Solothurn
Tradition als Superspreader-Anlass? Über die Sorgen ums Kerzenmeer in der Verenaschlucht

Die Bürgergemeinde Solothurn ist besorgt, dass zu viele Menschen an Heiligabend in die Verenaschlucht kommen – Ein Aufruf.

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In der Adventszeit erhellen Kerzen die Verenaschlucht.

In der Adventszeit erhellen Kerzen die Verenaschlucht.

Isabelle Mäder

Seit einigen Jahren – gar Jahrzehnten – werden in der Verenaschlucht während der Adventszeit Kerzen aufgestellt. Bis zum 24. Dezember finden mal mehr, mal weniger Leute den Weg zur Einsiedelei St. Verena. Am Heiligabend jedoch kommen wahrhaften Besucherströmen. Im Gänsemarsch wird in der Schlucht spaziert, Lichter angezündet und das Kerzenmeer bewundert. «Gemäss Einsiedler waren letztes Jahr bestimmt tausend Besucher in der Schlucht», erklärt Sergio Wyniger, Bürgergemeindepräsident Solothurn. Es seien nicht nur Solothurner, die hier Kerzen anzünden, sondern Leute aus der ganzen Schweiz.

«Es ist schon zur Tradition geworden», sagt Wyniger. Auch dass die Bürgergemeinde und Freiwillige am nächsten Tag in der Schlucht die Kerzenreste zusammensammeln sei Tradition. «Ich finde das noch schön, dass die Leute so zusammenkommen, sei es beim Kerzenanzünden oder dann beim Aufräumen», sagt der Bürgergemeindepräsident. Doch dürfe man nicht vergessen, dass es sich bei der Schlucht um ein Naturschutzgebiet handle und so viele Besucher einen negativen Einfluss auf die Natur hätten.

Soll die Schlucht gesperrt werden?

Doch die Unversehrtheit der Natur beschäftigt Wyniger dieses Jahr weniger. Ihn besorgt mehr, dass sich die unzähligen Besucher mit dem Coronavirus anstecken und der Menschenstrom am 24. Dezember zum Superspreader-Anlass wird. «Wir organisieren ja keinen Anlass, so können wir ihn auch nicht absagen», sagt er. Trotzdem sei die Bürgergemeinde, als Besitzerin der Einsiedelei, ein Stück weit verantwortlich für das, was in der Schlucht geschieht. Doch wie können Menschen dazu bewegt werden, davon abzusehen, die Schlucht zu besuchen? «Mir bereitet das Kopfzerbrechen und wir haben bis jetzt keine akzeptable Lösung gefunden», erklärt er.

Klar ist, dass die Kapellen in der Einsiedelei geschlossen werden. Ob man in der Verenaschlucht auf die Eigenverantwortung der Menschen zählen soll, weiss er nicht. «Eine Option ist auch, dass Gebiet abzusperren, damit niemand zum Gelände kommt», sagt er. Er ist sich aber nicht sicher, ob diese radikale Lösung überhaupt nötig ist. Die Zeit für eine Entscheidung drängt, denn morgen ist schon der zweite Advent. «Wer eine gute Idee hat, wie man einen Menschenauflauf verhindern könnte, kann sich gerne bei uns melden», sagt Wyniger. (jfr)

Hinweis: Lösungsvorschläge kann man an info@bgs-so.ch senden.

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