Stadtbummel
Über eine ganz arme und eine noch viel ärmere Stadt

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Die Stadt der Städte – ist natürlich Solothurn. Dachten wir bis vor kurzem. Bis zu diesem Städte-Trip. Schon der Bahnhof. Keine krakeelenden Alkis und Drögler wie bei der unvermeidlichen Heimkehr in unsere Stadt der Städte. Gut, dort, wo wir waren, laufen Polizei-Patrouillen mit MPs herum. Und solche haben wir bei uns am Hauptbahnhof noch nie gesehen. Aber machts das aus? Gebettelt wird dort auch, denn die Leute sind viel ärmer als hier. Aber sie hauen dich nicht so frech an wie bei uns am Landhausquai, am Amtshausplatz oder eben am Bahnhof. Unangenehm aufgefallen sind dort nur englische, grölende Fussballrowdies. Von Manchester Suffnated.

Die Stadt der Gerüche. Kein feiner Bratwurstduft ist in unser verwöhntes Solothurner Näschen gestiegen. Dafür riecht es dort wesentlich strenger – nach Sardinen. Draussen gegrillt. Wie seit Jahrhunderten. Dazu eine Melange von gekochtem Klippfisch, Ochsenschwanz – eine solche Scheibe prangt jedenfalls riesig als Wandbild an der entsprechenden Spezialitätenbeiz – sowie x Gerüchen der gar nicht zu definierenden Art. Und dazu Rauch. Von Cheschtene-Munis an jeder Strassenecke. Kein Entkommen gibt es vor ihnen. Doch nimmt dort kein Mensch Notiz vom beissenden Qualm.

Die Stadt ist ghögerig. Wie Solothurn. Aber die tun was, gegen ihre Höger. An jedem mittleren Chronestutz fährt dort nämli ein Trämli hoch. Und je älter das Chrutzli, desto mehr Leute hats drin. Was soll da ein zweites Geleise für die ultramodernen Bipperli-Kompositionen auf der Baselstrasse? Verlegt gescheiter ein Gleis vom Klosterplatz unten hinauf bis zur Reithalle. Setzt den ältesten Lisi-Salonwagen drauf und wir wetten: Es fahren mehr Leute damit herum als im elffachen Zeitraum auf der Soledurn-Münschter-Bahn!

Die Stadt bei Nacht. Erst wenn es richtig dunkel ist, fängt dort das Leben an. Die Leute sind arm, aber sie amüsieren sich prächtig. Und vor allem – ohne Ende. Die Clubs schliessen um fünf Uhr morgens. In der Regel. Es gibt aber auch welche, die machen erst um neun Uhr dicht, längst nach Sonnenaufgang. Einer schmeisst sogar erst um 17 Uhr nachmittags die Nachtschwärmer raus. Schon ab Mittwoch gehts jeweils los. In Lissabon.

Gar keine Stadt für Kurt Fluri und seine Paragrafenreiterei inklusive der FDP. Oder erst recht? Dort gäbe es noch viel zu tun. Hier allerdings auch. Doch halt! Lissabon ist eine Stadt. Solothurn nur ein Käffli.