Stadtbummel

Tipp-Ex-Taktik gegen diabolische Parolen

Graffiti überpinseln – kann man machen, sieht einfach dämlich aus.

Graffiti überpinseln – kann man machen, sieht einfach dämlich aus.

Am Beispiel Solothurn zeigt sich, wie sich das nationale Zugunternehmen mit Schmierereien herumschlägt. Systemkritische Geister hatten einen diabolischen Slogan an der Eisenbahnbrücke angebracht. Aussehen tuts nun nur so, als hätte ein SBB-Gleisarbeiter irgendwo ein paar Fässer mit Tipp-Ex-Flüssigkeit gefunden und die einzelnen Buchstaben damit grob überpinselt. Äusserst nachhaltig. Zufälligerweise hat «G20BURNINHELL!» gleich viele Buchstaben wie der ebenso wirksame Appell «RICHTIGPUTZEN!».

Nun ja, eine mit Korrekturflüssigkeit verzierte Brücke: kann man machen, ... sieht einfach dämlich aus. Da hätte man lieber die Alpenwiesentapete der Zugs-WC drübergepappt. Und unsereins kassierte damals bereits rote Kringel, wenn man beim Aufsatz den Tintenkiller zückte. Das kann heutigen Stadtsolothurner Kids nicht mehr passieren – dafür gibts – so lehrts die ICT-Strategie – auf dem Schullaptop, dem Unterrichts-iPad oder der elektronischen Wandtafel die «Lösch»-Funktion.

Diese bringt aber bei der Brücke herzlich wenig, deshalb Tipp-Ex. Dafür hätte man aber die Schöpfer der neuen Graffiti der Kofmehl-Lärmschutzwand beauftragen können, die Übermalung ästhetisch schön (und auf Bitten hin sogar systemunkritisch) vorzunehmen.

Bleibt zu hoffen, dass man für die Lärmdämmung der Brücke dereinst nicht auch bloss Wattebäuschchen an die Metallkonstruktion klebt und der Anwohnerschaft Ohropax für einen gesunden Schlaf in den Briefkasten wirft. Besser wärs, wenn man sich in dieser Frage wiederum an der Kofmehl-Lärmschutzwand ausrichtet. Die bisherigen Arbeiten, so behaupten böse Zungen, sollen die Brücke nämlich nur noch dezibelintensiver gemacht haben.

Damits in Sachen Lärmsanierung nun endlich vorwärtsgeht, müssten vermutlich national einflussreiche Politiker ran, die den SBB dezibelintensiv die Meinung geigen. Zwei von ihnen wohnen ja (zufällig) in der Stadt: Pirmin Bischof und Kurt Fluri belegen im «Parlamentarier-Rating» der «SonntagsZitung» die Plätze zwei und sieben und wären in dieser Sache allemal die idealen Brückenbauer ...

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