Mammutbaum

Trotz Hickhack – der Baum in Solothurn darf gefällt werden

Der Mammutbaum neben dem Museum Blumenstein ist nicht mehr geschützt.

Der Mammutbaum neben dem Museum Blumenstein ist nicht mehr geschützt.

Neben dem Historischen Museum Blumenstein ist auf Privatboden eine Wohnüberbauung geplant. Ihr müsste ein 120-jähriger Mammutbaum weichen. Dagegen regt sich Widerstand im Quarter. Doch der Riese ist nicht mehr geschützt.

Im Garten der Liegenschaft Sälirain 7 ragen die Baugespanne in die Höhe. Lange nicht so hoch, wie der mächtige Mammutbaum dort, doch auf den ersten Blick wird klar: Der Baumriese steht innerhalb der abgesteckten Baufläche – und muss ergo gefällt werden. Hinter der geplanten Wohnüberbauung «Villa Blumenstein» steckt die Balsthaler Imey AG, die offenbar schon seit zwei Jahren die Planung von mehreren Wohneinheiten auf dem Grundstück vorantreibt. Das dortige alte, leere Haus soll abgerissen werden. Zuletzt hatte die Bauherrin ein im Oktober des Vorjahres eingereichtes Baugesuch Mitte Januar zurückgezogen und nach verschiedenen Änderungen – darunter auch einer Reduktion des Baukörpers – ein neues Gesuch publiziert. Doch auch dieses sieht den Erhalt des Mammutbaumes nicht vor.

Was Nachbarin Therese Wyss zu einem empörten Leserbrief veranlasst hatte. Das Thema: Kann man nichts tun, um den Mammutbaum zu retten?

Der Schutz wurde aufgehoben

Offenbar nein. Auf Anfrage teilt Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, mit: «Der Mammutbaum auf dem Grundstück GB Nr. 2813 ist im künftigen Naturinventar nicht aufgelistet. Der Schutz des Baums wurde mit der Genehmigung der Ortsplanungsrevision im Jahr 2002 durch den Regierungsrat aufgehoben. Dieser Umstand wurde auch bei den entsprechenden Voranfragen so kommuniziert.»

Eine klare Antwort, die jedoch bei einem Blick in die aktuelle Version des städtischen Naturinventars, datiert am 12. April 2017, stutzig macht. Denn eigentlich ist diese Version auch jene, die mit der Ortsplanungsrevision in Kraft treten sollte, und alle Angaben stützen sich auf das daher noch gültige Baum- und Naturinventar 2012. Darin wird die «Historische Gartenanlage mit altem Baumbestand u. a. Mammutbaum» als «wertvoll» und «sehr wertvoll» bewertet und als Schutzstatus «kantonal geschützt» angegeben. Explizit ist angemerkt: «Parzelle Nr. 2813 geschützt: Liste kantonal geschützter Gärten, restliche Gärten erhaltenswert.» Und unter «Bedrohungen» werden unter anderen «Bauliche Eingriffe» aufgeführt.

«Falsche Unterlagen»

Involviert war anfänglich auch die Kantonale Denkmalpflege. «Doch nachdem wir vom Regierungsratsbeschluss Kenntnis hatten, zogen wir uns zurück», erklärt Denkmalpfleger Stefan Blank. Das Beibehalten der Gartenanlage und ihrer Bewertung im Naturinventar sei auf «falsche Unterlagen» zurückzuführen, die man weitergegeben habe. Und derzeit denke er auch nicht, dass die Denkmalpflege noch etwas zum Erhalt der Gartenanlage unternehme. Dieser Teil gehöre noch zum alten Garten des Schlosses Blumenstein, sei aber jetzt in Privatbesitz.

Diese Erklärung bestätigt wiederum Lukas Reichmuth, Chef des städtischen Hochbauamtes: «Es ist so, dass im Naturinventarblatt vom 12.04.2017 die Objekt-Nr. PAR 16 (Sälirain 3, 5, 7, 9, 15) aufgeführt ist und fälschlicherweise beim Schutzstatus als kantonal geschützt bezeichnet wurde.» Dies sei tatsächlich auf die von der Kantonalen Denkmalpflege zugestellten falschen Unterlagen zurückzuführen. «Dies wurde von der Kantonalen Denkmalpflege in der Vorprüfung festgestellt.» Deshalb werde in der revidierten Fassung des Naturinventars für die Gartenanlage kein Schutzstatus mehr aufgeführt. «Aber», so Reichmuth, «das Inventarblatt vom 12.04.2017 bleibt im Naturinventar erhalten, jedoch ohne rechtlichen Schutzstatus.»

Was geschah 2002?

Leider sind die Begründungen der Regierungsratsbeschlüsse erst ab 2003 online abrufbar, was die Spurensuche für den Entscheid von 2002 massiv erschwert. Ein Versuch beim damaligen Baudirektor Walter Straumann hilft nicht weiter. «Tut mir leid», muss er zur «Freigabe» des Gartens mitsamt dem Mammutbaum erklären, «daran kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Aber es müsste doch Akten geben.»

Wortkarger Konservator

Erich Weber, Konservator des benachbarten historischen Museums Blumenstein, will sich materiell nicht zu dem «Fall» des Mammutbaumes und Gartens nebenan äussern. «Wir haben zwar eine klare Meinung und konnten diese auch über die Kommissionen einbringen. Aber wir entscheiden nicht», begründet er seine Zurückhaltung in der Causa Sälirain 7. Doch habe man sich «sehr intensiv» damit auseinandergesetzt und «wir haben unsere Position eingebracht». Und die sei «ziemlich klar» – dennoch muss Weber einräumen: «Bauen darf man dort, das Gebiet ist Bauzone.»

Wieweit die Imey AG bei ihrer Planung von diesem «Kuddelmuddel» betroffen war, ist derzeit noch offen. Bauherr Walter Spielmann weilt derzeit in Auslandferien – er wolle sich Mitte nächster Woche melden.

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Autor

Wolfgang Wagmann

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