Amthausplatz Solothurn

Um den Weihnachtsbaum stehen leere Spitalbetten — unbewilligte Kunstaktion gefällt nicht allen

Eine unbewilligte Kunstaktion auf dem Amthausplatz sorgt für Kopfschütteln. Dem Künstler ist das egal.

Auf dem Amthausplatz steht schon der Weihnachtsbaum, um ihn herum Spitalbetten. Nicht echte, sondern aus Holzlatten und Leintüchern. So präsentierte sich der Platz von Freitagnacht bis Montagmorgen. Dann wurden die Betten weggeräumt und der Baum steht wieder alleine da.

«Wir haben die Betten weggeräumt, weil keine Bewilligung für die Kunstaktion eingeholt wurde», erklärt der Solothurner Polizeikommandant Peter Fedeli. Es habe sich aber niemand bei der Polizei beklagt, doch gefallen hat die Aktion nicht allen, verrät ein Blick auf Facebook: «Das ist eine Verschandelung von Solothurn», kann man lesen. «Soll das Kunst sein?», fragt eine andere Userin.

Unheimliche Kunst von Aktionskünstler

Das es sich hierbei um Kunst im Zusammenhang mit der Coronapandemie handelt, wird auf den ersten Blick klar. Doch was will sie uns sagen? Dass die Betten ausgelastet sind und man sich in Acht nehmen soll? Die weissen Leintücher, die über die Betten gehängt sind, erinnern an ein Totentuch. Egal was einem durch den Kopf geht, die Installation ist unheimlich.

Xhavit Aliu, so heisst der Mann, der dieses Kunstwerk zu verantworten hat. Er ist kein Unbekannter in der Stadt und hat hier einige Aktionen durchgeführt. Angefangen damit habe er Ende der 1990er-Jahren, erklärt er. Es gehe in seiner Kunst darum, anzuprangern, so Aliu. Denn wenn er etwas sieht, das ihn stört, könne er nicht einfach still bleiben, sondern müsse dann etwas sagen oder machen. So auch hier.

Doch was will er uns genau sagen? «Triage – Selektion», sagt er. Mehr will er dazu nicht erklären. Man solle sich selber Gedanken darüber machen. Ausserdem: Wörter könnten nicht darstellen, was er zeigen wolle. Dass seine Kunst für Empörung und Kopfschütteln sorgt, ist ihm egal. Es werde ja darüber gesprochen, so habe er schon viel erreicht. Auch die Kreuze, die vor einer Woche dort gestanden sind, seien von ihm gewesen. Er habe seit einiger Zeit keine Kunst gemacht, aber jetzt sei er wieder zurück, sagt Aliu. Wann die nächste Aktion kommt, wollte er aber nicht verraten.

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Autorin

Judith Frei

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