Region Solothurn Tourismus
Tourismusdirektor hätte lieber eine neue Bahn als ein «Poschti»-Provisorium

Nur der Stillstand am Weissenstein trübt das mehrheitlich positive Tourismusbild in der Region. 1381 Stadtführungen und 122 000 Logiernächte im letzten Jahr – nur 2000 weniger als 2012 – stehen für den Erfolgskurs von Region Solothurn Tourismus.

Wolfgang Wagmann
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Trotz des einsetzenden Bergfrühlings kommt in Tourismuskreisen keine Freude über die Situation am Weissenstein auf.

Trotz des einsetzenden Bergfrühlings kommt in Tourismuskreisen keine Freude über die Situation am Weissenstein auf.

Urs Lindt

«Das ist im Schweizer Vergleich sehr gut», bemerkte Präsident René Hohl angesichts der Tatsache, dass das Hotel Krone 2012 ja bereits ein halbes Jahr geschlossen gewesen war. Dass auch Olten die sehr erfolgreiche Solothurner Seminarmeile kopiere, «sehen wir nicht als Konkurrenz», bemerkte Hohl an der Generalversammlung des Vereins im Landhaus.

«Im Moment sind wir auf 99,3 Prozent der Vorjahreszahlen», ergänzte Tourismusdirektor Jürgen Hofer die Logiernächte-Bilanz, «und wir hoffen, die 100 Prozent hin zu bekommen.» Dies nicht zuletzt dank den erfolgreichen Anstrengungen der neun Betriebe umfassenden Vermarktungsorganisation Solothurn Services. Neben vielen positiven Entwicklungen in der Hotellerie, der Vorstadt im Speziellen und beim Kulturbetrieb der Stadt machte Hofer auch Baustellen aus. Die wichtigste: der Weissenstein, wo immer noch die Beschwerde des Heimatschutzes gegen die neue Seilbahn hängig ist. «Der Postautobetrieb wird zwar wieder durchgeführt, doch mussten wir letztes Jahr die Defizitgarantie beanspruchen», sähe der Tourismusdirektor lieber eine neue Bahn als das für ihn ungenügende «Poschti»-Provisorium.

Kurt Fluri: Wenn man über Giacometti «tschüupperet»

Im üblichen Kurzresümee erwähnte Stadtpräsident Kurt Fluri die «super» verlaufenen Bike Days - bis Montagabend habe es «keine einzige Reklamation» gegeben. Auch dank dem neuen Schiff Rousseau habe die Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft BSG «ein sehr gutes Jahr» gehabt. Die Entwicklung in der Vorstadt mit den neuen Umgestaltungsplänen (wir berichteten) stimme ihn zuversichtlich. «Es dauert halt einige Jahre, bis die Veränderungen greifen.» Die Sitzung mit der Baurechtsnehmerin Crédit Suisse habe für das Hotel Krone ergeben, dass der grosse Saal plus allenfalls die Bar erhalten werde, dazu würden 30 Hotelzimmer bleiben. Dies und die Tatsache, dass die Genossenschaft Baseltor den Betrieb übernimmt, sieht auch Tourismusdirektor Jürgen Hofer sehr positiv: «Das ist für uns mehr als ein Glücksfall.»

Neben dem Stadttheater war vor allem das Kunstmuseum für Kurt Fluri ein Thema: Demnächst werde im Gemeinderat und an der Juni-Gemeindeversammlung über den Kulturgüterschutzraum des Museums befunden. Das Projekt bewege sich in einem Kostenrahmen von 6,5 Mio. Franken, wovon 3,5 Mio. vorfinanziert sind. «Der Kulturgüterschutzraum wäre für die fachgerechte Lagerung der Kunstobjekte wichtig. Im Museum ‹tschüupperet me› über Bilder von Giacometti», zeigte er drastisch die Sachlage auf. Wichtig wäre der Raum auch für künftige Schenker, denn mit der Realisierung gebe es Chancen auf eine Schenkung von wichtigen Cuno-Amiet-Werken. Eher nachdenklich Fluris Weissenstein-Sicht: Das Bundesverwaltungsgericht werde über die Beschwerde des Heimatschutzes nicht summarisch, sondern im ordentlichen Verfahren entscheiden. «Und das Gericht muss seine Linie erst noch finden, wie verschiedene Urteile des Bundesgerichts im Nachgang gezeigt haben», zeigte sich der Stadtpräsident keineswegs sicher, was die Urteilsfindung anbelangt. Deshalb sei mit einem Gang vor Bundesgericht so oder so zu rechnen. (ww)

Auch den Wegfall des Swiss-Walking-Events im September mangels Hauptsponsor bedauerte er. «Doch werden wir den Wegfall verkraften.»

Gut gewirtschaftet

Erfolgreich operierte Region Solothurn Tourismus auch im Zahlenbereich: Bei Erträgen von gut 1,5 Mio. Franken waren Rückstellungen von 72 000 Franken unter anderem auch für die Mitarbeiterschulung möglich.

Der Reingewinn belief sich auf rund 2000 Franken und ein solcher in ähnlichem Rahmen wird auch fürs laufende Jahr budgetiert. «Wir hoffen aber, dass auch dann Rückstellungen möglich sein werden», betonte Jürgen Hofer. Er wies zudem auf die bedeutendsten Einnahmenposten des Vereins hin – so fliessen 430 000 Franken aus der Stadtkasse, 314 000 Franken machen die Kurtaxen aus und «immerhin erwirtschaften wir mit unseren Dienstleistungen ebenfalls erhebliche Mittel» sprach er die 200 000 Franken Bruttoeinnahmen aus den Stadtführungen an.

Was alles ansteht

Mit dem «Milestone» – der 3. Preis von Schweiz Tourismus 2012 für die «Seminarmeile» vergeben – als Motivator im Rucksack will Region Solothurn Torismus die diesjährigen Aufgaben angehen. Die Ausgestaltung des für Jürgen Hofer noch «ziemlich vagen» Tourismusartikels im Wirtschaftsgesetz ist eine dieser Aufgabe, «aber immerhin haben wir den Artikel.» Neu soll eine Panoramakarte/Homepage für das in einer Studie untersuchte Gebiet Grenchenberge-Weissenstein-Balmberg erstellt werden. Wandern ist ohnehin angesagt, denn Region Solothurn Tourismus engagiert sich diesen Sommer an der Leserwander-Aktion der AZ-Mediengruppe, die erstmals auch durch solothurnische Lande führt. Und ein wichtiger Punkt bleibt die Teilnahme des Gastkantons Solothurn an der Olma sowie zuvor anlässlich der HESO an der Sonderschau «Solma».

Gewählt wurden Direktor und Vorstand für weitere zwei Jahre, noch nicht ersetzt werden konnte der demissionierende Ueli Bucher, der seit 1997 dem Vorstand angehört hatte. Er wurde ebenso mit einem Präsent geehrt wie die nach 26 Jahren zurückgetreten Stadtführerin Lisa Gautschi, der in den Ruhestand tretende BSU-Betriebsleiter Robert Fürst und Josef Küng, gewesener Gastronom und Wirt auf dem Hotel Krone sowie dem «Grünen Aff» in Altreu.

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