Solothurn

Türkischer Mystik-Chor entführte das Publikum in eine andere Welt

In Rotation: Einer der beiden Derwische auf der Bühne des Konzertsaals.

In Rotation: Einer der beiden Derwische auf der Bühne des Konzertsaals.

Der populäre türkische TV-Star, Sänger, Theologe und Dozent für spirituellen Gesang, Fatih Koca, lockte viel Publikum nach Solothurn. Sein Chor mit den tanzenden Derwischen zauberte eine mystische Stimmung in den Konzertsaal.

«Merhaba, ho? geldiniz» hiess Hikmet Dagci, Präsident des Kulturvereins Anadolu-Helvetia seine aus der ganzen Schweiz angereisten Landsleute willkommen. Er sei stolz, diese Mystiker anzukünden: «Die Liebe zu Gott ist für sie die Voraussetzung, die Menschen zu lieben, egal welcher Herkunft. Weil die Menschen Teil der göttlichen Schöpfung sind.»

Der türkische Botschafter Tanju Sümer freute sich, im Geburtsmonat der türkischen Republik, die am 29. Oktober den 90. Jahrestag feiere, einen solchen Anlass zu besuchen. Vize-Stadtpräsidentin Barbara Streit-Kofmel pflichtete ihm bei: «Solothurn wird ja auch Kulturstadt genannt - und wir sind nicht nur von der eigenen Geschichte umgeben, sondern pflegen auch einen regen Austausch mit anderen Kulturen. Es ist eine Ehre, an diesem Fest dabei sein zu dürfen.»

Der Tanz der Derwische

Solothurner Gäste und türkischstämmige Besucher blickten gleichermassen gebannt zur Bühne, als der sechs Männer umfassende Mystik-Chor einzog. Obschon jeder von ihnen die Refrains mitsingt, sind sie doch in erster Linie Musiker mit traditionellen Instrumenten: Tamburin, Trommel (Bendir), Geige, eine Art Gitarre, Tischharfe und die für die Sufi-Musik unerlässliche, Nay genannte Rohrflöte.

Botschafter Tanju Sümer mit Hikmet Dagci, Präsident Anadolu-Helvetia Solothurn, Imam Abdullah Karaköcek und Attaché Ahmet Akim, Beauftragter für religiöse Angelegenheiten.

Botschafter Tanju Sümer mit Hikmet Dagci, Präsident Anadolu-Helvetia Solothurn, Imam Abdullah Karaköcek und Attaché Ahmet Akim, Beauftragter für religiöse Angelegenheiten.

Mit langsamen, elegischen Klängen leitete das Ensemble die Vokalstücke ein. Fatih Koca stimmte mit dem Lobpreis auf Gott und den Propheten Mohammed ein. Die Begleitmusik mit den immer schneller werdenden Rhythmen, wie auch der Gesang, faszinierten. Liessen das Publikum in Andacht verharren, obschon die immer temporeicheren Rhythmen mit dem Herzschlag der Trommel, den ganzen Körper erfassen, mitschwingen lassen. So, wie es die beiden Derwische mit immer schnelleren Drehungen vor Augen führten.

Der ganze Saal vibrierte von der Suggestivkraft dieser mystischen Musik, der in andere Sphären tragenden Stimme und den sich in Trance immer schneller kreisenden Sema-Tänzern. Längst hatten sie den schwarzen Umhang abgelegt. Dieser symbolisiert mit der Kopfbedeckung namens Sikke die Vergänglichkeit des irdischen Lebens.

Mit dem Ablegen werden die Derwische spirituell neu geboren. Der rechte Arm zeigt nach oben um die Gunstbeweise entgegenzunehmen, die linke Hand deutet nach unten um den Segen auf der Erde zu verteilen. Das weite weisse Gewand lässt das Geistige durchlässig werden, bauscht sich, je schneller der Tänzer um die eigene Achsel dreht.

Momente, deren Mystik sich niemand zu entziehen vermochte. Ebenso, als Faith Koca «Estàgfirullah», einen spirituellen Gesang über die Sehnsucht nach den heiligen Stätten des Islam anstimmte.

Positive Botschaften

Das alte Volkslied Çanakkale vereinigte zum Schluss Künstler und Publikum und endete in einer stehenden Ovation. Mustafa Dikbas, Pressesprecher und Vize-Präsident von Anadolu-Helvetia Solothurn, strahlte: «Fatih Koca und sein Chor begeistern durch positive Botschaften. Das tut mir gut. Und wie es scheint, ganz vielen anderen auch.»

Anton Probst, Gemeindepräsident von Bellach, schätzte die Begegnung mit einem für Aussenstehende nicht unbedingt zugänglichen Aspekt der türkischen Kultur. «Dies fördert das gegenseitige Verstehen und sensibilisiert für Anliegen, mit denen wir konfrontiert werden«, resümierte Probst.

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