Architekturforum

Thema Nachhaltigkeit wird diskutiert: «Dichtestress ist ein Unwort»

Sie diskutierten im Uferbau über die Themen Dichtestress und Nachhaltigkeit (v. l): Marc Frölich, Giancarlo Perotto, Barbara Emmenegger, Moderator Lucien Fluri und Peter de Haan.

Sie diskutierten im Uferbau über die Themen Dichtestress und Nachhaltigkeit (v. l): Marc Frölich, Giancarlo Perotto, Barbara Emmenegger, Moderator Lucien Fluri und Peter de Haan.

Im Vorfeld der nächsten Weltklimakonferenz in Paris machen sich der SIA Solothurn, die 2000-Watt-Gesellschaft Region Solothurn und das Architekturforum Gedanken zu Suffizienz, stressfreier Verdichtung und neuen Lebensstilen.

Ausgewiesene Referenten und ein hochkarätig besetztes Podium waren in den Uferbau eingeladen worden. Nach Einleitungen durch die Verantwortlichen der drei Organisationen, Stefan Rudolf, Arjuna Adhihetty und Thomas Steinbeck, führte Moderator Lucien Fluri, Redaktor der AZ Solothurner Zeitung, durch den Abend.

ETH-Dozent Peter de Haan fragte: «Warum verhalten sich die Leute so, wie sie es tun?» Getreu dem Motto des Anlasses «Wenn weniger mehr werden sollte», machte er sich Gedanken zur stressfreien Verdichtung.

Mit der Vauban-Stadt, einem neuen Stadtviertel von Freiburg im Breisgau, konnte er das gelungene Beispiel einer solchen Verdichtung vorstellen. Hier ist das Tram näher bei den Leuten als das Auto. Das Viertel ist autofrei, weil diese Fahrzeuge in zwei Parkhäusern untergebracht werden. Es gehe eben nicht nur darum, Häuser zu bauen, sondern ganze Quartiere mit den Aussenräumen in die Planung einzubeziehen.

Ein konkretes Beispiel liegt auch der MAS EN Bau Masterarbeit des Solothurners Marc Frölich zugrunde. Er hat das 1929 erbaute Doppeleinfamilienhaus Stäffiserweg 12 gewählt mit dem Gedanken, dass dort eine junge Familie einziehen will und das Haus auf deren Bedürfnisse eingerichtet werden sollte.

Da in den Grundstücken am Stäffiserweg die Häuser nördlich situiert sind, würde sich eine Verdichtung südlich, dort wo jetzt Gärten sind, aufdrängen. Frölich folgte jedoch einem anderen Gedankengang und stellte sich vor, die Häuser mit Neubauten aus Holz miteinander zu verbinden, sodass eine einzige Häuserzeile entsteht.

Der Mensch muss umdenken

Den Referaten folgte die Podiumsdiskussion, an der ausser den zwei Vorrednern noch Giancarlo Perotto, Leiter Entwicklung Halter AG, und Barbara Emmenegger, Dozentin am Institut für soziokulturelle Entwicklung Luzern, teilnahmen. Der Moderator nahm das Reizwort «Dichtestress» in der ersten Frage in die Runde auf.

Die präziseste Antwort kam von Barbara Emmenegger. Sie bezeichnete das Wort als Unwort, mit dem bei vielen Leuten Ängste geschürt werden. Verdichtung und Nachhaltigkeit seien keine Gründe für Angstmacherei. Aber es brauche noch viel Arbeit, um die Menschen zu einem Umdenken im Sinne der Nachhaltigkeit zu bewegen.

Verdichtetes Bauen kann nicht allein Sache der Architekten sein, sondern es braucht flankierende Massnahmen. Gemeinschaftsräume und öffentliche Plätze sollten durch eine Art Animatoren den Bewohnern schmackhaft gemacht werden. Quartierarbeit sei unabdingbar. Heute werde viel in Material und technische Ausrüstungen investiert und dabei die kulturelle Komponente weitgehend vergessen.

Dass es viel Überzeugungsarbeit braucht, bestätigte auch Giancarlo Perotto, dessen Firma in Ostermundigen ein Hochhaus plant. Die Leute im Quartier seien früh in das Projekt involviert worden. Ihnen wurde erklärt, dass die kleine Fläche für das Hochhaus grössere Aussenräume ermögliche. Er glaubt, dass dem Baugesuch keine Opposition erwachse.

Die Praxis bei Bürobauten sollte angesichts verschiedener familiärer Verhältnisse auch im Wohnungsbau angewandt werden. Das heisst, flexible Innenräume, die mal grösser, mal kleiner sind, je nach Bedürfnis. Das Publikum konnte den Uferbau mit vielen Denkanstössen verlassen.

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