Wie im Film
Theater im Uferbau zeigt zwei Kumpels, die das Wallis unsicher machen

Mit ihrer elften (!) Theaterproduktion nehmen Jens Wachholz und Hanspeter Bader mit «Männer AOC – Aus kontrolliertem Anbau» das Publikum auf eine vergnügliche Reise ins Wallis mit.

Helmuth Zipperlen
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Pedro Haldemann (Regie) umrankt von den beiden Protagonisten Jens Wachholz und Hanspeter Bader.

Pedro Haldemann (Regie) umrankt von den beiden Protagonisten Jens Wachholz und Hanspeter Bader.

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Adi ist Deutschlehrer, seit etwas mehr als einem Jahr geschieden. Er hat einen Roman geschrieben und sieht sich als künftiger Bestsellerautor. Ben ist Schauspieler, aber seine gute Zeit liegt etwas zurück, denn heute ist er froh, für Werbespots engagiert zu werden. Da Ben sich in einer Woche verheiraten will, hat Adi ihn zu einem Wein-Trip ins Wallis eingeladen.
Der Luftibus Ben und der eher etwas unbeholfene Adi sind natürlich zwei Charaktere, welche sich einander reiben und somit guten Stoff für eine Komödie mit zwei Schauspielern bieten.

Jens Wachholz bringt das höchst unbeschwerte und wenig moralische Wesen des Ben überzeugend auf die Bühne, aber so dass seine Figur nie unsympathisch wirkt. Mit eher sparsamen Gesten und kargen Dialogen kann Hanspeter Bader der Figur des Adi mehr als nur gerecht werden. Das Publikum indessen muss sich die Gesprächspartner und vor allem –partnerinnen der Beiden selber vorstellen, denn sichtbar werden sie nicht. In zwei Ausnahmefällen erklingen weibliche Stimmen ab Band.

Wie im Film

Die beiden Schauspieler kommen mit der Situation der unsichtbaren Mitspieler gut zurecht. Ähnlich muss es Filmschauspielern sein, wenn sie wegen der Spezialeffekte vor einer grünen Wand spielen müssen. Apropos Film: Die vielen kurzen Szenen erinnern unwillkürlich an eine filmische Dramaturgie. Nur gibt es statt der Schnitte und Überblendungen Blackouts. Pedro Haldemann hat mit seiner Regie dieses filmische Konzept noch unterstrichen, denn nicht immer ist die nächste Szene das, was das Publikum erwartet. Max Aeschlimann sorgt am Regiepult für einen reibungslosen Ablauf.

Gut durchdachtes Bühnenbild

Viele Szenen bedeuten viele Schauplätze. Irene Roth ist es gelungen auf der kleinen Bühne des Uferbaus eine Ausstattung herzustellen, die praktisch keiner Umbauten bedarf. In der Mitte eine angedeutete Autokarosserie. Die Sitze im Auto lassen sich leicht in ein Sofa verwandeln. Ein gedeckter Tisch mit vier Stühlen, denn Essen und Trinken ist eine der Hauptbeschäftigungen von Adi und Ben. Eine Theke/Bar für die diversen Weinproben, denn Weinkellereien bilden die Ziele im Wallis. Ein Bett, denn schliesslich sind Übernachtungen Teil der Handlung. Schliesslich noch ein Monitor für einige gefilmte Aussenaufnahmen.-

Beeindruckende Präsenz

In diesem Rahmen bewegen sich also der Möchtegern-Star und der Möchtegern-Autor. Das Wallis muss auch über hübsche junge Frauen verfügen. (Jede Person im Publikum kann sich diese beliebig vorstellen.) Ben möchte vor seiner Heirat nämlich noch was erleben und versucht andauernd Adi mit Frauen zu verkuppeln, um ihn aus seinem Tief herauszuholen. Sex, so meint Ben, wäre das ideale Mittel dazu. Mit Stefanie und Maya bahnt sich denn auch etwas an. Mehr sei aber an dieser Stelle nicht verraten. Die fast zweistündige Bühnenpräsenz von Jens Wachholz und Hanspeter Bader ist beeindruckend. Gut nur, dass sie real im Stück keinen Wein trinken...

Nächste Aufführungen: Freitag und Samstag. 13./14. April, Donnerstag/Freitag/Samstag, 19. bis 21. April, jeweils um 20 Uhr.

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