Solothurner Stadtmist
Und schon wieder wird auf dem ehemaligen Stadtmist gebohrt

Der Bund hat zusätzliche Untersuchungen auf dem Gelände des ehemaligen Stadtmists in Solothurn verlangt – zu viel Gift soll es im Grundwasser geben. Die Untersuchungen sollen zeigen, ob eine Teil- oder Totalsanierung nötig ist.

Stefan frech
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Bereits wurden auf dem ehemaligen Solothurner Stadtmist die ersten Bohrungen durchgeführt.

Bereits wurden auf dem ehemaligen Solothurner Stadtmist die ersten Bohrungen durchgeführt.

Hansjörg Sahli

Schon wieder steht auf dem Gelände des ehemaligen Stadtmists in Solothurn eine grosse Bohrmaschine. Eigentlich hätten die Detailuntersuchungen der ehemaligen Kehrichtdeponie im Frühjahr abgeschlossen und der Bericht der Firma CSD in diesen Tagen abgeliefert sein sollen. Doch: Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat im Frühling verlangt, dass ein im Herbst 2012 gefundener «Hotspot» im nördlichen Teil des Spittelfelds genauer untersucht werden muss.

Die ersten Messungen hatten gezeigt, dass sich dort ein mit krebserregenden chlorierten Kohlenwasserstoffen besonders stark verseuchter Bereich befindet. Und vor allem: Diese Schadstoffe sind aus der Deponie ins Grundwasser gesickert (wir berichteten). Das Bafu will nun abgeklärt haben, ob es noch weitere «Hotspots» im Spittelfeld gibt. Mit den Bohrungen ist eine spezialisierte Firma aus Deutschland beauftragt.

Sanierungsprojekt erst Ende 2014

Der Entscheid des Bafu hat mehrere Konsequenzen: Die zusätzlichen Untersuchungen kosten Bund, Kanton und Stadt voraussichtlich mehrere hunderttausend Franken, und der Zeitplan für das gesamte Sanierungsprojekt verzögert sich erneut. «Wir rechnen mit einer Verzögerung von bis zu einem halben Jahr», sagt Markus Spring, Projektleiter beim Amt für Verkehr und Tiefbau.

Der gesamte Untersuchungsbericht von CSD zum Spittelfeld soll im Spätherbst 2013 vorliegen. Dann werden sich Bund, Kanton und Stadt Solothurn überlegen müssen, ob für den Stadtmist eine Total- oder eine Teilsanierung nötig ist. Danach folgt die Erarbeitung des Sanierungsprojekts. «Dieses wird voraussichtlich Ende 2014 vorliegen», sagt Spring.

Neuer Ärger für «Wasserstadt»?

Dass das Grundwasser unter der Deponie verseucht ist, könnte auch Folgen für die geplante «Wasserstadt» haben. Diese wird ohnehin nur gebaut, wenn sich die Behörden auf eine Totalsanierung einigen. Dann würde der Abfall ausgehoben – und es könnte darauf die «Wasserstadt» gebaut werden. Das Grundwasser unter der neu gebauten Siedlung bliebe jedoch verseucht.

Noch ist offen, inwieweit das den Bau der «Wasserstadt» tangieren würde. «Es muss geprüft werden, ob das Grundwasser ebenfalls gereinigt werden müsste», erklärt Martin Würsten, Chef des kantonalen Amts für Umwelt. Sonst bestehe ein gewisses Risiko, dass das Gebiet der «Wasserstadt» im Kataster der belasteten Standorte verbleibt. Das könnte bedeuten: Der Wert der zu verkaufenden Häuser sinkt.

Ivo Bracher, Verwaltungsratspräsident der Wasserstadtsolothurn AG, reagiert auf die Nachricht vom verseuchten Grundwasser gelassen: «Dieses Problem ist lösbar.» Wenn die Deponie ausgehoben wird, würden ja von oben her keine Giftstoffe mehr ins Grundwasser gelangen. Bracher drängt darauf, dass die Behörden sich endlich zu einer Totalsanierung durchringen. «Wenn die Zinsen in den nächsten Jahren steigen, werden die Sanierungskosten bis zu 50 Mio. Franken höher ausfallen.»