Takto Solothurn
Top motivierte Jungtalente heizen mit fetzigem Big-Band-Sound ein

Die dritte Auflage des Musikfestivals Takto bringt tolle Orchester und Bands in die Reithalle Solothurn. Bevor die Stars von heute auftreten, fesselten mit der Kanti Big Band die Stars von morgen mit Big-Band-Sound.

Silvia Rietz
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Die Kanti Big Band fesselte die Zuhörer am «Pre-Opening» des Musikfestivals Takto. Hansjörg Sahli

Die Kanti Big Band fesselte die Zuhörer am «Pre-Opening» des Musikfestivals Takto. Hansjörg Sahli

Hansjörg Sahli

Jugendliche, die voller Freude musizieren, - mal solistisch hervor treten, mal für andere zurückstehen - und in klassischer Big-Band-Besetzung mit Saxophon, Trompete, Posaune, Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug eine Mischung aus Repertoire-Eckpfeilern, Filmhits, traditionellem Bigband-Jazz und Funk-Improvisationen kredenzen, prägten den Takto-Auftakt.

Vor einem Jahr installierte Festivalgründer Felix Heri die Jugendplattform «Kids on Stage», die als «Pre-Opening» das Festival eröffnete und der Kanti Big Band eine Auftrittschance bot. Zum «Warmspielen» offerierte diese die Filmmusik aus «Attack of the Killer Tomatos».

«Ein grotten-schlechter Streifen, von dem nur der Soundtrack reüssierte...», schmunzelte Moderator Andy David. Seit 2006 leitet er gemeinsam mit Sven Ryf die 1987 von Mario Ursprung gegründete Kanti Big Band.

Im Konzert wechselten sich die Bandleader ab, kitzelten Finessen und Nuancen aus dem Orchester. Die Improvisations-Kaskaden, die sie mit den Solisten wie dem Gitarristen Cyrill Ferrari, den Saxophonisten Robin Boss und Marek Osecky, sowie dem Posaunisten Jonas Beck und der Rhythmusgruppe auftürmten, war spitze.

Klassiker wie «Sing, sing, sing» überzog die Kanti Big Band mit einem fetzigen Sound, der in die Beine fuhr. Frank-Sinatra-Hits und Duke Ellington-Reminiszenzen fehlten genau so wenig wie echtes Blues-Feeling.

Die aus den Workshops herausgewachsene Kleinformation lieferte heissen Funky und demonstrierte mit Power, was sie mit ihrem Kursleiter Martin Albrecht erarbeitet haben. Neben dem tollen Improvisieren beeindruckte die Souveränität mit der die jungen Musiker auf der Bühne agierten, ihren Auftritt choreografierten und Robin Boss als Speaker fungierte.

Der eigentliche Stargast des Abends, Amin Mokdad, zeigte sich erstmals bei «Copacapana», dem Tanz-Evergreen von Barry Manilow. Wie virtuos und beseelt dieser Jazzer die Querflöte (und das Saxophon) handhabt, lässt atemlos lauschen.

Freies Improvisieren, lyrische Momente, angetippte Töne und sagenhaftes Beatboxing wechseln sich ab, verzaubern restlos. Amin Mokdads ganzer Körper pulsiert im Rhythmus der Musik, drückt völlige Hingabe aus.

Im Hintergrund liefern Rhythm Selection und Bläser der Kanti Big Band ein sattes Soundgefüge - erschaffen eine ganz eigene Ambiance in der dunkel verhangenen Rythalle.

Zur vorgerückten Stunde brachte die Magie von «Moonlight Magic» Rektoren-Augen zum Glänzen. Christina Tardo-Styner zeigte sich von der Spielfreude und dem Temperament der Musiker beeindruckt.

Auch Stefan Zumbrunn freute sich sichtlich: «Ich bin stolz auf die Leistung der Schüler. Die musikalische Qualität überzeugte mich voll. Ich danke allen Beteiligten, wie grossartig sie die Kanti in der Öffentlichkeit vertreten haben.

Es bleibt zu hoffen, dass trotz des drohenden Spardruckes derart wichtige Aktivitäten auch in Zukunft möglich sein werden.» Diesem Wunsch schlossen sich nach der berauschenden «Tequilla»-Zugabe auch die Besucher an, die beim Schlummertrunk in der Longue bekräftigten, dass die Kanti Big Band als «Kids on Stage» ihre Chance nutzte und begeisterte.