Altersehrung
Ü75-Jährige geniessen einige schöne Stunden im Landhaus

456 über 75-Jährige besuchten während zweier Tage die Altersehrung der Stadt Solothurn im Landhaus. Das Essen kam nicht so gut an, der unterhaltende Teil begeisterte jedoch.

Katharina Arni-Howald
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Jedes hat sein Plätzchen gefunden
8 Bilder
Studium der Speisekarte
Man hört sich gerne Geschichten aus dem Leben an
Jeder Platz ist besetzt
Hände sagen mehr als tausend Worte
Freudiges Wiedersehen
Altersehrung der Stadt Solothurn
Die Geschenke stehen bereit

Jedes hat sein Plätzchen gefunden

Hanspeter Bärtschi

Im Landhaussaal herrscht, wie immer in der zweiten Hälfte des Novembers, eine erwartungsvolle Stimmung. Das Stadtpräsidium hat die ältere Bevölkerung zur Altersehrung eingeladen. Die Seniorinnen und Senioren, die das 75. Altersjahr erreicht haben, treffen nach und nach im Landhaus ein und freuen sich auf ein paar schöne Stunden.

Unzählige Helferinnen und Helfer haben dafür gesorgt, dass die nicht mehr ganz fitten und gehsicheren Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner sicher im Landhaus ankommen. Andere, vor allem jüngere Jahrgänge, streben zielsicher Richtung Landhausquai. Man sieht: die ältere Generation legt Wert auf Pünktlichkeit, denn lange vor elf Uhr haben die ersten im Saal Platz genommen.

«Gehen lieber Wandern»

Wie jedes Jahr haben das Stadtpräsidium und die Sozialen Dienste den Tag minutiös vorbereitet. Wer sich im Saal umblickt, sieht: die Jüngeren, die das 80. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, sind rar. Ein Senior, der trotzdem den Weg ins Landhaus gefunden hat, sagt warum: «Wir sind halt noch nicht alt und gehen lieber wandern oder hüten unsere Enkel.» Fest steht, dass er es nicht bereuen wird, für einmal andere Prioritäten gesetzt zu haben.

Bibersteins besser als das Ragout

«Geniesst die Stunden der Begegnung und fühlt euch wohl», ermuntert die Chefin der Sozialen Dienste, Domenica Senti, die Anwesenden. 1712 Einladungen hat das Stadtpräsidium in diesem Jahr verschickt. Verteilt auf zwei Tage haben 456 Einwohnerinnen und Einwohner der Einladung Folge geleistet.

Solothurn ehrt über 90-jährige

Insgesamt 53 über 90-jährige, in Solothurn wohnhafte Personen wurden im Landhaus speziell geehrt, davon sind 37 Frauen und 16 Männer, darunter auch ein Ehepaar. Die Geehrten sind: Elisabeth Pfluger und Ernst Däpp (beide 96-jährig), Bertha Hug, Emil Kölliker, Walter Wiggli (alle 95), Gretchen Ott, Ottilia Glatzfelder, Schwester Marianne (Kloster Namen Jesu), Vanda Jenni, Hans Gysin, Klara Misteli, Verena Nydegger, Gertrud Rothenbühler, Rolf Heim und Lotty Christen (alle 94), Lisa Baumgartner, Martha Baumgartner, Hedwig Henzi, Hedwig Howald und Lucie Kunz (alle 93), Rudolf Schenker, Maria Böhlen, Gertrud Kurth, Maria Stierli, Gertrud Thümmel, Erna Walker, Franz Baumgartner, Martha Trüssel und Walter Zobrist (alle 92), Liselotte Nussberger, Paul Naef, Anna Krämer, Emma Heim, Therese Glutz von Blotzheim, Josef Bargetzi, Erwin Althaus, Margrit Gugerli, Verena Nobs und Vreni Ris (alle 91), Gerhard Bär, Irene Kohler, Margaritha Leuenberger, Guido von Arx, Vlastimil Citovsky, Johann Eichenberger, Gertrud Erismann, Adelheid Ernst, Ursula Frei, Helena Kiener, Maria Rudolf von Rohr und Ginette Schmidlin (alle 90). Sowie das Ehepaar Margrit und Willibald Pfefferli (91/93). (egs/szr)

Auf der Bühne bereitet sich das Murtensee-Duo darauf vor, den Anlass mit Alphornklängen zu eröffnen. Kaum sind diese verklungen, werden die beiden stattlichen Mannen durch die Solothurner Sagensammlerin Elisabeth Pfluger abgelöst. Man staunt, wie klar die 96-Jährige noch immer ist. Ihre «Müsterli» aus den verschiedenen Bezirken des Kantons kommen an. Es wird geschmunzelt und gelacht.

Und schon ist Zeit für das Mittagessen. Der Solothurner Wein erfreut die durstigen Kehlen. Man prostet sich zu und blickt nach links und nach rechts, ob allenfalls der alte Schulschatz, ehemalige Nachbarn oder Arbeitskollegen im Saal sind. Der eine oder andere stochert lustlos in seinem Teller herum. Das Kalbsgulasch mag in seiner Konsistenz nicht recht gefallen, und den «Schrübli» wäre eine etwas längere Kochzeit gut bekommen. Die Besenvalküche stösst generell nicht auf viel Lob.

Umso mehr fliegen die Herzen den Geschwistern Biberstein zu. Das volkstümliche Liedgut lässt gesundheitliche Probleme und sonstige Einschränkungen vergessen. Selbst der ausfallende Mittagsschlaf ist vergessen. Es wird geschunkelt, gesungen und gelacht.

Auch die Grussworte von Stadtpräsident Kurt Fluri kommen gut an. Er informiert über das anstehende Fusionsprojekt, altersgerechte neuzeitliche Wohnformen und verspricht, dass die Weiterführung der Altersehrung kein Thema sei.

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