Die Schützengesellschaft der Stadt Solothurn feiert in diesem Jahr mit elf verschiedenen Anlässen ihr 550-jähriges Bestehen. Traditionsbewusst – aber nicht von gestern, hiess das Motto von Präsident Peter Wagner, der am offiziellen, rundum stimmigen Festakt Gäste aus Kanton und Stadt so wie von befreundeten Vereinen begrüsste.

Mitgestaltet wurde die Feier durch die Stadtmusik Solothurn, welche unter anderem den Kurt Fluri-, den Samuel Schmid- sowie in einer Art zweiter Uraufführung den Stadtschützenmarsch von Richard Flury aus dem Jahr 1922 spielte.

Vereine als Kitt der Gesellschaft

«Einerseits die Erhaltung und Förderung des Wehrwesens als staatserhaltende Kraft, anderseits die einigende Wirkung des gemeinsamen Strebens.» So zitierte Stadtpräsident und Nationalrat Kurt Fluri aus der Festschrift 1962 von Louis Jäggi zum 500-jährigen Bestehen der Stadtschützen Solothurn. Er schlug dann den Bogen zum Heute, wo das Wehrwesen stark erodierenden Kräften ausgesetzt sei. «Das Armeebudget wird auf politischer Ebene seit eh und je in Friedenszeiten als finanzpolitischer Steinbruch missbraucht», rügte Fluri.

In naher Zukunft stehen erneut Initiativen ins Haus, welche die Wehrpflicht grundsätzlich infrage stellen. Fluri hofft: «Die Ablehnung dieser tief in unsere staatlichen Strukturen eingreifenden Initiativen ist zwar schon wahrscheinlich, es sollte aber eine deutliche werden.» Da seien auch die Schützengesellschaften gefordert. Damit komme man zum zweiten Grundgedanken von Louis Jäggi – zur gemeinsamen Anstrengung, welche letztlich einigend wirke.

«Der Verein ist der Ort, wo sich der Individualismus ideal mit dem Anstreben eines gemeinsamen Ziels vereinbaren lässt. Wir leben in einer Zeit der Widersprüche: Einige neigen zu extremem Individualismus, wollen vom Gemeinwesen nichts wissen, andere laufen einem kollektiven Extremismus nach», so Fluri. Vereinsmitgliedschaft, das Anstreben gemeinsamer Ziele, lasse solches nicht zu; das verbinde, indem es lerne, eigene Ansprüche zurückzustellen.

Zukunft braucht Herkunft

Der Festredner, alt Bundesrat Samuel Schmid, gab einen kurzen Überblick über die Zeit um das Gründungsdatum der Stadtschützen 1462: Der Buchdruck war gerade eben erfunden, Luther war noch nicht geboren, noch galt das geozentrische Weltbild. Solothurn bemühte sich um die Aufnahme in die Eidgenossenschaft. Es war keine ruhige Zeit – weder in der Welt, noch in Solothurn.

«Wir stehen heute in Respekt vor diesen 550 Jahren, in denen sich immer wieder Schützen zusammengetan haben, unter welchen Bedingungen auch immer. Sie sind Teil der Geschichte und sie ist Teil unserer Identität. Damit prägen wir die Gegenwart und gestalten die Zukunft. Diese ist keine Kopie der Vergangenheit, aber sie kann zehren von den Erfahrungen, die unsere eigene Geschichte uns machen lässt.» In diesem Sinn wünschte Samuel Schmid: Die Stadtschützengesellschaft bleibe lebendig in ihrem Geist, damit sie wachse, blühe und gedeihe.