmann wie Rüd erinnerten sich: Die Schüler durften symbolisch am Seil ziehen, doch dann stellte sich heraus, dass die grosse Glocke nicht in den Turm passte. «Wir wurden weggeschickt, was uns nicht weiter störte, denn das Wichtigste war für uns ohnehin das Zvieri, das aus einer ganzen (!) Cervelat bestand.» In Erinnerung bleiben wird auch die 60-Jahr-Feier, die mit einem geselligen Grillabend endete.