Theater Mausefalle
Und der Hund des Therapeuten heisst Sigmund

Ehegeschichten sind unersättlich. In der Komödie «Die Wunderübung» von Daniel Glattauer kann sich das Publikum zwei Stunden lang über eine solche amüsieren.

Helmuth Zipperlen
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«Gspürige» Paartherapie mit Janine Frey, David Gnägi und Leonardo Glutz als Joana, Therapeut Harald und Valentin (v.l.)

«Gspürige» Paartherapie mit Janine Frey, David Gnägi und Leonardo Glutz als Joana, Therapeut Harald und Valentin (v.l.)

zvg

Eigentlich ist gar nichts lustig dabei, wenn eine Beziehung nach knapp zwanzig Jahren Ehe in die Brüche zu gehen droht. Valentin und Joana Dorek wollen aber nicht einfach auseinandergehen, sondern wagen noch einen letzten Versuch bei einem Ehetherapeuten.

Der Autor: Daniel Glattauer, 1960 in Wien geboren und aufgewachsen, später Journalist für «Die Presse» und «Der Standard», Verfasser von Kolumnen aus dem Alltagsleben und schliesslich Buchautor, dessen Roman «Gegen den Nordwind» für den Deutschen Buchpreis nominiert worden ist.

Die Theaterfassung dieses Romans war übrigens vor einiger Zeit in der Mausefalle zu sehen. «Die Wunderübung» ist bereits als Bühnenstück konzipiert und wurde 2015 im Theater in der Josefstadt in Wien unter der Regie von Michael Kreihsl zur Uraufführung gebracht. Letztes Jahr erfolgte durch diesen Regisseur, aber mit anderer Besetzung, auch eine Kinofilmversion.

Glattauer ist ein waschechter Wiener, denn ähnlich einem Walzer, berühren sich auch hier Lebenslust und Lebensleid immer wieder. Der Sprachwitz und die Situationskomik lassen diese Ehe im scheinbaren Endstadium nie larmoyant erscheinen. Wenn man schliesslich noch erfährt, dass der Hund des Therapeuten Sigmund heisst, liegt die Vermutung nahe, dass der Therapeut «auf den Hund gekommen ist».

Doch ist auch dies ein zu voreiliger Schluss. So besticht denn diese Therapiestunde immer wieder mit überraschenden Wendungen. Das Teatro Mobile in der Mausefalle jedenfalls erfüllt diese Sitzung beim Paartherapeuten, durch eine Pause unterbrochen, mit prallem Leben.

Ein Trio in Hochform

Das Bühnenbild ist schlicht, einige Stühle, ein Salontischchen, einen Sekretär, Teppiche, Bilder an den in hellem Ton gehaltenen Wänden. Zu Beginn eine Frau und ein Mann auf Stühlen, durch das Salontischchen getrennt, ein weiterer Mann auf einem Stuhl im freien Raum sitzend, einen Notizblock in der Hand. Schweigen. Blicke, Verlegenheitsbewegungen, notieren. Endlich bricht der Mann das Schweigen und meint zum Therapeuten, es wäre nun wohl an der Zeit, zu beginnen.

Der mit «Herr Magister» Angesprochene räuspert sich. (In Österreich sind Titel enorm wichtig.) Joana und Valentin wissen nicht, was sie erwartet und ob diese Therapie überhaupt in der Lage ist, ihre eingeschlafene Beziehung zu retten. Joana ist temperamentvoll und spontan. Valentin ist im Berufsleben erfolgreich, zu Hause aber eher zurückhaltend. Das heisst aber nicht, dass nicht auch er aufbrausend sein kann.

Joana und Valentin bewegen sich zwischen sich gegenseitig anschweigen und lautstarken Wortgefechten. Schliesslich weiss der Therapeut, er heisst übrigens Harald, keine andere Lösung, als den Beiden eine Viertelstunde Pause und Alleinsein zu verordnen. Nach der Pause kommt die Handlung voll in Fahrt.

Bei David Gnaegis Interpretation des Therapeuten bekommt man den Eindruck, dass er so ganz unterschwellig persifliert. Er wirkt beherrscht und fast routinemässig verständnisvoll. Janine Frey als Joana bringt Leben in die Bude allein mit ihrer Gestik und der Sprache. Von leisen, intimen Tönen bis zu schrillen Beschimpfungen wirkt sie überzeugend. Der Macher-Typ des Valentin wird von Leonardo Glutz mit nachvollziehbarer Mimik und Sprachgestaltung glaubhaft auf die Bühne gebracht. Diese wird technisch durch Joseph Tschudin betreut.

Nächste Aufführungen: Fr./Sa. 27./28. April, je 20 Uhr, So. 29. April, 17 Uhr und Fr./Sa. 4./5. Mai, je 20 Uhr.