Neujahrskonzert

Ungarischer Paprika und Wiener Walzerseligkeit: Neujahrsklänge in Solothurn

Das Sinfonie Orchester Biel und der Theaterchor boten Augen und Ohren Erfreuliches.

Das Sinfonie Orchester Biel und der Theaterchor boten Augen und Ohren Erfreuliches.

Beim Neujahrskonzert in Solothurn gab das Sinfonie Orchester Biel einen furiosen Einstand im Konzertsaal. Das Ensemble überzeugte mit einer attraktiven ungarisch-österreichen Darbietung.

Eine Prise Dreivierteltakt, Csárdás-Feuer, einen virtuosen Primás, Chorschmelz und Operettenseligkeit sind die Ingredienzien, die Kaspar Zehnder gemeinsam mit dem Sinfonie Orchester Biel (SOB) zu einem berauschenden Neujahrskonzert mixte. Dieser Dirigent bringt spürbar neuen Schwung ins Orchester und aufs Konzertpodium. Mischt er ungarischen Paprika mit Walzerträumen zum Wiener Melange, blitzt Spielfreude in den Augen und die Musikerinnen und Musiker folgen ihm inspiriert. Zusammen hauchen sie der leichten Muse Leben ein.

Den Bielern ist damit ein furioser Konzerteinstand in Solothurn gelungen. Angereichert mit authentischem Roma-Feeling, welches das Kalandos Ensemble beisteuerte. Passend dazu erklang die Ouvertüre der Johann Strauss Operette «Der Zigeunerbaron». Es dünkte, als hätte der Ohrwurm selbst zu Zeiten, als der Zigeunerbaron regulär auf dem Spielplan stand, nie so schmissig phrasiert und nuanciert geklungen. «O habet Acht vor den Kindern der Nacht» steuerte der Theaterchor zum Thema bei. Die Damen in leuchtende Seide gekleidet und die Herren im eleganten Zweireiher auftretend, bot sich Augen und Ohren Erfreuliches. Der Zigeunerbaron stellt ungarische Csárdásweisen typischen Wiener Walzermotiven gegenüber und passte so ausgezeichnet zu Kaspar Zehnders Konzept, dem Einfluss der östlichen Volksmusik auf die Wiener Salons nachzuspüren.

Arien in kurzer Zeit einstudiert

Am deutlichsten ist dies wohl bei Emmerich Kálmán und seinen Operetten «Die Csárdásfürstin» und «Gräfin Mariza» zu hören. Nicht die (erkrankte) Ursula Führi-Bernhard, sondern die junge, ebenfalls aus Bern stammende Rebekka Maeder schlüpfte in die Rolle der Operettendiva. Innert wenigen Stunden hat die Sopranistin die Arien einstudiert. Eine tolle Leistung, die Lob und Dank verdient. Einzuspringen und auf die Schnelle unbekanntes Repertoire zu lernen, schliesst vertiefte Detailarbeit und gemeinsame Proben aus. Da fällt nicht so sehr ins Gewicht, dass die Mittellage häufig vom Orchester überdeckt wurde, sondern man freute sich an den alles überstrahlenden Höhen und dem dezenten Charme, mit dem sie ihr Heimatland in den Bergen besang. - Rebekka Maeder ist auch am kommenden Sonntag im Neujahrskonzert des Solothurner Stadtorchesters zu hören.

Zwei ausgezeichnete Zugaben

Mit dem «Vilja-Lied» aus der lustigen Witwe kam auch Kálmáns Erzrivale Franz Léhar zu Ehren. Ihm huldigte Maeder mit zwei ausgezeichneten Zugaben: Dem mit unterkühlter Erotik - und damit interessant servierten «Meine Lippen, die küssen so heiss» aus «Giuditta» und dem wunderbar stimmig gelungenen «Hör ich Cymbalklänge» aus «Zigeunerliebe». Eine gelungene Hommage an das Fahrende Volk. Diesem und dem Jahresregenten Verdi wurde mit dem Zigeunerchor aus «I Trovatore» gehuldigt.

Deren Vertreter - Roma aus Budapest - spielen unter der Leitung von Primás Karel Boeschoten im Kalandos Ensemble. Virtuosen, die mit Geige, Kontrabass, Klarinette und Cimbalon musikalische Höhepunkte setzten. Sich mit sehnsüchtigen Puszta- und Csárdás-Melodien, dem in der Originalorchestrierung gespielten «Höre ich Zigeunergeigen» aus der «Gräfin Mariza» und mit Brahms Ungarischen Tänzen Nummer 1 und 5 in die Herzen der Zuhörer spielten. So wie alle, die zum schwungvollen Konzertgenuss beigetragen haben.

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