Solothurn

Theater Mausefalle reduziert auf Wort und Geräusch

Darsteller Rudolf Fischer brilliert in drei Rollen.

Darsteller Rudolf Fischer brilliert in drei Rollen.

Rudolf Fischer spielt drei Einakter des irisch-französischen SchriftstellersSamuel Beckett und erinnertan den Dramatiker, welcher das Theater des 20. Jahrhunderts wesentlich mitgeprägt hat.

Samuel Beckett (1906–1989) hat vor allem mit seinem Drama «Warten auf Godot» die internationalen Theaterbühnen erobert. 1967 wurde er mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Alle drei gezeigten Einakter sind nach «Godot» entstanden und weisen inhaltliche Ähnlichkeiten auf, weil sie Erinnerungen in den Mittelpunkt stellen.

«Damals» wurde am 20. Mai l976 im Royal Court Theatre in London uraufgeführt. Beckett schrieb das Stück für den Schauspieler Patrick Magee (Clockwork Orange, Barry Lyndon), welcher auch die Uraufführung bestritt.

«Atem» ist das minimalste aller Stücke und dennoch erfüllt es die aristotelischen Mindestanforderungen von Anfang, Mitte und Ende. Es wurde 1969 in New York als Prolog zur Skandalrevue «Oh Calcutta» uraufgeführt.

«Das letzte Band» wurde nach seiner Uraufführung in London 1958 von der Kritik verrissen. Erst die deutsche Erstaufführung am Berliner Schlossparktheater 1959 führte schliesslich zum Erfolg. Die Rolle des Krapp hat sich in der Folge als Paraderolle für alte Schauspieler erwiesen.

Solo für Rudolf Fischer

Eine karge Bühne, ein Tisch, ein Stuhl und ein Hocker. Theater reduziert auf das Wort und die Geräusche. Ein alter Mann betritt die Bühne, setzt sich auf den Hocker, schliesst die Augen und denkt an Vergangenes und Vergängliches.

Aus einem Lautsprecher rechts tönt die Stimme seiner Jugend und erinnert ihn an kindische Spiele, aus einem Lautsprecher links tönt die Stimme des aktiven Mannes mit Fetzen von Liebeserlebnissen und schliesslich aus dem Lautsprecher von hinten ertönt die Stimme des alternden Menschen mit schon etwas nebulösen Erinnerungen.

Der Mann auf der Bühne sitzt fast unbeweglich und lauscht. Manchmal dreht er leicht den Kopf in eine der Richtungen, dann öffnet er wieder kurz die Augen, ab und zu stiehlt sich ein leises Lächeln übers Gesicht.

Das ist «Damals», und es ist weit weg vom Heute. Bei «Atem» ist nur die leere Bühne zu sehen. Aus dem Off ertönen Atemgeräusche. Das ist alles. Nun betritt Krapp die Bühne. Er hat sein Leben auf Tonkassetten festgehalten, welche er sich immer wieder anhört.

Auch hier eine Art Lebensbilanz, zumal er noch eine Kassette bespricht, um sie vermutlich zu gegebener Zeit der Sammlung einzufügen. Bevor Krapp sich sein Leben auf Band anhört, vertilgt er genüsslich eine Banane.

Die Schale wirft er nonchalant ins Publikum (Regieanweisung von Beckett). Seine rote Nase und sein zwischenzeitliches Abgehen, um zu trinken, lassen ahnen, dass er seine Einsamkeit in Alkohol ertränkt.

Rudolf Fischer spielt den alten Mann in «Damals» diszipliniert ruhig und horcht auf seine von ihm eingesprochenen Texte. In «Das letzte Band» kann er sich mimisch von seiner komödiantischen Seite zeigen. Unterstützt wird Fischer von der Technik, welche in den Händen von Michael Weibel und Melanie Egger liegt.

Nächste Aufführungen: Fr. /Sa. 25./26. April, je 20 Uhr, und So. 27. April, 17 Uhr.

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