HESO 2015
Tierschützer gegen «Söilirennen»: Die geplante Demo fällt ins Wasser

Thomas Gunder findet, dass die Tiere beim «Söilirennen» ausgenutzt werden. So will er am Mittwoch gegen den beliebten HESO-Anlass protestieren. Weitere Tierschützer tauchen aber nicht auf - die geplante Demo findet schussendlich doch nicht statt.

Andreas Kaufmann und Wolfgang Wagmann
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Der Tierschützer zeigte sein Plakat nur für ein Foto dieser Zeitung.

Der Tierschützer zeigte sein Plakat nur für ein Foto dieser Zeitung.

Andreas Kaufmann

Thomas Grunders Transparente, die am Rande des Söilirennens auf Tierrechte aufmerksam machen sollten, blieben am Mittwoch eingerollt. Seine kurzfristig initiierte Protestnote gegen den tierischen Publikumsmagneten scheiterte mangels Teilnehmer und blieb unbemerkt.

Dennoch: Wenige Anhänger nutzten einfach so eigeninitiativ die (unerlaubte) Gelegenheit, mittels Flugblätter auf Tierthemen aufmerksam zu machen.

Auch wenn die Demo ins Wasser fiel: Grunder blickt mit kritischem Auge auf den Anlass im Schanzengraben. Er moniert nicht primär die Haltung der Schweine. Neben seiner Beobachtung, dass die Tiere einem Stress ausgesetzt seien, setzt seine Hauptkritik bei der Tierwürde an: «Die Söili werden ausgenutzt und sind der Belustigung des Publikums ausgeliefert», sagt Grunder.

Die Kinder warten gespannt auf das Rennen
7 Bilder
Und hopp!
Die Schweine haben auf dem Rundkurs auch Hindernisse zu absolvieren
Säulirennen an der HESO 2015
Einige Kinder dürfen die Söili nach dem Rennen wieder in den Stall treiben

Die Kinder warten gespannt auf das Rennen

Hanspeter Bärtschi

So würden die Tiere erfahrungsgemäss speziell für solche Veranstaltungen gezüchtet und darauf hintrainiert. «Dass man die Tiere auf diese Weise ausnützt, ist aus meiner Sicht nicht legitim und passt nicht in mein Bild des Tierwohls.» So möchte er auf vielseitige Weise die Leute aufmerksam machen, dass die Ausnützung des Tiers nicht gerechtfertigt ist. Grunder ist ehrenamtlich in mehreren Tierrechtsorganisationen aktiv.

Zirkusse sind das Hauptthema

Besonders im Fokus seiner Protestarbeit stehen zurzeit Zirkusbetriebe, die noch mit Tieren arbeiten. «Hier bin ich an jeder Vorstellung schweizweit an Protestaktionen präsent – mit Transparenten und Flugblättern.»

Der Fokus auf das Zirkusgeschehen bilde bei seiner Tätigkeit die grösste Kampagne der letzten Jahre. Aber sein Augenmerk ist auf Tierrechtsfragen gerichtet, sowie auf die Abschaffung von Tierversuchen und Schlachthäusern.

«Nun rücken erstmalig die Söilirennen in den Fokus», erklärt Grunder seine ursprüngliche Motivation. Dieses Mal wäre es privat initiierte Aktion abseits seiner Vereinsaktivitäten gewesen. «Ich wurde kürzlich von einer Solothurnerin angefragt, ob ich etwas anlässlich des Söilirennens machen wolle.» Und so kam der Plan, am HESO-Söilirennen zu demonstrieren, sehr kurzfristig zustande.

Züchter sieht kein Problem

Alfred Vogt, der auf seinem aargauischen Bronnehof Söili für noch weitere sieben Rennanlässe nebst der HESO trainiert, nimmt die kleine Tierschützer-Opposition gelassen: «Ich habe nichts zu verbergen, und kann jederzeit beweisen, dass meine Tiere artgerecht gehalten sind. Sie haben sicher auch mehr Bewegung als Schweine in anderen Betrieben und werden auch nach den HESO-Einsätzen viel Auslauf haben.»

Die Rennen selbst sieht Vogt als «spielerische Abwechslung» für die Tiere, die auch Kinder immer wieder zu begeistern wissen. «Und gerade Stadtkinder kommen an Anlässen wie der HESO mit den Säuli in Kontakt, wie sie es sonst nicht erleben.»

Ausserdem trainiere er die Ferkel Wochen im Voraus auf ihren Einsatz, «es ist ja nicht so, dass die Tiere plötzlich aus einem dunklen Pferch in die Arena gelassen werden und erschrecken. Sie sind an die Situation gewöhnt.»

Er selber habe noch nie eine Demo oder sonstige Aktion gegen seine Söilirennen erlebt. Aber «ich bin in regelmässigem Kontakt mit anderen Organisatoren wie beispielsweise der Olma in St. Gallen.»

Und dort sei schon zu Protestaktionen gekommen, meint der Landwirt, der seit zehn Jahren im Geschäft mit den Söilirennen ist. Rund 500 Tiere zieht er jeweils auf seinem Hof heran und «im Herbst laufen mir all jene Söili, die je Rennen gelaufen sind, immer wenn ich auf die Weide komme, hinten nach.»

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