Glamour, Scheinwerferlicht oder die Catwalks der grossen Welt findet man an der Herbstmesse heuer kaum, dafür viel Bodenständiges. Trotzdem war am Eröffnungstag am Stand des Blumenhauses Buchegg mit Ronja Furrer ein Topmodel anzutreffen. Der Eindruck, dass hier eine «very important person» mit ihrer Anwesenheit Gutes tut und darüber spricht und sprechen lässt, greift zu kurz.

Für die 21-jährige gebürtige Lüterkoferin ist das «Bluemehuus» vielmehr eine Herzensangelegenheit seit frühen Kindheitsjahren und nicht bloss karitatives Pflichtprogramm mit Promoeffekt. Es ist eine Herzensangelegenheit, für die sie gerne von ihrem Domizil in New York anreist. Guetzli backen oder sonst im Zentrum mithelfen, davor scheut sich Furrer nicht. Abgesehen davon sei es für sie stets «eine Megafreude, wieder nach Hause zu meiner Familie zu kommen. Diese bringt mich wieder auf den Boden zurück.»

Man hat den Eindruck, dass das «Bluemehuus» selbst ein bisschen zur Familie gehört. Ihre Mutter, ihr Gotti und auch ihre Cousine arbeiten dort. Zudem ist Ronja Furrers Tante selbst Bewohnerin des Zentrums: «So habe ich früh gelernt, wie man mit behinderten Menschen umgeht – und was sie mir auf den Lebensweg mitgeben.» Nämlich die authentische Herzlichkeit, die abseits des Catwalks herrscht. Natürlich hat sie auch im Blumenhaus ihre «Fans», vor allem zwei Buben, elf und zwölf, die sich auf ihre regelmässigen Besuche freuen. Dennoch: «Wenn ich von der oberflächlichen Welt da draussen heimkomme, geben mir die Kinder hier so viel. Und es ist ihnen egal, dass ich ein Model bin oder wie ich gekleidet oder geschminkt bin.» Ein «Geben und Nehmen» sei es, wenn sie bei der Institution reinschaue. Und hier am Stand gibt sie nun – nämlich etwas von der Zeit, die einem weltweit gefragten Topmodel bleibt. Etwas Zeit für ihre Fans, aber auch für ihre Verwandten und Bekannten. Etwas Zeit für eine Herzensangelegenheit mit grossen Dimensionen.

HESO mit Ronja Furrer

HESO mit Ronja Furrer

Denn: Der Verein Blumenhaus Buchegg will ein Grossprojekt auf Kurs bringen: Ein Neubau mit 29 Zimmern für Erwachsene sowie die Sanierung des bestehenden Gebäudes stehen als Investitionen an. Fürs Fundraising wurde auch ein Patronatskomitee mit regionalen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur eingesetzt. Institutionsleiter Roger Schnellmann erläutert die Notwendigkeiten, die sich aus gesellschaftspolitischer Sicht ergeben: Erstens würden behinderte Menschen immer älter, zweitens gelte dies ebenso für deren Eltern, die für die Kindspflege nicht mehr aufkommen können, wenn sie selbst pflegebedürftig werden. «Und drittens fordern jüngere Eltern behinderter Kinder immer mehr für sich selbst eine Normalisierung.» Sie seien nicht bereit oder als Doppelverdiener nicht in der Lage, die Betreuung für ihr erwachsen gewordenes behindertes Kind aufrechtzuerhalten. Die Gesellschaft müsse sich mit der Frage auseinandersetzen: «Wie viel ist es uns wert, zusätzlich Raum zu schaffen?»

Dem Blumenhaus selbst ist es zehn Millionen Franken wert. Während die öffentliche Hand für die Betriebskosten aufkommt, liegt die Baufinanzierung ganz in den Händen des Vereins. «Das Spendenziel sind fünf Millionen», so Markus Jordi, Präsident des Vereins Blumenhaus Buchegg: «Zugesichert haben wir jetzt 2,3 Mio. Franken.» So sei gerade die HESO eine exzellente Gelegenheit, um das Blumenhaus zu präsentieren. «Wir möchten gerne die Herzen der Menschen ansprechen, damit sie uns helfen, das grosse Unterfangen zu realisieren.» Davon zeugt auch das Sparschwein, das Ronja Furrer den Standbesuchern freudig hinhält. Mit dem Verkauf von Schoggiherzen soll der Solidaritätssinn zusätzlich angeregt werden.

Die «Herz»-Symbolik hat über die Grenzen des Blumenhaus-Standes seinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. So richtet sich das Messemotto «Die HESO zeigt Herz» in diesem Jahr ganz auf die Standpräsenz und die Spendenaktion der Institution aus. «Und das Motto der Herbstmesse Solothurn passt natürlich auch zum Engagement von Ronja Furrer», ergänzt Jordi stolz: «Sie setzt sich mit voller Energie für unser Projekt ein – und mit Herz.»