Stefan Kaegi
Theaterschaffender in seiner früheren Heimat: «Er ist ein wahres Highlight»

Der international reputierte Theatermann Stefan Kaegi war wieder einmal in Solothurn.

Katharina Arni-Howald
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Stefan Kaegi zog für die Töpfergesellschaft viele Besucher im Blumenstein an.

Stefan Kaegi zog für die Töpfergesellschaft viele Besucher im Blumenstein an.

Thomas Ulrich

Peter Keller von der Töpfergesellschaft Solothurn kann seine Freude nicht verbergen. Endlich ist es gelungen, den in Solothurn aufgewachsenen und in Berlin lebenden Theaterschaffenden Stephan Kaegi zu einem Vortrag in seine frühere Heimat zu holen. «Es ist ein wahres Highlight», kündigte er denn auch den ersehnten Besuch im Salon Rouge des Museums Blumenstein an. Wie sehr Kaegi bei den Solothurnerinnen und Solothurnern noch präsent ist, zeigte sich an den zahlreichen Besuchern.

Rund um den Globus gefeiert

Stefan Kaegi ist in der Solothurner Theater- und Kunstszene kein Unbekannter. 1972 geboren, begann er bereits während der Gymnasialzeit Theater zu spielen. 1990 erweckte er mit einigen Mitstreitenden die leerstehende Fabrikhalle der Kofmehl AG zu neuem Leben. Später studierte Kaegi an der Schule für Kunst und Design in Zürich Kunst. Auch während des Studiums schrieb und inszenierte Kägi immer wieder Theaterstücke.

In den 1990er-Jahren zog es den jungen Mann ans Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Giessen, wo er Helgard Haug und Daniel Wetzel kennen lernte. Mit ihnen gründete er die postdramatische Theatergruppe Rimini Protokoll, die heute rund um den Globus gefeiert wird. Das Trio gilt als Begründer eines Reality-Trends im Theater.

«Es war ein komisches Gefühl, als ich heute auf dem Weg ins ‹Blumenstein› an der Kantonsschule vorbeiging», sagte Stefan Kaegi, der nur ab und zu Zeit findet, seine Heimatstadt zu besuchen. Einst habe er nebst anderem auch für die «Solothurner Nachrichten» gearbeitet und sei von der Redaktion für alle möglichen Anlässen eingesetzt worden. «Aber es gefiel mir nicht, unter Zeitdruck zu arbeiten.» Auch die Tatsache, dass die Zeitung anderntags bereits im Mülleimer landete, störte den aufstrebenden jungen Mann, der nach Langlebigerem strebte, seine Solothurner Wurzeln aber nicht vergessen hat.

Kein «normales» Theater

Wie Stefan Kaegi anhand einer Videopräsentation aufzeigte, grenzt sich das deutsch-schweizerische Team Haug/Kaegi/Wetzel in Form von Bühnenwerken, Filmen, Hörspielen, Installationen oder ortsspezifischen Aktionen klar vom herkömmlichen Laien- und Amateurtheater ab. Rimini Protokoll ist ein Gegenentwurf zum herkömmlichen Berufstheater oder anders herum gesagt eine Weiterentwicklung der Mittel des Theaters, um ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Wirklichkeit zu ermöglichen. Statt Profi-Schauspieler bringt es spontan Theaterbesucher auf die Bühne oder an ausgewählte, reale Orte, die jedoch nicht als blosse Zuschauer oder Laien auftreten, sondern als Darsteller ihrer selbst. Von den drei Theaterschaffenden werden sie als Experten bezeichnet.

Sie nehmen mit Kopfhörern zum Beispiel an einer Klimakonferenz teil oder es geht um Menschen, die voraussichtlich nicht mehr lange zu leben haben und in einem Versuchslabor mit dem eigenen Tod konfrontiert werden, um eine ungewohnte Sichtweise auf die Wirklichkeit zu ermöglichen. Da gibt es aber auch die dem Board angekündigte Teilnahme an einer Daimler-Aktionärsversammlung, die skeptisch aufgenommen wurde, oder das Thema globaler Waffenhandel, das 20 Zuschauer in die Rollen als Waffenhändler, Lobbyisten und Kriegsflüchtlinge schlüpfen lässt. Nach welchen Kriterien wählt das Trio seine Themen aber aus? «Wir sind grundsätzlich für alles offen», sagt Stefan Kaegi, der zusammen mit den anderen zwei Künstlern das Theater revolutioniert hat und für Inszenierungen oft auch in Zürich weilt.

2011 wurde das Gesamtwerk von Rimini Protokoll mit dem Silbernen Löwen der 41. Theaterbiennale Venedig ausgezeichnet. 2014 erhielt das Trio den Deutschen Hörspielpreis der ARD. 2015 wurde Stefan Kaegi Preisträger des «Schweizer Grand Prix Theater/Hans-Reinhard-Ring», den wichtigsten Theaterpreis der Schweiz, der mit einem Preisgeld von 100 000 Franken dotiert ist.