Der Schritt in die Zukunft ist der Schritt auf andere zu. Und so gibt schon «FutStep» – von «future» und «step» – Aufschluss über den tieferen Sinn und die Ausrichtung der Theaterformation, die diesen Namen trägt.

Auf der «FutStep»-Bühne treffen unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Wertvorstellungen Zugewanderter und Einheimischer, von Flüchtlingen und Schweizern aufeinander. «‹FutStep› soll kulturelle Barrieren abbauen und dazu anregen, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen», so Sherefedin Mussa, Initiant und Koordinator des Projekts.

Ein Theaterensemble entsteht

Seit viereinhalb Jahren lebt der 28-jährige Eritreer in der Schweiz. Und während er vielerorts eben jene Barrieren zwischen den Menschen und Kulturen beobachtete, fand er selbst rasch Anschluss an die hiesige Kultur. In die Tätigkeit seines 2016 hier in der Region gegründeten Theaterensembles fliesst diese positive Grundhaltung unverdünnt hinein.

Humorvoll und doch sozialkritisch kommen die von der Gruppe selbst entwickelten Stücke daher. Anlässlich eines Infopodiums des Eritreischen Medienbunds Schweiz war 2016 unter dem Titel «Blackbox Zukunft» in der Roten Fabrik Zürich das erste Stück der jungen Theatergruppe quasi als Auftragsarbeit uraufgeführt worden. «Dafür hatte ich mir Hilfe und Tipps von Theaterfachmann Marcel Grissmer geholt», erinnert sich Mussa.

Grissmer ist aktuell Leiter des Jungen Theaters Solothurn und gab ihm den Ratschlag, bei der Entwicklung des Theaterstücks die alltäglich erlebten kulturellen Unterschiede in den Fokus des Theaterprojekts zu nehmen und aus einzelnen Szenen heraus zu einer Geschichte zusammenzufassen. «Geprobt haben wir an der Aare, bis uns das Alte Spital den Jugendraum für Proben zur Verfügung stellte», so Mussa.

Beflügelt vom Erstlingserfolg entschlossen sich Mussa und sein Ensemble mit Menschen zwischen 20 und 60 aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Irak, der Dominikanischen Republik und der Schweiz, einen Verein zu gründen. Mit dem zweiten Stück «F.E.A.R.» ging «FutStep» dann bereits auf «Tournee», wie sich Mussa erinnert. Wieder fanden Aufführungen in Zürich statt, ferner in Luzern für Amnesty International, und in Solothurn im Alten Spital und an der Kantonsschule.

Integration hat zwei Seiten

Der Erfolg des Bühnenstücks spricht für die ungebrochene Aktualität des Themas, dessen es sich annimmt: der Integration, die auf beide Seiten funktionieren muss und einen Effort fordert: «Es ist nicht nur für Zugewanderte schwer, sich hier wie irgendwo anzusiedeln. Auch für die Einheimische ist die Situation schwierig.» Darum haben die Stücke von «FutStep» auch eine aufklärerische Wirkung in beide Richtungen. Mussa gibt ein Beispiel, jenseits sprachlicher Barrieren: «Wer in Eritrea seinem Gegenüber nicht in die Augen schaut, sondern den Blick senkt, zollt so seinen Respekt. Hier in der Schweiz ist genau das Gegenteil der Fall.»

Ebenso zeigen die Bühnenstücke auf, wo Berührungspunkte für Einheimische und Menschen mit Migrationshintergrund sein können: «Es gibt Orte, an denen man Kontakte knüpfen kann. Beispielsweise in Vereinen», sagt Mussa und nimmt Bezug auf seine persönliches «Ankommen»: Er selbst hat sich rasch einem Fussballclub angehängt und so Freunde gefunden. Seit Mai 2017 arbeitet er als Praktikant im Discherheim, ab August beginnt er die Ausbildung zum Sozialpädagogen.»

Auf diesem Weg gelangte Sherefedin Mussa zur nächsten Projektidee für «FutStep». Unter dem Titel «Andere Wahrheiten» proben zurzeit Mitglieder des Ensembles zusammen mit Menschen mit Beeinträchtigungen aus dem Discherheim für die nächste Aufführung – und dies jeden zweiten Sonntag. «Es geht darum, dass jeder Mensch seine Talente entdecken kann, ob er nun tanzt oder singt.»

Auf diese Weise treffen im Stück unterschiedliche Charaktere aufeinander, um zusammen Barrieren niederzureissen und persönliche Probleme gemeinsam zu meistern. Zu sehen ist das Stück am Samstag, 23. Juni um 18 Uhr im Alten Spital, welches das Projekt ebenfalls als Partner begleitet. Geprobt wird derweil aber auch an musikalischer Front. So lernte Sherefedin Mussa Kevin Allemann kennen, als er ihn als Moderator für eine «Platz da?!»-Aktion anfragte. Dieser trommelte musikalische Kollegen zusammen und schuf so eine zwölfköpfige Ad-Hoc-Band zu «FutStep», die im Nachgang der Theateraufführung einige Songs zu besten geben wird. Ein zweites Projekt mit potenzieller Zukunft...

Meist ausverkauft

Wie aber wird das Projekt «FutStep» finanziell getragen? «Wir haben bislang bewusst auf Sponsoringgelder und auf Unterstützung durch Stiftungen verzichtet», so Mussa. Denn: «Oft wird beklagt, wie teuer Integration ist», da wollte man ein Zeichen in die andere Richtung setzen. Stattdessen stützt sich «FutStep» auf Kollekten oder auf Eintrittspreise bei den meist ausgebuchten Aufführungen.

Ausserdem nimmt «FutStep» gewisse Entbehrungen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit in Kauf: «Wir sind zwar auf den Sozialen Medien wie Facebook präsent, haben aber noch keine Mittel für eine eigene Homepage.» Braucht sie womöglich auch nicht: Denn ihr Engagement als kulturelle Brückenbauer fällt bei niedergerissenen Barrieren auch «offline» auf.