Stadtbibliothek Solothurn

Über 500 Jahre alte Bibel: Ein Schmuckstück der Buchkultur

Blick in die Historienbibel.

Blick in die Historienbibel.

Das Prunkstück unter den wertvollen Handschriften in der Zentralbibliothek Solothurn ist zweifellos die vom Staalsche Historienbibel aus dem 15. Jahrhundert. Sie kam 1763 in den Besitz der neu gegründeten Stadtbibliothek.

Die reiche Ausstattung, die gepflegte Schrift, die grosszügige Gestaltung und die siebzig, meist halbseitigen, kolorierten Federzeichnungen machen diese luxuriöse und repräsentative Handschrift zu einem Juwel der Buchkultur. Der Einband ist komplett erhalten und gehört zu den schönsten dieser Zeit.

Angefertigt wurde die Historienbibel in der Werkstatt von Diebold Lauber im elsässischen Hagenau um das Jahr 1460. Eingeflochten in die Nacherzählungen von biblischen Geschichten ist antiker Stoff von Alexander dem Grossen – ein Vorbild von Johann vom Staal, der 1455 als Stadtschreiber nach Solothurn berufen wurde.

Er ist laut der Kunsthistorikerin Liselotte Sauma-Jeltsch (vergleiche «Pietät und Prestige im Spätmittelalter. Die Bilder in der Historienbibel der Solothurner Familie vom Staal», Basel 2008) der Verfasser und Auftraggeber der Historienbibel.

Ansehen und Einfluss in Solothurn

Der aus dem Allgäu zugewanderte Hans vom Staal (Stall) gilt als ehrgeizig und standesbewusst. Dank seiner Bildung, seinem Beziehungsnetz und seinem diplomatischen Geschick wuchsen sein Ansehen und sein Einfluss in Solothurn rasch. Zwar war die Besoldung seines Amtes eher niedrig, aber die Fähigkeit, als Einziger in der Stadt rechtsgültige Urkunden ausstellen und in schwierigen und verwickelten Händeln vermitteln zu können, machten ihn rasch zum wohlhabenden Mann.

Hans vom Staal wirkte einem Übergewicht Berns entgegen und suchte nach aussen die Freundschaft mit Österreich. Dank dieser gewährte ihm Maximilian I. von Habsburg 1487 ein Wappen (Greifenklaue), das ebenfalls in der Historienbibel verewigt ist. Ausserdem soll vom Staal bei der Aufnahme des Kantons Solothurn in die Eidgenossenschaft eine wichtige Rolle gespielt haben.

Im September 1763 schenkte die Familie vom Staal der neu gegründeten Stadtbibliothek Solothurn ihre Familienbibliothek. Unter den insgesamt 719 Bänden ist auch die inzwischen digitalisierte, aber noch nicht abschliessend erforschte Historienbibel.

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