Dass Werner nur noch einige Wochen zu leben hat, belastet Sohn Philipp schwer. Dieser startet den Versuch, seinen Vater aus der Lethargie zu holen und gaukelt ihm einen Lottosechser vor. Nun aber muss Philipp alle möglichen Mittel und Menschen einsetzen, um die Illusion seines Vaters, des vermeintlichen Millionengewinners, trickreich aufrechtzuerhalten.

Auch Nobs, ein Kumpel Werners, wird in die Pläne eingespannt. Damit erinnert die Handlung des Films «Lotto», der an den Filmtagen zu sehen ist, ein wenig an «Goodbye Lenin», wo anstelle eines Lottogewinns aber der Fortbestand der DDR zum «potemkinschen Dorf», zum Lügengerüst wird.

Besagter Nobs, der gegen Essenslust kämpft und sich sehnlichst ein Magenband wünscht, dürfte dem einen oder anderen heimischen Zuschauer der Filmtage bekannt vorkommen. Im Abspann des Films erscheint der Name Hanspeter Bader – in Solothurn bekannt durch seine Tätigkeit als Regisseur und Schauspieler beim Theater Biel Solothurn sowie als Macher und Darsteller diverser zumeist humoristischer Bühnenstücke, die vor allem im «Uferbau» für ausverkaufte Ränge sorgten.

Während es nicht jedem Schauspieler entspricht, die berufliche Grenzen zwischen Bühne und Film hinter sich zu lassen, blickt der 60-jährige Bader auf viele filmische Produktionen zurück: In Deutschland war er in mehreren Filmrollen zu sehen, und auch zahlreiche kleine und mittlere Besetzungen in Schweizer Projekten zieren seinen Palmarès: Dazu zählen der Krimi «Nebenwirkungen», der Fernsehfilm «Sonjas Rückkehr», «Mord hinterm Vorhang», aber auch Pipilotti Rists «Peperminta». Ebenso war Bader in der interaktiven Filmproduktion «Swiss Love» zu sehen, an die sich Besucher der Expo 2002 in Yverdon erinnern mögen. Und: In der allerersten Folge von «Der Bestatter» praktizierte er als Hausarzt.

Die Vorzüge des Films

Er, der eben kein Gefälle zwischen Film und Theater geltend macht, könnte sich durchaus vorstellen, noch mehr hinter der Kamera zu stehen. Dass diese Chancen mit dem Älterwerden steigen könnten, zeigen Beispiele wie Stephanie Glaser oder Monica Gubser, findet er. «Es gibt Leute, die hier zwei Berufe sehen», sagt Bader selbst. Er selbst erkennt die Vorzüge, die das eine Tätigkeitsfeld gegenüber dem anderen haben kann. «Im Film dreht man die Szenen à la Minute ab, mehrmals, wenn es sein muss.» Derweil probe man im Theater für eine Szene, die man bis zur Erstaufführung mental präsent haben müsse. Und so stelle man sich die Frage: «Bringe ich es noch einmal so gut hin? Und ist die Szene wiederholbar?»

«Eine schöne Zusammenarbeit»

Schon für den letzten Film von Micha Lewinsky hatte Bader beim Casting vorgesprochen. Und obwohl der Regisseur die Rolle in «Nichts passiert» dann anderweitig besetzte, hielt er sich Bader für «Lotto» im Hinterkopf. «Es war eine schöne Zusammenarbeit, auch wenn die Rolle nicht sehr viel Text beinhaltet», resümiert Bader die vergangene Produktion. Und so freut er sich auf den Film «der das ernste Thema Tod humorvoll aufarbeitet. Mir gefällt auch, wie hier ein Familienproblem angegangen wird.»

Ebenso will Bader auch als Zuschauer in die Filmtage eintauchen, «mir Spielfilme von Kollegen ansehen.» Dann aber wendet er sich wieder anderen Projekten für die Bühne zu. Ende März kommt im Gespann mit Jens Wachholz mit «All you can essen» ein assoziativ erarbeitets Bühnenstück in den «Uferbau». Ebenso im März darf man sich mit «Jandl reloaded» auf eine szenisch-musikalische Lesung zusammen mit Dülü Dubach freuen.

«Lotto»: So, 17 Uhr und Mi, 20.45 Uhr, Reithalle. Auf SRF 1: So, 12. Februar, 20.05 Uhr.