Solothurn
Therapiezentrum feiert das zehnjährige Bestehen an der Werkhofstrasse

Das frühere CP-Zentrum als Beratungs- und Behandlungsstelle für Cerebrale Parese, also durch Hirnfunktionsstörungen bedingte Bewegungseinschränkungen, ist bereits seit zehn Jahren an der Werkhofstrasse zu Hause.

Gundi Klemm
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Thomas Baumann, Geschäftsführer des Therapiezentrums, und Christine Bigolin, die für die therapeutischen Belange verantwortlich ist

Thomas Baumann, Geschäftsführer des Therapiezentrums, und Christine Bigolin, die für die therapeutischen Belange verantwortlich ist

Solothurner Zeitung

Das frühere CP-Zentrum als Beratungs- und Behandlungsstelle fusionierte 2009 mit dem Schulheim für körperbehinderte Kinder zum ZKSK. Geplant ist, beide Institutionen in einem Neubau zu vereinen. Zuvor aber feierten Mitarbeitende und Gäste ihre bisherige Tätigkeit und insbesondere die seit zehn Jahren bestehenden Räumlichkeiten an der Werkhofstrasse 17 in Solothurn.

250 Kinder und einige Erwachsene

Das CP-Zentrum, seine eingerechnet, besteht 51 Jahre. Die Elternvereinigung zugunsten cerebral gelähmter Kinder gründete bereits 1960 eine Beratungs- und Behandlungsstelle. An heutigen Möglichkeiten gemessen war das damalige Angebot bescheiden. 1973 fand die Eröffnung des Zentrums im «Haus Hirschen» auch als ärztlich begleitete Früherfassung für Risikokinder statt, wo neben Physiotherapie ebenfalls Logopädie für Kinder mit Spracherwerbsschwierigkeiten angeboten wurde. 1980 kam die Ergotherapie hinzu. 1987 übernahm Kinderarzt und Entwicklungspädiater Thomas Baumann die fachliche Leitung.

In der Folgezeit kamen weitere Fachleute dazu. 1999 übernahm der neu gegründete Verein CP-Zentrum die Trägerschaft und suchte neue Räumlichkeiten. Ein Architekturbüro konzipierte zwei obere Stockwerke im zuvor gewerblich genutzten Altbau an der Werkhofstrasse mit einer sinnvollen Aufteilung in zweckmässige Räume für Beratungs- und Behandlungstätigkeit.

«Wir sind immer noch froh über diesen 2001 bezogenen Ort, der unsere Bedürfnisse so deutlich erfüllt», unterstreicht Christine Bigolin, die als frühere CP-Geschäftsführerin nun im ZKSK für die Therapie die Verantwortung trägt. Gegenwärtig arbeiten am Standort Werkhofstrasse 15 Therapiekräfte, zwei Ärzte und drei Personen in der Administration. Betreut werden in regelmässiger therapeutischer Behandlung 250 Kinder und einige Erwachsene. Seit 10 Jahren wurden laut Bigolin die Arbeitspensen im Therapiebereich nur unwesentlich erweitert.

«Die Anzahl Abklärungen hingegen hat über die Jahre zugenommen», antwortet Kinderarzt Thomas Baumann, weil man inzwischen genauer hinschaue. Er präzisiert, dass zwar nur eine geringe Ausweitung im medizinisch-therapeutischen Bereich stattgefunden habe. Dies auch, weil Krankenkassen und Invalidenversicherung alle Fälle sehr genau prüfen.

Etwas mehr Gelassenheit

Neben den rund 60 behandelten Kindern mit cerebralen Störungen werden Heranwachsende mit Diagnosen wie Hyperaktivität, verzögerte motorische Entwicklung, Autismus und feinmotorischen Problemen dem ZKSK zugewiesen. Dies geschieht durch medizinisch indizierte Überweisung und vermehrt auf Anraten der Schule.

Thomas Baumann bedauert den Druck, den die Gesellschaft insgesamt ausübt: Die Schule sei häufig Opfer gesellschaftlicher Ansichten und Forderungen. Was nicht haargenau der Norm entspricht, müsse therapiert werden - so der allgemeine Tenor. Vielleicht breche sich hier die Sorge der Eltern Bahn, dass ihr Kind in der Ausbildung und einem immer anspruchsvoller werdenden Berufsleben nicht werde mithalten können. Baumann wünscht sich dagegen mehr Gelassenheit.

Mit Schwächen umgehen lernen

Auch wenn es ärztlich nicht empfohlen sei, werde manches Kind in das inzwischen reichhaltige Angebot an alternativen Förder- und Therapiemassnahmen eingespannt. «Leider ist heutzutage allzu oft der Defekt im Fokus, der das Kind stigmatisiert und ihm sein Selbstvertrauen raubt.» Er fügt an, dass diese Welt zunehmend nicht mehr für Kinder gemacht sei. Um den Kindern mit ihren Stärken und Schwächen gerecht zu werden, sollte der Fokus weniger auf alle möglichen Teilleistungsschwächen gelegt werden sondern auf das Potenzial der Stärken.

Genau in diesem Bereich sieht er auch den Nutzen der Therapie. Angeborene Entwicklungsstörungen, kleinere und grössere Defizite lassen sich in der Regel nicht weg therapieren. Aufbauen kann die Therapie auf den Stärken der Kinder, sie kann Selbstvertrauen zurück geben und sie befähigen, mit ihren Schwächen umzugehen und den Alltag zu bewältigen. Die Tendenz, nun auf einmal alle Therapien als «Therapiewahn» abzutun, sei hingegen genau so falsch, wie alles und jedes therapieren zu wollen. Auch hier gilt es, das Augenmass nicht zu verlieren. Die richtige Therapie zur richtigen Zeit könne sehr viel bewirken. In der Arbeit mit Kindern sei die grosse Herausforderung, jedem Kind genau jene Unterstützung zukommen zu lassen, die es braucht.