Stadttheater
Unbefangenheit trifft auf Weisheit in der Komödie «Der arme Ritter»

Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn (LTG) spielt die tiefsinnige Komödie «Der arme Ritter»

Katharina Arni-Howald
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Kurt Egger als Ludwig von Düring, Max Schor als Norbert Klemm, Greti Affolter als Elisabeth Kehr und Martin Hobi als Franz Josef Schwaller (von links).zvg

Kurt Egger als Ludwig von Düring, Max Schor als Norbert Klemm, Greti Affolter als Elisabeth Kehr und Martin Hobi als Franz Josef Schwaller (von links).zvg

Victor Fluri

Jeden Sonntag treffen sich Franz Josef, Norbert und Elisabeth im Zimmer von Ritter Ludwig, dem einstigen Schlossbesitzer und Vorsteher einer Elitenschule, zu einer Partie «Trivial Pursuit» in der Altersresidenz «Freudenau». Trotz verschiedenen Lebensbiografien und ständigen Nörgeleien und Streitigkeiten verbindet die vier Senioren in vorgerücktem Alter eine enge Freundschaft.

Immer wieder sonntags gönnt sich der gebildete Gastgeber ausserdem einen besonderen Luxus. Er lässt sich sein Mittagessen aus dem nahen Gasthof anliefern. Mit dem Medizinstudenten, der Ludwig von Düring das Essen bringt und mit privaten Botengängen die Wünsche des Rentners befriedigt, ist im Laufe der Zeit eine Freundschaft entstanden. Deshalb ist er zunächst wenig begeistert, als ihm eines Tages eine scheinbar oberflächliche und ungebildete junge Göre in salopper Kleidung das Essen auf den Tisch stellt.

Frischer Wind in den Gemäuern

Die «Neue» allerdings lässt sich von Ludwigs unfreundlicher und abweisenden Art nicht abschrecken. Allmählich findet auch der Ritter Gefallen an der äusserst neugierigen und pfiffigen Paula, die einen neuen Wind in sein Leben bringt und mehr Fähigkeiten in sich birgt, als anfänglich angenommen. Und es dauert nicht lange, bis die junge Frau auch die Herzen der anderen Sonntagsgäste erobert.

Mit der herrlich tiefsinnigen Komödie «Der arme Ritter» oder «In alter Frische» eroberte der Vorarlberger Kabarettist, Schauspieler und Theaterautor Stefan Vögel rasch die Spielpläne des deutschsprachigen Theaters. Vögel lässt in einem seiner jüngsten Stücke die Welt der älteren mit der Welt der jungen Generation nach allen dramaturgischen, psychologischen und komödiantischen Regeln der Kunst aufeinanderprallen. Das Zusammenspiel von jugendlicher Unbefangenheit und betagter Weisheit zeigt mit viel Feingefühl auf, wie das Geben und Nehmen zweier Generationen funktionieren könnte.

Begeistertes Publikum

Doch der Inhalt allein war es nicht, der beim zahlreich erschienenen Premiere-Publikum im Stadttheater Begeisterungsstürme auslöste. Einmal mehr ist es der Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn (LTG) gelungen, unter der grossartigen Regie von Marco Brancato mit wenigen Mitteln und begeisterungsfähigen Menschen ein Theaterstück einzuüben, das beweist, zu welchen Glanzleistungen eine Amateur-Theatergruppe fähig sein kann.

Nicht nur in den Haupt-, sondern auch in den Nebenrollen stellten Kurt Egger (Ludwig von Düring), Eliane Büttler (Paula Pfizner), Martin Hobi (Franz-Josef Schwaller), Max Schor (Norbert Klemm), Greti Affolter (Elisabeth Kehr) und Olivia Fischer (Schwester) ihr Können unter Beweis. Ein spezielles Lob gilt den beiden Hauptdarstellern Eliane Büttler und Kurt Egger, die der gelungenen, von Marco Brancato ins Schweizerdeutsche übersetzten Schweizer Erstaufführung den Stempel aufdrückten und mit einer bewundernswerten Perfektion ihre Rollen verkörperten.

Als Regieassistentin wirkte Sandra Wertli. Die Requisiten besorgte Bettina Schwaller. Das Bühnenbild lag in den Händen von Marco Brancato und Markus Bomonti. Für die Maske zuständig war Trix Hasler, und um die Technik kümmerte sich Norbert Ostermeier.

Weitere Vorstellungen: Sonntag, 15. November, 19 Uhr; Sonntag, 22. November, 17 Uhr; Dienstag, 1. Dezember, 19.30 Uhr; Sonntag, 27. Dezember, 17 Uhr und Dienstag, 29. Dezember, 19.30 Uhr.

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