«Der grosse Opern-Boom»
Umgebautes Stadttheater taucht neben Opern von Florenz und Valencia auf

Das umgebaute Solothurner Stadttheater sorgt auch im Ausland für Schlagzeilen: Auf einer Doppelseite der «Frankfurter Allgemeinen» steht das Haus in einer Reihe mit Theatern in Florenz oder Kopenhagen.

Wolfgang Wagmann
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Linz in Österreich, Solothurn, Valencia und Kopenhagen – das Stadttheater tummelt sich inmitten von illustren Theater-Neubauten. Quelle: «Frankfurter Allgemeine»

Linz in Österreich, Solothurn, Valencia und Kopenhagen – das Stadttheater tummelt sich inmitten von illustren Theater-Neubauten. Quelle: «Frankfurter Allgemeine»

Eigentlich geht es ums Thema «Der grosse Opern-Boom». In der Sonntagsausgabe geht das reputierte Blatt der Frage nach, warum im Ausland überall in die Opernhäuser und Theater investiert wird und in Deutschland nicht oder kaum. Und belegt in einer Statistik, dass Österreich mit 150 Opernaufführungen pro Million Einwohner und die Schweiz mit 102 Aufführungen weit vor dem viertplatzierten Deutschland mit lediglich 88 Aufführungen liegt.

Oft würden gar Schliessungen von Musiktheatern diskutiert, während in ganz Europa, sogar in Krisenregionen, lebhaft in den Umbau oder gar Neubau von Häusern investiert werde. Autor Ralph Bollmann zu den Gründen für diesen Trend ausserhalb Deutschlands: «Vieles spricht dafür, dass gerade der immense materielle Aufwand diesen Boom befeuert.

Mit kaum etwas kann sich eine Stadt so effektvoll in Szene setzen wie mit dem offensichtlichen Luxus eines Opernhauses. Es besticht nicht nur durch die Architektur, sondern durch den Überfluss, den jede Aufführung bedeutet.» Und weiter: «Kaum etwas dokumentiert das Selbstbewusstsein einer Stadt, einer Region oder eines ganzen Landes besser als ein prachtvolles Operngebäude. Es stärkt die lokale Identität, lockt Investoren und Touristen an.»

Kostenvoranschlag eingehalten

Im Abschnitt über Solothurn betont die «Frankfurter Allgemeine» den Stolz der Solothurner über das «kleinste Stadttheater der Schweiz» und die hohe Zustimmung der Bevölkerung von 82 Prozent zum Umbauentscheid. Ohne die Namensnennung von Kurt Fluri wird aber anerkannt, dass «der Stadtpräsident von der schweizerischen FDP, dem früheren Freisinn» das Projekt vorangetrieben habe.

Keine Silbe wert ist jedoch Bollmann die wieder entdeckte und restaurierte Barock-Brüstung der Empore. Dafür rühmt er das Einhalten des Kostenvoranschlags von fast 20 Mio. Franken – was in Europa sonst Seltenheitswert habe. Denn Valencia baute statt mit geplanten 109 zuletzt für 478 Mio. Euro seinen Palau de les Arts, Florenz seine Opera statt für 80 zuletzt für 260 Mio. Euro.

Übrigens: Solothurn taucht wohl in der illustren Aufzählung auf, weil die «Frankfurter Allgemeine» separat auch Peter Bichsels 80. Geburtstag gewürdigt hat. Ohne aber zu erwähnen, dass dieser – im Stadttheater gefeiert worden ist.

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