«Darf Kunst schön sein?», fragte Thomas Woodtli im vergangenen Jahr mit seiner Ausstellung in der Galerie Rössli, Balsthal, und meinte es nicht einmal ironisch, sondern als Frage des individuellen Standpunktes. Jetzt also stellt sich im Haus der Kunst der Künstler aus Witterswil dem «Unruhe suchen». Und auch hier ist es einmal die Auseinandersetzung mit dem Bildgeschehen als künstlerische Findungs- und Wahrnehmungsprozesse, wenn es trotz all der technischen Finesse dem Künstler letztendlich um die Sinnlichkeit der Malerei geht. Sinnlichkeit, die er mit der Technik referenziert, auf der Grenze zwischen dem sinnlichen Aspekt und dem vervielfältigbaren, technisierten Kunstbegriff.

«Unruhe suchen», das aber ist auch die Suche nach Bildern und Bildideen, eine innere, vielleicht sogar getriebene Suche nach fotografischen Eindrücken, die er dann mit seinen digitalisierten Prozessen in eine neue Wertigkeit führt.

Aus «Kunst am Bau»-Projekt

Diese Arbeiten hier nun scheinen im künstlerischen Prozess reduzierter, aber nicht minder spannungsvoller: Wandfüllende Digitaldrucke hinter Glasarbeiten nehmen den Hauptraum in Beschlag. Das reflektierende Licht vertieft die Spannung der Geschehen, die wie Plakatwände mit Schichtungen von kommerziellen, politischen, gesellschaftlichen Bild- und Textfragmenten auf eine Art Spurensuche verweisen. Aus einem «Kunst am Bau»-Projekt für die Pädagogische Fachschule Delémont entwickelt, verweisen die übergrossen Bilder auf Wandzeitungen, bekritzelte Wände und Plakatwände: Fetzen, Postiches, Chiffren, Überklebtes. Wände, die leer scheinen und doch Schichtungen soziokultureller Äusserungen, Hinweise und Informationen in sich verbergen. Fotografiert und am Computer digital collagiert, entwickelt sich aus den typografischen Zeichen und Papierfetzen ein eigenwilliges grafisches Universum, das dabei – vor allem aus der Distanz – eine illusionistische Dreidimensionalität aufweist, die mit der Durchscheinbarkeit des Glases und dem weissen Hintergrund hinter dem Glas ein fragiles malerisches Moment anspricht. Dieses malerische Moment als kompositorische Wirkung steigert sich in den schmalen wie hohen Bildern gegenüber im Hauptraum, deren informelle Erscheinung als vergrösserte, fokussierte Details das eher Grafische in eine imaginäre Malerei erweitert, die mit Schichten und Wegnehmen wie mit kalligrafischen Gesten eine nun elementare Bildästhetik ausstrahlt.

Ein Bildsuchender

Thomas Woodtli ist ein aus der Unruhe heraus Bildsuchender, der die meist unspektakulären Aufnahmen nun mit einem Polaroid-Programm am Computer erstellt, dann vergrössert und hinter die Glasscheiben digital druckt. Das Bildformat des Polaroid bleibt auch im Format 40×50 erhalten. Aber dieses Computer-Tool erzeugt mit dem Zufall – oder ist es nicht auch eine Art technische Willkür – einer nicht steuerbaren Schärfe und nicht kontrollierbaren Farbigkeit über die Polaroid-Nostalgie hinaus ganz erstaunliche malerische Bildeffekte und suggestive Bildperspektiven: Auf dem Grat zwischen Erkennbarkeit und reinem Bildgefühl, aquarellartigen Kolorationen und vielschichtigen Verfremdungen generieren sich neue authentische Stimmungen.

Bis 29. Oktober. Do + Fr 17–20 Uhr, Sa–So 13–17 Uhr.