Solothurn
Über 200 Jugendliche helfen, den «Rostwürfel» in Schuss zu halten

Kurz vor dem Saisonstart der Kulturfabrik Kofmehl gibt es für die Crew viel zu tun. Eine neue Bar soll eröffnet werden. Auch kommt das Haus allmählich in die Jahre. Unterstützung erhält das Kofmehl nach wie vor von mehr als 200 Jugendlichen.

Wolfgang Wagmann
Drucken
Teilen
Auch Sammy Deluxe wird in der neuen Sasion das Kofmehl wieder beehren
7 Bilder
Bald ist die Kulturfabrik für Pipo Kofmehl und Chrigu Stuber wieder open
Kulturfabrik Kofmehl
Die Lärmschutzwand bringt einiges
Krokus werden die neue Saison eröffnen
Noch ein Jahr hält die Bühne, dann muss eine neue her
Seit der Eröffnung im April 2005 hat das Kofmehl nicht nur aussen Rost angesetzt

Auch Sammy Deluxe wird in der neuen Sasion das Kofmehl wieder beehren

Maddalena Tommazoli-Huber

Keine zwei Wochen vor dem Saisonstart ist die Kulturfabrik Kofmehl eine einzige Baustelle: In der völlig neu konzipierten Bar wird genietet und geschraubt, was das Zeug hält. Und oben in der Garderobe künden neu gesetzte Holzpfähle von der «Neustrukturierung» des grossen, weitgehend als Depot genutzten Raums, der beim Neubau 2005 entstanden war.

«Das Haus ist schon ein bisschen alt, die Infrastruktur wird gebraucht.» Betriebsleiter Pipo Kofmehl weiss, wovon er spricht: In der letzten, achten Saison am «neuen» Standort besuchten über 90 000 Leute den «Rostwürfel», um bei 263 Anlässen 277 Bands mit 1385 Auftretenden zu erleben. Auch den millionsten Besucher hat die Kulturfabrik hinter sich, und so besteht eben an mancher Ecke Handlungsbedarf.

«Die Bühne haben wir statisch abgeklärt, sie hält noch eine Saison. Dann muss sie neu gebaut werden.» Auch diese Herausforderung findet Pipo Kofmehl «spannend» - die Bühne sei bei jährlich 1400 auftretenden Musikern und Künstlern halt inzwischen «abgerockt».

Der «Kofmehl-Spirit»

Die wichtigsten Zahlen sind aber für Pipo Kofmehl und Programmleiter Chrigu Stuber jene über 200 Jugendlichen, die sich nach wie vor begeistert für die Kulturfabrik engagieren - teils ehrenamtlich in der Freizeit, teils entlöhnt für klar definierte Leistungen an den Anlässen. «Noch nie haben so viele in der Sommerpause geholfen», stellen die bei Kofmehl-Verantwortlichen fest. Oder: «Irgendetwas machen wir schon richtig, dass sich so viele Leute hier engagieren.»

Diesen «Spirit» zu erhalten, ist denn auch das Hauptziel der Kofmehl-Führung, die übrigens auch stolz auf den ersten Lehrling verweist, der in der Kulturfabrik erfolgreich ausgebildet worden ist. Wichtig sei aber auch das Netzwerk von inzwischen über 24 000 Likers auf Facebook. «Wir pflegen diese Community auf den sozialen Medien sehr», meint Chrigu Stuber, «denn sie gibt uns oft wichtige Inputs, bis hin zu Vorschlägen für neue Bands.»

Für alle etwas

Neue Bands? Die gibts immer. Aber auch die alten. So eröffnen «Krokus» am 30. August mit ihrer Charity Show die neue Saison, oder die «Swiss Beatles» Les Sauterelles erinnern am 13. September an die Golden Sixties genauso wie die Legende Mungo Jerry. «Everlast» gibt sein einziges Schweizer Konzert am 21. Oktober im Kofmehl; im November folgt als Highlight Samy Deluxe.

Bis 5 Uhr offen: «Der Druck ist ein wenig weg»

Nach dem entscheidenden Urteil des Verwaltungsgerichts in Sachen Öffnungszeiten ist das Thema Pilotprojekt «Offen bis 5 Uhr» für die Kulturfabrik Kofmehl etwas in den Hintergrund gerückt. Betriebsleiter Pipo Kofmehl: «Nachdem wir wieder statt bis 2 bis 3 Uhr offen halten können, ist diesbezüglich der Druck ein wenig weg.» Will heissen: Während des restriktiveren Regimes musste die Kulturfabrik jeweils nachts um 2 Uhr eine volle Halle leeren, jetzt seien es um 3 Uhr nur noch wenige Gäste, die zum Verlassen des Kofmehls aufgefordert werden müssen. Auch sind die Hürden für die Ausweitung der Öffnungszeiten bis 5 Uhr durch den Kanton für interessierte Betriebe hoch gesteckt: Sie müssten ein neues Baugesuch einreichen, das wieder alle Einsprachemöglichkeiten mit sich bringt. Zudem dürften sich nur Lokalitäten bewerben, die bisher noch keine Einschränkungen kannten – was beim Kofmehl mit der Öffnungszeit bis 3 statt maximal möglich 4 Uhr nicht der Fall ist. Deshalb hält sich Pipo Kofmehl zum Thema «Offen bis 5» ziemlich bedeckt und spricht davon, dass man den zeitlich begrenzten Pilotversuch nach wie vor eine sinnvolle Angelegenheit finde, aber weiterhin in einer «Abklärungsphase» stecke. (ww)

Auch viele Schweizer Bands wie Gustav, Müslüm, Baschi, Dada Ante Portas und Bastian Baker gastieren im Herbst wieder im Kofmehl. Gleich in die Biberister Biberena wurde dagegen von der Kofmehl-Crew die DSDS-Siegerin Beatrice Egli verlegt - erstens habe man dort zusätzlich einige hundert Plätze und zweitens bringe die deutsche Produktionsfirma ihr eigenes Equipment mit.

«Ansonsten steht das Konzertprogramm bis Ende Jahr weitgehend, im Winter kommen noch vier, fünf Konzerte dazu», weiss Chrigu Stuber. Auch beliebte Acts wie die Kleinkunsttage, die Oldie-Tanzevents «ForEverYoung» und als Kontrapunkt die noch jungen Teenie-Partys stehen weiter in der Agenda - ganz nach dem Kofmehl-Motto: «Es hat für alle etwas dabei».

Herausforderungen bleiben

Dank des attraktiven Programms können die Kofmehl-Betreiber den Deckungsgrad der Betriebskosten bei rund 90 Prozent halten. Dankbar ist Pipo Kofmehl dennoch für Unterstützung durch den Kanton sowie die Repla Espace Solothurn (in der auch die Stadt engagiert ist) - beide entlasten das Kofmehl-Budget mit je 100 000 Franken.

«Die Kulturfabrik generiert aber auch Umsatz, der direkt in die Region fliesst», betont Pipo Kofmehl. Rund eine Million Franken komme so jährlich durch Material- und Dienstleistungsbezüge bei hiesigen Firmen zusammen. Das Ende des Rechtsstreits mit zwei Liegenschaftsbesitzern, der erfolgreiche Bau der Lärmschutzwand und die wieder genehmigte Öffnungszeit bis 3 Uhr haben die Situation für die Kofmehl-Crew zwar entspannt.

«Das Ganze bleibt aber eine ständige Herausforderung - und das ist gut so», weiss der alte Fuchs Kofmehl nach 22 Jahren Engagement für die Jugendkultur. Nach der verfügten Anpassung des Sicherheitsdispositivs hofft der kreative Krauskopf, dass «unsere Zusatzaufgaben nicht mehr so intensiv ausfallen wie auch schon.»

Aktuelle Nachrichten