Schon Sir Isaac Newton sei durch einen (fallenden) Apfel klüger geworden, ebenso Adam und Eva - so erzählt man zumindest. Doch durch den sonnigen Buechibärger Märet, der sich der verbotenen Frucht widmete, wurden die Besucher erwiesenermassen klüger.

Nach dem Erdbeer- und dem Chästag veranstalteten die Organisatoren des wöchentlichen Märets den dritten Anlass mit thematischem Schwerpunkt. Nicht zuletzt dank der Zusammenarbeit mit Pro Natura und WWF erhielt die Veranstaltung auch eine didaktische, wissenschaftliche Note.

Speziell im Fokus: Hochstammbäume, deren Bestand seit den 1960ern im Schwinden begriffen ist. Und mit ihm auch der Lebensraum der Flora und Fauna, die von der naturbelassenen Hochstammkultur abhängt, wie Hans Neeracher erläutert. Dieser ist Präsident des Märets, studierter Biologe und ehemaliger Lehrer.

«Die Niederwuchs-Bäume hingegen sind einfacher zu pflegen und lassen sich einheitlicher pflanzen», so Neeracher weiter. Auch das Ernten sei einfacher, wenn das Obst praktisch in Griffnähe ist. Zudem komme das Sonnenlicht überall gleichmässiger hin, was sich auch auf die Homogenität der geernteten Früchte auswirke.

Hochstamm-Schwund bremsen

Erst durch staatliche Zuschüsse konnte der Rückgang der Hochstämme in den vergangenen Jahrzehnten wenn nicht aufgehalten, dann doch abgebremst werden. Aber noch in den Fünfzigern sei manch ein Bucheggberger Dorf von einer üppigen Hostet eingesäumt gewesen. Davon sind heute nur noch Restbestände zu sehen. Zu den Bestrebungen, den Rückgang weiter zu bremsen, kommt nun also auch ein Anlass wie in Solothurn dazu, der im Sinne der Organisatoren auch den Verkauf von Hochstammobst fördern soll.

Wer den Blick auf den ausgestellten Korb voller Jonagold-Äpfel wirft, sieht die Herausforderung, die dem Wunsch folgt. Früchte, die sich in Grösse und Farbe stark unterscheiden, darunter nur zwei Exemplare, wie sie Otto Normalverbraucher beim Grossverteiler auf die Waage legen würde. «Da muss der Bauer halt auch die kleineren Äpfel verkaufen können - oder zu Most verarbeiten», verdeutlicht Neeracher.

Apfeltag am Buechibärger Märit

Apfeltag am Buechibärger Märet

Es ist viel Bewusstseinsarbeit auf Produzentenseite nötig, aber auch auf Verbraucherseite. Und so wurden gerade die Besucher des Buechibärger Märets dieses Mal nicht nur als Konsumenten, sondern auch als Umweltschützer angesprochen. Tierpräparate bedrohter Arten - allesamt Leihgaben des Naturmuseums - veranschaulichten die Problematik, die gerade durch das Düngen der Niederwuchs-Bäume verschärft werde. Die Präsenz von WWF und Pro Natur rundete das Infoangebot mit thematischen Materialien ab.

Von Boskoop bis Sternapi

Neben dem informativen Teil kam aber auch der genüssliche Aspekt nicht zu kurz. Den Apfel gab es entweder in fester Form und in insgesamt rund 40 Sorten von Boskoop bis Greenstar und von Ariwa bis Sternapi - oder aber als vor Ort gepresster Süssmost. Eine Solothurnerin, die oft ihr Brot am Rossmarktplatz bezieht, zeigte sich auch begeistert über den Thementag: «Es ist unglaublich, wie viele alte Sorten sie hier zusammenbekommen haben. Solche, wie man sie im Laden kaum findet.»

Die Organisatoren des Märets wollen 2014 mit ähnlich lustvoll gestaltetem Anschauungsunterricht an den Thementagen aufwarten, wie Vizepräsidentin Pia Studer ankündigt: «Wichtig ist auch, die Zusammenarbeit mit Institutionen wie Pro Natura oder WWF fortzusetzen.» Ebenfalls soll die regionale Wertschöpfung weiter eine zentrale Rolle spielen. Dazu Neeracher: «Ohne die Globalisierung abzulehnen - es ist uns wichtig, das Regionale zu stärken.»