Kaegi wählte für sein Referat weder die Strukturen einer Sinfonie noch die Dramaturgie einer Oper, sondern liess sich vom Abc beeinflussen, indem er zu jedem Buchstaben des Alphabets passende Bemerkungen oder Anekdoten äusserte. Seine Anfänge waren in Zürich und mit dem letzten Buchstaben des Alphabets und wieder mit dem Stichwort Zürich endeten seine Ausführungen. «Zwischen Zürich und Zürich ist sehr viel Platz für Solothurn.»

Bei Dieter Kaegi begann alles als Knabe mit der «Tosca». Als Mitglied des Kinderchores des Opernhauses Zürich durfte er als Ministrant auf der Bühne stehen und singen. Die Ministranten werden in der Oper vom Chef der Polizei Scarpia angeschrien oder, besser gesagt, damals vom weltberühmten Bariton Tito Gobbi angesungen. Das machte auf den kleinen Dieter einen solchen Eindruck, dass er jeweils weinend nach Hause kam.

Trotzdem weckte dies sein Interesse für das Musiktheater. Er studierte deshalb auch Musikwissenschaften, hatte aber Mühe damit, weil bei den damaligen Professoren die Oper als wenig seriöse Musik galt. Über Assistenzstellen unter anderen bei Jean-Pierre Ponnelle und Herbert von Karajan konnte er wertvolle Kontakte knüpfen und kam schliesslich in Regensburg zu seiner ersten eigenen Regie.

So hat er denn auch am Theater Biel Solothurn in den 90er-Jahren verschiedentlich Regie geführt, was letztlich für seine Bewerbung auf die Intendantenstelle des Tobs ausschlaggebend gewesen ist. Zunächst wandte er sich aber fern des Jurasüdfusses der Intendanz zu. Als Intendant der Oper in Dublin hatte er erstmals die Möglichkeit, seine künstlerischen Visionen umzusetzen. Infolge der Finanzkrise wurde dieses Opernhaus dann geschlossen.

Regietheater mit Mass

Es ist Dieter Kaegi anzumerken, dass er auf die Arbeit des Tobs stolz ist, denn mit minimalen Mitteln wird ein Maximum an Qualität herausgeholt. Das vorgestellte Leitbild des Theaters lässt sich auf folgenden Satz fokussieren: Man arbeitet nicht miteinander, sondern füreinander. Die Identität mit dem Haus sowohl von den Künstlern als auch von den technischen Mitarbeitenden liegt ihm am Herzen. Die Zusammenarbeit mit dem Opernstudio in Biel ist ihm ein grosses Anliegen. Die jungen Sängerinnen und Sänger können beim Tobs ein Praktikum absolvieren.

Fördern statt überfordern

Das gibt den Verantwortlichen die Möglichkeit, die jungen Leute zu fördern und nicht zu überfordern. Es gilt, sie ein für ihre Stimme passendes Repertoire erlernen zu lassen. Bei den Inszenierungen soll der Regisseur durchaus eigene Ideen einbringen können, aber nicht das Gesamtkunstwerk Oper als Vehikel zur Selbstverwirklichung brauchen. Da ist denn durchaus an grossen Häusern viel Schindluderei getrieben worden. Vor allem freut sich Kaegi auf die Inbetriebnahme des umgebauten Stadttheaters Solothurn, einem europäischen Juwel.