Stadtbummel Solothurn
Tierisches Solothurn

Mark A. Herzig
Mark A. Herzig
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Ein Knie-Kamel lässt sich das Gras schmecken. (Archiv)

Ein Knie-Kamel lässt sich das Gras schmecken. (Archiv)

Sandra Ardizzone

Solothurn liege am Meer, wurde geschrieben, sogar auf oder in Stein vor der Hafenbar. Manchmal aber liegt es auch in der Wüste, oder hoch in den Anden. Oder ist es eine grosse Vogelvoliere?

«Der Knie» war hier, und mit ihm sein fahrender Zoo mit allerhand Tieren, die zum Teil auch in den Vorstellungen brillieren. Die ganz grossen Tiere fehlen, wenigstens im Zoo. Dafür aber gabs viele Kamele – exakter Trampeltiere, das sind die zweihöckrigen. Die hätte es nicht unbedingt gebraucht, meinte eine Zuschauerin in deren Betrachtung vertieft: «Davon haben wir hier schon genug.» Die Frage, ob dies politisch gemeint sei, verneinte sie nicht. Die «wilden Tiere» – Grosskatzen wie Löwen und Tiger – fehlten ganz, da der Zirkus Knie über keine eigenen Grosskatzen verfügt und dieses Jahr keine solche Nummer engagiert hat.

Vielen in der Stadt fehlten die Elefanten, wobei durchaus Verständnis für artgerechte Haltung, Stress usw. zu vernehmen war. Der Stadtbummler sieht vor dem geistigen Auge noch immer mit Schmunzeln die Dickhäuter, die – damals noch im Kreuzacker – wohlriechendes Heu am Boden verschmähten und lieber die Blätter von den Bäumen abrupften, auch wenn sie sich dazu noch so sehr strecken, gar auf die Hinterbeine stellen mussten – Training für die Vorstellung unter dem Chapiteau.

Der bedrohte Aal ist Fisch des Jahres 2018. Der kann sich also auch nicht mehr so aalen, wie wir es gerne täten. Er ist in der Aare aber noch vorhanden und immer wieder werden prächtige (Fischerlatein?) gefangen. Das Hermelin, ebenfalls Tier des Jahres, ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder. Hermeline sieht man eher selten, während der Steinmarder durchaus heimisch genannt werden kann.

Die Tauben fehlen noch in unserer tierischen Aufzählung. Sie sind zu zahlreich in der Stadt. Carl Enzmanns Empfehlung im Solothurnerlied schon in Strophe drei, «Me söll die Tube mache lo, es sig ja glych wohi ...» stösst vor allem bei Betroffenen nicht auf Gegenliebe. So wenig wie die Krähen – auch sie eigentlich schöne und dazu noch intelligente Vögel. Intelligenz ist auch bei Tauben unbestritten – aber warum merken die denn nicht, dass sie mit ihrem Dräck stören?! Hier wäre auch gleich der Anknüpfungspunkt zum Marder: Wo der ist, gibt es kaum Tauben. Aber auch die Marder sind nicht immer und nicht bei allen beliebt, insbesondere dann nicht, wenn sie sich statt über Tauben über Kabel hermachen; oder wenn sie im Dachgestühl «heiraten». Das geschieht ausdauernd und laut. Und so haben wir Stadtbewohnenden ausgiebig Gründe, uns über echte Probleme aufzuregen.

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