Quartierpolizei
Unglaublich, wie ein Gespräch hilft

Beat Zürcher und Martin Nobs sind für die Stadtpolizei «frontnah» unterwegs. Wie waren auf einem Rundgang durch die Vorstadt dabei.

Jasmin Krähenbühl
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Unterwegs mit dem Quartierpolizisten
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Kurze Besprechung beim Polizieiposten, bevor es los geht
Die Quartierpolizisten Beat Zürcher und Martin Nobs
Ausrücken zum Quartiereinsatz
Gute Laune gehört dazu

Unterwegs mit dem Quartierpolizisten

Hanspeter Bärtschi

Das weisse Auto der Quartierpolizei Solothurn kurvt durch die Vorstadt. Martin Nobs verlangsamt an einer Strassenecke. Von hier erhält er regelmässig Beschwerden über einen Mieter, der seinen Abfall nicht ordnungsgemäss entsorge. Tatsächlich: Vor dem Haus stehen Einzelteile eines Sofas und mehrere Holzlatten, der obligatorische Entsorgungsaufkleber fehlt.

«Ohne Aufkleber nimmt der Werkhof den Müll nicht mit und er sammelt sich hier an», sagt Nobs zu seinem Kollegen Beat Zürcher. Die anderen Anwohner störten sich daran, so sehr, dass sie teilweise die Aufkleber sogar selbst besorgt haben, um den Müll wegzuschaffen, erzählt Nobs.

Die beiden Quartierpolizisten werden den Mieter nun zum wiederholten Male kontaktieren. «Der Mieter muss sein Fehlverhalten einsehen, sonst kommt es zu ernsthaften Spannungen unter den Anwohnern», sagt Zürcher.

Offenes Ohr für Anwohner

Martin Nobs und Beat Zürcher sind seit vielen Jahren zu Fuss, per Velo oder mit dem Auto in der Stadt und den Quartieren unterwegs. Zusammen bilden sie die Abteilung Quartierpolizei innerhalb der Stadtpolizei. Sie pflegen das Beziehungsfeld zwischen Bevölkerung und Polizei, indem sie die Bürgerinnen und Bürger beraten und Anlaufstelle für verschiedenste Probleme sind.

Das Konzept der Quartierpolizei stammt ursprünglich aus den USA. Die Idee dahinter: die Kriminalität an der Wurzel zu bekämpfen und die Polizeiarbeit auf die Bedürfnisse der Bevölkerung auszurichten. Auslöser dieser neuen, bürgernahen Polizeiarbeit war die wachsende Kriminalität und das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung, Folgen der steten Verstädterung.

Fast jedes Polizeikorps in der Schweiz verfügt heute über eine Quartierpolizei. Das «Community Policing», was übersetzt etwa «bürgernahe Polizei» bedeutet, ist neu auch eines der Ausbildungsfächer, in denen angehende Polizisten an der Berufsabschlussprüfung getestet werden. So haben sich Nobs und Zürcher an diversen Kursen und mit langjähriger Polizeiarbeit das «Comunity-Policing» angeeignet.

Die beiden Quartierpolizisten haben ein offenes Ohr für die Anliegen und Nöte der Solothurner Anwohner. Viel dreht sich dabei um Lärmbeschwerden, Nachbarschaftsprobleme, Auskunft über gesetzliche Auflagen oder Gesetzesverstösse. Nobs und Zürcher nehmen die Probleme der Anwohner ernst und helfen bei der Lösungsfindung. Sie leisten damit präventive Polizeiarbeit, kümmern sich also um Konflikte, bevor diese eskalieren und verhindern so Anzeigen oder Delikte.

Die beiden Quartierpolizisten üben ihren Job mit viel Engagement aus. «Man muss Menschen mögen, um Quartierpolizist zu sein», sagt Zürcher. Das Schöne sei, dass man sich für die Anwohner Zeit nehmen könne, was auch sehr geschätzt würde, so Nobs. «Ein gutes Verhältnis mit den Leuten und gegenseitiges Vertrauen ist wichtig, um bei Konflikten die bestmögliche Lösung zu finden», ergänzt er.

So sehen sich die beiden mehr als Vermittler denn als Überwacher. «Es ist unglaublich, wie viel ein gutes Gespräch hilft. Meist sind es Kleinigkeiten, die entscheidend sind und am runden Tisch geklärt werden können», sagt Zürcher. Das Ziel der beiden ist, dass keine Anzeigen erstattet werden, sondern man Lösungen finden kann, die für alle beteiligten Parteien zufriedenstellend sind.

Nobs und Zürcher haben das Stadtgebiet unter sich aufgeteilt. «So haben die Anwohner immer den gleichen Ansprechpartner und müssen nicht jedes Mal ihre Geschichte wiederholen», erklärt Nobs. Mit den Jahren haben sich die Quartierpolizisten viele Kontakte in der Stadt aufgebaut.

Das kommt ihnen zu Gute: Wissen sie bei etwelchen Problemen nun schneller, wo sie nachfragen und sich melden müssen. «Wir wollen möglichst wenig Bürokratie und kurze Wege», sagt Nobs. Die Quartierpolizisten sind auch gut vernetzt mit anderen Anlaufstellen: vom Amt für Wirtschaft und Arbeit, die Einwohnerdienste, Quartiervereine bis zum Werkhof. «Sind wir nicht die richtigen Ansprechpartner, leiten wir die Leute entsprechend weiter», so Zürcher.

Schusswaffen tragen ist Pflicht

Die Quartierpolizeiarbeit hat auch weniger angenehme Seiten. «Wir möchten den Leuten so gut wie möglich helfen und die Dinge aus ihrer Sichtweise sehen. Doch zuletzt sind wir immer noch dem Gesetz verpflichtet», sagt Zürcher. Will jemand zum Beispiel zum wiederholten Mal ihre Zustellungen nicht entgegen- oder abholen kommen, stehen Nobs und Zürcher auch einmal um vier Uhr morgens vor der Türe.

Verhaftungen sind ebenfalls nicht auszuschliessen. «Wir haben nicht nur die schöne Vermittlerrolle. Geht etwas zu weit, müssen wir die Schranken klar aufzeigen», sagt Nobs. Sie sind deshalb auch immer zu zweit unterwegs. «Im Ernstfall geht die eigene Sicherheit vor», so Zürcher. Verlassen die Quartierpolizisten das Hauptquartier am Baseltor, müssen sie auf alles gefasst sein. «Es könnte jederzeit ein Verbrechen oder ein Unfall geschehen, und wir müssen sofort eingreifen können», so Nobs. Auch Quartierpolizisten tragen eine Waffe.

Wenn die Tage kürzer werden und die Nächte länger, werden auch Nobs und Zürcher vermehrt in den Quartieren anzutreffen sein. «Wir machen die Anwohner auf das erhöhte Einbruchsrisiko aufmerksam», sagt Nobs. Zudem habe man im Herbst wieder vermehrt Probleme und Beschwerden betreffend Bäume und Sträucher. Kurvt das weisse Auto mit den «Quartierpolizei – wir sind für Sie da – sprechen Sie uns an»-Plaketten durch die Quartiere, dürfen die Anwohner die Quartierpolizisten jederzeit ansprechen. Ansonsten können Beschwerden und Anliegen per Mail oder Telefon gemeldet werden.