Ist denn morgen schon Weihnachten? Es ist doch erst Samstag! Ein ganz normaler Samstag mit Märet in der Altstadt, Käfele und Maroni-Kaufen – gäng wie gäng. Und jetzt soll morgen schon das Weihnachtsfest stattfinden? So ein hundsnormaler Samstagabend wird plötzlich zu einem heiligen Abend? Unmöglich! Die üblichen Samstagstraditionen können doch nicht einfach so gebrochen werden. Oder?

Wo bleibt beispielsweise der Schnee? Weihnachten sollte doch traditionsgemäss weiss sein! Und ich meine jetzt nicht, wenn man tagsüber nach oben schaut! Vielleicht leben wir einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. (Die besten Chancen auf weisse Weihnachten haben übrigens die Bewohner der Arktis.) Vielleicht gehört es inzwischen zur Solothurner Tradition, dass Weihnachten eben nicht mehr weiss ist.

Ein anderer weihnachtlicher Brauch will, dass man Mistelzweige über die Tür hängt. Und wer sich darunter küsst, bleibt der landläufigen Legende nach ein Leben lang zusammen. Sollte man diese Tradition brechen? Was ist, wenn man keinen Mistelzweig hat? Oder noch blöder: keinen zum Küssen? Dann schickt man sich halt selbst eine Mistelzweig-SMS, schaut nach oben und küsst sein Handy.

Und wie feiern die Solothurner Weihnachten? Traditionellerweise werden Weihnachtskonzerte (z. B. heute Abend die Singknaben in der Kirche St. Marien) und Gottesdienste abgehalten. Und an den Abenden wird gemeinsam mit der Familie festlich gespeist und man tauscht Geschenke aus, ganz nach dem Motto «Zum Fest die Freude überwiegt, wenn unterm Bäumchen auch was liegt!». Also alles gäng wie gäng? Tradition ist, wenn sich nichts ändert. Und böse Zungen sagen, dass das Festhalten an Traditionen nur ein Zeichen unserer geistigen Faulheit sei.

Am Weihnachtsabend läuft so einiges in unserem Städtchen, falls man sich den Festtagsspeck gleich wieder wegtanzen will: Die legendäre Xmas-Party im Solheure oder die «After Familienschlauch Poardy» im Kofmehl wie zu guten alten Zeiten. Na, wenn das keine Traditionen sind ...

Ein Sprichwort sagt: «Die Pflege von Traditionen ist nicht einfach das Aufbewahren von Asche, sondern das Aufrechterhalten einer Flamme.» Und in dem Sinne freue ich mich auf den Märet, den Mistelzweig, das feine Essen, die Päckli und die Poardy – auch an einem schneelosen, hundsgewöhnlichen Samstag. Voilà.