«6000 bis 7000 Originalwerke im Wert von rund 2 Mio Franken sind hier beisammen.» Das klingt nach viel, doch sind die Stückpreise pro Bild im Kunst-Supermarkt von Peter-Lukas Meier weiterhin moderat: Die billigsten gibts schon ab 99 Franken, dann für 199, 399 und 599 Franken. Teurer geht zwar, aber dann muss sich der Besucher der Rothus-Halle schon an die Sonderausstellung von besonders grossformatigen Werken halten. «Sie wurden ebenfalls von hier vertretenen Künstlern und Künstlerinnen geschaffen.»

500 wollten ausstellen

«Wir haben uns bei der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler wieder viel Mühe gegeben», versichert Peter-Lukas Meier. Die Auswahl war nicht einfach: 500 Kunstschaffende aus dem In- und Ausland wollten sich in der Vorstadt präsentieren.

150 bis 200 davon haben wir gebeten, uns genauer zu dokumentieren.» 89 schafften es schliesslich in die Rothus-Halle. «Die Entscheide waren zugegeben subjektiv.» Originalität und Kreativität sind Meiers wichtigste Argumente für den Teilnahmezuschlag. Nach dem Motto: «Wir dürfen nicht langweilig werden.»

So hängt gegenständlich Gemaltes neben Abstraktem; Schrill-Schräges wetteifert mit ruhigen, trägen Farbtönen. Auch Ungewohntes hat Platz, wie etwa stilisierte Frauen-Akte auf Skateboardbrettern. «Wir haben 30 neue Leute, die noch nie da gewesen sind», erklärt Peter-Lukas Meier – das sei allerdings nur möglich geworden, indem er auch seit Jahren erfolgreich Ausstellende zu einer Pause bewegen konnte.

Kritik ist leiser geworden

Regionales Kunstschaffen ist eher wenig vertreten, die heute in Muttenz lebende, am Kunst-Supermarkt sehr erfolgreiche Langendörferin Evelyn Dönicke ist eher die Ausnahme. «In der Solothurner Kunstszene ist eine Teilnahme bei uns weiterhin verpönt», glaubt Meier, auch wenn die in früheren Jahren noch heftige Kritik, gipfelnd in einer «Gegenausstellung» vis-à-vis, inzwischen doch abgeebbt ist.

Meier hat durchaus Verständnis, dass hiesige Künstler ihre Werke nicht für 99 Franken anbieten «und sich damit das Wasser selbst abgraben wollen.» Aber die Leute hätten inzwischen begriffen, dass der Kunst-Supermarkt «halt eine Form von Kunstvermittlung sei. Und wenn regionale Künstler teilnehmen möchten, würde er ihnen wohl anraten, für den Kunst-Supermarkt eine eigene Serie zu kreieren.

40 Bilder im Minimum, und zwar Unikate, muss liefern, wer in der Rothus-Halle dabei ist. Vom Verkaufserlös erhalten die Künstler die Hälfte. «Dafür müssen sie nur die Bilder bringen, alle übrigen Kosten übernehmen wir. So geben wir allein für das Verpackungsmaterial 30'000 Franken aus.» Immerhin: Auch diesmal rechnet Peter-Lukas Meier bis zum 8. Januar mit einem Absatz im Rahmen der Vorjahre. Das heisst für ihn: «Ungefähr 50 Prozent gehen weg.»

«Pimp my Art»

Eines ist diesmal neu. So gibt es die stets auf grosses Interesse stossenden Künstlerateliers an den Dezemberwochenenden wieder, wo man Kunstschaffenden beim Malen über die Schulter schauen kann.

Neu aber setzt Peter Lukas Meier auf ein interessantes Projekt: «Pimp my art». Dabei werden alte Bilder, oft von Flohmärkten, den in Solothurn mitwirkenden Künstlern überlassen. «Sie können dann damit machen, was sie wollen. Intervenieren beispielsweise.» Was zu spannenden neuen Kunstformen führen könne.

«Wir verwenden dazu natürlich keine zeitgenössischen Werke.» Meier kann sich aber auch vorstellen, dass Besucher selbst Bilder für «Pimp my art» in die Rothus-Halle mitbringen. «Ein röhrender Hirsch fehlt mir beispielsweise noch», scherzt der Kunst-Supermarkt-Organisator.

Und dann zieht Peter-Lukas Meier noch ein weiteres Ass aus dem Ärmel: In der Ausstellung sind auch zehn grossformatige Fotos aus der ganzen Schweiz von Ernst Christen zu haben. Der Bellacher Fotograf zeichnete für den neuen Bildband Solothurn verantwortlich, den der Rothus-Verlag nächsten Montag mit einer eigenen Vernissage lanciert.

Öffnungszeiten: Morgen 18 Uhr Vernissage, Montag bis Freitag 14 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag 11 bis 17 Uhr. Weihnachts- und Neujahrstag geschlossen. Am 24., 26., und 31. Dezember sowie am 2. Januar von 11 bis 16 Uhr geöffnet.