Solothurner Filmtage

Tiertrainer Dieter Kraml dressiert Bären für Filmproduktionen

«Bärenvater» Dieter Kraml am Julierpass auf 2750 Meter Höhe mit einer seiner «Film-Bärinnen».

«Bärenvater» Dieter Kraml am Julierpass auf 2750 Meter Höhe mit einer seiner «Film-Bärinnen».

Für den abenteuerlichen Tier- und Jugendfilm «Clara und das Geheimnis der Bären», der bei den Solothurner Filmtagen Premiere feierte, wurde der deutsche Tiertrainer Dieter Kraml engagiert. Er arbeitet seit Jahren mit europäischen Braunbären.

Am Sonntag feierte ein Film an den Solothurner Filmtagen Premiere, der auch beim Rennen um den «Prix du Public» mit dabei ist und gute Chancen hat. Es handelt sich um den Film von Tobias Ineichen «Clara und das Geheimnis der Bären.»

Für diesen abenteuerlichen Tier- und Jugendfilm (ab 9 Jahre) wurde der deutsche Tiertrainer Dieter Kraml engagiert. Er arbeitet seit Jahren mit denjenigen Filmtieren, die diesem Film den Titel geben: mit europäischen Braunbären. «Meine Tiere haben schon mit Jean-Jacques Annauds Film ‹Der Bär› mitgewirkt, erzählt der ausgebildete Tierpfleger, der im norddeutschen Alfeld an der Leine lebt, mit Stolz. Dort hat er seine mittlerweile acht Bären in einem grossen Gehege untergebracht. Sein Leben mit Bären begann Kraml, als er als als Zwanzigjähriger seinen ersten eigenen Braunbären aufzog. Wenige Jahre später ging er mit diesem Tier nach Japan und machte dort seine ersten Erfahrungen im Filmgeschäft.

Exotischer Schauplatz am Julier

Seither ist Kraml mit seinen Filmbären ein viel gefragter Mann. «Ich arbeitete schon mit Jean-Paul Belmondo, in einigen Produktionen des Deutschen Fernsehens und kürzlich auch in einer italienischen Produktion mit Terence Hill», erzählt er. Und besonders gerne erinnert er sich an die Filmproduktion von «Clara und das Geheimnis der Bären», für welche er während dreier Sommer-Wochen im Einsatz stand. «Das war am Julierpass auf 2750 Metern über Meer.

So hoch lag noch nie einer meiner Arbeitsplätze». Um den Drehort zu erreichen, musste er mit seinen beiden Bären Hera und Nora etwa einen Kilometer langen Fussmarsch einem schmalen Grat entlang zurücklegen. Eine echte Herausforderung. «Unter derart extremen Bedingungen habe ich noch nie gedreht», resümiert Kraml. Vor allem auch, weil die Crew einmal komplett eingeschneit wurde.

Trailer zu «Clara und das Geheimnis der Bären»

Trailer zu «Clara und das Geheimnis der Bären»

Für viel Aufregung im Filmteam sorgte dazu ein in freier Wildbahn lebender Bär, rund 30 Kilometer vom Drehort entfernt. «Meine Bärinnen waren ein paar Tage nicht aus dem Käfigen zu kriegen, da sie die Witterung zu diesem Bären aufnahmen.» So etwas hat selbst Kraml noch nie erlebt, und er ist heute noch begeistert darüber. «Man sieht, selbst in Gefangenschaft aufgewachsene Tiere können mit wildlebenden in Kontakt treten.» Er habe jedoch nie Angst gehabt, in diesem unwegsamen Gelände seine Bären zu verlieren. «Die wissen genau, woher sie ihr Futter bekommen», lacht er auf diese Frage.

Die Dreharbeiten am Julier seien gar eine touristische Attraktion gewesen, ist Kraml zu entnehmen. «Pro Tag haben zahlreiche Zuschauer die Dreharbeiten verfolgt, und im nahe gelegenen Bivio waren das Filmteam und die Bären die ganze Drehzeit lang die Attraktion. Filme mit Bären erleben derzeit einen regelrechten Boom, sagt Kraml weiter. Er arbeite pro Jahr ein bis dreimal mit seinen Bären für Filme und er ahnt auch, warum das so ist. «Bären sind fast so etwas wie ein Schutzpatron für Kinder. Jedes Kind hat doch einen Teddybären, dem es seine Ängste und Sorgen anvertrauen kann.» Kraml setzt die positive Wirkung der Bären auf Menschen auch in anderen Bereich ein. So arbeitet er auch mit straffälligen Jugendlichen, «Beim Umgang mit Bären lernen diese Jugendlichen den Respekt vor dem Individuum.» Die Diskussion um Bären im Alpengebiet lässt natürlich auch «Bärenvater» Kraml nicht kalt. Insbesondere der Abschuss von «Problembär» Bruno kann er nicht verstehen. «Ich bot damals an, den Bären zu mir zu holen. Doch das liessen die Behörden damals nicht zu», ärgert er sich noch heute.

«Clara und das Geheimnis der Bären» Mittwoch, 30. 1., 14 Uhr im Landhaus.

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