Stadtfinanzen, neue Hermesbühl-Turnhallen, Umbau des Stadttheaters – diese drei Themen hatte die CVP an ihrer Parteiversammlung programmiert. Letztlich lag der Fokus des Abends jedoch auf dem 20-Mio.-Projekt der Theatersanierung, die von der CVP politisch zuletzt «kritisch positiv» begleitet worden war.

«Das zeitliche Risiko ist das grösste», hielt Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, als Quintessenz ihrer Projektvorstellung fest. Sei doch das baureife Projekt seriös gerechnet und professionell erarbeitet worden, betonte sie. Genau kostet der Umbau des 1936 letztmals umgebauten Hauses 19,85 Mio. Franken, davon sind 5,5 Mio. als Beiträge des Kantons und einer Stiftung bereits gesichert, zudem hat die Stadt über 10 Mio. an Vorfinanzierungen zur Seite gelegt. Spielt nicht der Untergrund des Theaters mit irgendwelchen archäologischen Sensationen ein Schnippchen, sollte das sanierte Stadttheater Ende 2014 bezugsbereit sein, befand Lenggenhager. Immer vorausgesetzt, die Stimmberechtigten der Stadt segnen das Vorhaben an der Gemeindeversammlung und im März an der Urne ab.

Direktor Beat Wyrsch ist zuversichtlich

Später am Abend befragt, wie er den Ausgang der Abstimmung – sie wird generell als Votum für oder gegen die Existenz des Theaters beurteilt – meinte Beat Wyrsch, Direktor des Theaters Biel Solothurn: «Ich bin optimistisch.» Er könne sich nicht vorstellen, dass Solothurn auf seine lange Theatertradition verzichte, «wir sind als Sprungbrett-Theater derzeit sehr erfolgreich am Markt». Er wolle nicht über die sanitären Verhältnisse, die Sicherheitsmängel und anderes reden, erwähnte dennoch einen jüngst glimpflich verlaufenen Schmorbrand auf der Bühne. «Wir verlangen ja keine Luxussanierung» oder «wir haben moderate Löhne und Gagen, sparen an allen Ecken und Enden», betonte er weiter – immerhin zahle man 340000 Franken Miete jährlich für das marode Haus.

Und zur immer noch nicht geklärten Auslagerung des Theaterbetriebs von mindestens 15 Monaten während der Bauzeit ergänzte Wyrsch: «Wir müssen spielen und können nicht einfach Ferien machen.» Zumal das Theater Biel Solothurn verpflichtet sei, jährlich 25 Prozent Eigenfinanzierung (rund 2,6 Mio. Franken) einzuspielen.

Die finanzielle (Kehr-)Seite des Ganzen beleuchtete Urs Humm, Vizepräsident der Finanzkommission, mit einer Tour d’Horizon zu den Gemeindefinanzen. «Unsere Investitionen sind zu hoch», prognostizierte er eine Neuverschuldung der Stadt – ohne die Investition ins Stadttheater direkt zu kritisieren. Das sei nicht seine Aufgabe; die Finanzkommission beharre nur auf einem Selbstfinanzierungsgrad von 100 Prozent – dies könne entweder über Einsparungen in der Laufenden Rechnung oder durch Abstriche bei Investitionen geschehen.

Pro und eher kontra

Co-Parteipräsident Gaudenz Oetterli schritt nun zur Podiums- und Diskussionsrunde, die aber im Bann der Finanzierungsfrage und der nicht bekannten Auslagerungskosten blieb. Auch die Frage, «warum kein Neubau?» wurde aufgeworfen – abgesehen davon, dass ein solcher auch durch den Erwerb des Krieg-Hauses 2004 nie ernsthaft erwogen worden war, meinte Andrea Lenggenhager: «Ein Neubau käme teurer zu stehen. Denn damit würde das Raumprogramm sicherlich aufgebläht.»

Eher kritisch äusserte sich Gemeinde- und Nationalrat Pirmin Bischof: Er hoffe immer noch, dass die im Gemeinderat erwähnten jährlichen 3,1 Mio. Folgekosten «falsch» seien. Auch Auslagerungskosten in ähnlicher Höhe –«das geht nicht!» Alle Städte, die sich ein Ensembletheater leisteten, seien mindestens dreimal so gross wie Solothurn, sah Bischof eine Dominanz der «Elitekultur» gegenüber der Basis-Kultur oder dem Sport. «Unsere Bevölkerung ist intelligent und kritisch» warnte er vor einem schwierigen Urnengang – und blickte auf das in den 70er-Jahren an der Urne abgelehnte Sportzentrum zurück. «Wir haben Ja gesagt», verwies dagegen Gemeinderätin Katharina Keune Leimer auf den jüngsten CVP-Entscheid pro Theatersanierung. Dabei solle man bleiben, denn auch der 10-Mio.-Vorfinanzierung «haben wir stets zugestimmt.»