Sommerserie

Trotz aller Opposition: Wie das heutige Stadtsolothurner Aareufer zustande kam

Der letzte Teil unserer Sommerserie: Aufbruch ans Aareufer. Was zuletzt in den beiden Uferzonen aus der Revolution der 98er alles entstanden ist: Von der «Hafebar» bis zum «Red John».

Keine Treppe, aber auch keine Plattform – das Projekt zur Landhausquai-Umgestaltung kam statt «leicht Italienisch» nur noch «ganz leicht italienisch» daher. Immerhin wurden im Frühling 2002 die Arbeiten aufgenommen, sie zogen sich aber doch noch tief in den Sommer hinein.

Am 30. Juli konnte Stadtpräsident Kurt Fluri dann noch eröffnen, was von all den Attraktivierungs-Ideen seit dem April 1998 noch übrig geblieben war: Das Aaremürli erhielt eine Reihe eingebaute Leuchten, die Plattform westlich des Landhauses wurde für das Sommerbeizli der Genossenschaft Kreuz mit Solothurner Steinplatten aufpoliert und die vorhandene Abtreppung zum Aarespiegel mit dem gleichen, schimmernd weissen Material zu einer rund dreimal so langen, flach gestuften Rampe verlängert.

Nicht unwesentlich: Der gesamte Quai wurde als Begegnungszone mit max. 20 km/h Fahrtempo umgestuft. Der Autoverkehr sollte jedoch die IG Landhausquai noch jahrelang beschäftigen – ihr Fernziel war vor allem samstags ein autofreier Quai. Kurt Fluri appellierte im Rückblick auf die turbulenten Jahre am Aarestrand an die Eröffnungsgäste: «Hätten wir auf gewisse Stimmen gehört, die uns empfohlen haben, sich wie Olten gegen den Kanton zu stellen, dann hätten wir heute gar nichts.»

Die «Würstchenbude»

Inzwischen allerdings war der Landhausquai in Sachen Aareufer-Attraktivierung eher zu einem Nebenschauplatz verkommen, denn private Initiativen hatten anderswo die ganz grossen Pflöcke eingeschlagen. So war 2001 die Idee des Architekten Bruno Walter für eine Sommerbar im Kreuzackerquai konkretisiert worden, und im darauffolgenden Winter hatte die Gemeinderatskommission GRK zu gleich zwei eingereichten Projekten den Zuschlag zu vergeben: entweder an Walters Hafebar, betrieben durch das «Vini al Grappolo», oder an das Projekt «Parador» des Architekten Marc Flammer.

Die Hafebar siegte und wurde Mitte Mai 2002 erfolgreich gestartet. Allerdings nicht direkt über dem barocken Rollhafen, sondern etwas nach Osten zum Gewerbeschulhaus hin verschoben. Werner Stebler, Leiter Stadtbauamt, damals: Die «Würstchenbude» sollte den Rollhafen nicht konkurrenzieren …

Und sonnige Stunden

Noch etwas schneller als die Hafebar peppte die Genossenschaft Baseltor das Aareufer mächtig auf. Schon im Mai 2002 hatte sie im ehemaligen Schlachthaus ihre In-Bar «Solheure» eröffnet, nachdem die Stadt endlich das Ensemble zum Umbau einem privaten Kollektiv, der Ballenhaus AG, überlassen hatte.

Noch 2001 betrieb die Genossenschaft ein Container-Beizli unter dem Namen «SolHeure» neben dem im Umbau befindlichen und nun «Uferbau» genannten Schlachthaus. In der kurzen Sommersaison erzielte man mit dem kioskähnlichen Mini-Betrieb immerhin einen Umsatz von 300'000 Franken, was das Potenzial der neuen Aare-Angebote eindrücklich belegte …

Eine Meile für Seminare

Die Saat am Aareufer war damit aber erst richtig aufgegangen. Nachdem noch im Jahr 2000 das Schlachthaus nicht als neues Seminar-Hotel zur Verfügung gestanden war, hätte Markus Graf als Investor mit der CS Asset Management fast seine Seminarmeile-Pläne begraben. Doch bereits 2003 stand der Vertrag mit der Stadt, dem Kanton und ihm – das Landhaus und das Palais Besenval wurden umgebaut, das neue Seminarhotel, damals noch Ramada genannt – bis Ende 2006 erstellt. Das 33-Mio.-Projekt Seminarmeile war trotz etlicher Opposition in Solothurn – vor allem aus Hotelierskreisen – Realität geworden.

Neue Brücken, Bars und Beizen

Doch geradezu rasant veränderte sich der Aare-Bereich der Stadt auch sonst: Zur Westumfahrung gabs 2008 auch eine neue, attraktive Fussgänger- und Velobrücke im Dreibeinskreuz, die neue Rötibrücke erhielt zusätzlich einen eleganten Fussgängersteg, der die beiden Aareufer für Fussgänger viel besser erschloss.

Die Stadt leistete sich noch eine Abtreppung zwischen dem Uferbau und der Rötibrücke, beim Bürgerhaus entstand ein Aarebeizli mit Terrasse, und am Ausgangspunkt der Revolution, dem Landhauquai, wuchsen neue Beizen, Bars und Pubs regelrecht aus dem Boden – eine eigentliche Aaremeile, im Volksmund «Rue de Blamage» genannt, entstand, mit heute so beliebten Adressen wie dem «Salzhaus», dem «Red John» oder der «Café Bar Barock» und anderen.

Nur die Kinder der Revolution, sie wurden teilweise von ihr gefressen: Der Musikladen Tribe von Mike Stocker wich ebenso einer Bar-Beiz wie der «Spielhimmel», der aber immerhin in der Theatergasse ein neue Bleibe fand. Beide Betreiber der Geschäfte hatten 1998 die Initiative ergriffen, um dem Landhausquai ein neues Image und bessere Besucherfrequenzen zu verpassen. Die letzten 20 Jahre indessen beweisen: Das ist ihnen restlos gelungen – allen ersten Rückschlägen zum Trotz!

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