«Musik im Blumenstein»

Tenor singt in den Sprachen der Welt

Gehts ums «Blumenstein», so ist Tenor Niclas Oettermann gerne ein Wiederholungstäter. Archiv

Gehts ums «Blumenstein», so ist Tenor Niclas Oettermann gerne ein Wiederholungstäter. Archiv

Der Tenor Niclas Oettermann ist zu Gast in der «Arena di Verona» im Museum Blumenstein. Er singt Opern von Verdi, Bizet, Puccini und Giordano.

Niclas Oettermann tritt in der Royal Albert Hall und anderen Musentempeln auf, singt gegenwärtig im Theater Pforzheim in «Tosca» und gastiert dieses Wochenende im Museum Blumenstein im Jubiläumskonzert «Arena di Verona in Solothurn». Er wird in Opern von Verdi, Bizet, Puccini und Giordano in die Rollen eines Feldherrn, Perlenfischers, Poeten, Priesters, Prinzen und Revoluzzers schlüpfen – sich in den jeweiligen Charakter einfühlen und in den Originalsprachen singen.

Internationale Sänger deutscher Zunge müssen Sprachen können. Sie singen und sprechen in Englisch, Französisch und in der Opernsprache Italienisch. «Man muss die Worte verstehen, um sie ausdrucksstark zu interpretieren. Von daher empfinde ich es als Pflicht, die jeweiligen Sprachen zu lernen. Ich halte nichts von rein phonetischem Sprachgebrauch», meint er dazu.

Der polyglotte Tenor

Oettermann lebt in Baden-Württemberg. Mit seiner Frau Joanna Choi plaudert er in ihrer Muttersprache Koreanisch. Besucht er den Bruder in Istanbul, spricht er Türkisch. Da ihn Israel fasziniert, lernte er Hebräisch. Selbst der spanische Wortschatz reicht weit über die Grundkenntnisse hinaus. Die Schweizer Mundart eignete sich der Deutsche an, als er von 2001 bis 2006 am Theater Biel Solothurn engagiert war, mit seinem Gesang 2002 die Expo eröffnete und auch am Stadttheater Bern gesungen hat. Mit seiner Frau und den beiden damals noch kleinen Töchtern wohnte er in Biel.

Wie für viele Opernsänger war das kleine Stadttheater ein Sprungbrett an grosse Häuser. Im Festengagement in Meinigen stand er mit Elina Garanca auf der Bühne, bei einem Open-Air mit Primadonna Anna Netrebko. Heute ist Oettermann freischaffend, tritt sowohl in Konzerten wie auch in Theatern auf. «Für mich die perfekte Balance. Würde ich nur auf dem Konzertpodium singen, müsste ich noch unterrichten. So bin ich ungebunden, kann mich auf neue Partien konzentrieren.» Nach der «Pforzheim-Tosca» erwartet ihn im Staatstheater Chemnitz mit Verdis «Otello»eine Traumrolle, später folgt in Augsburg Wagners «Parsifal».

Oettermann singt zwar auch Reisser wie «La donna è mobile» in Rigoletto, doch zieht er gebrochene Charaktere vor, die ihn auch als Schauspieler fordern. Zu seinen Paradepartien gehört Offenbachs Hoffmann, den er in vielen Ländern gesungen hat. Unter anderem bei einer Freiluftveranstaltung in Paris. In der ersten Reihe sass Weltstar Gérard Depardieu. Später sei er zu ihm gekommen, habe ihm auf die Schulter geklopft und gelobt: «Das hätte ich nicht so gut spielen können», schmunzelt Oettermann. Auch Roberto Alagna habe ihn ermuntert und gemeint: «Mach weiter so.»

Star ohne Allüren

Der Tenor besitzt nicht nur eine voluminöse und schön timbrierte Stimme, sondern nimmt mit Charme, Natürlichkeit und Herzenswärme für sich ein. Veranstalter schätzen ihn als hilfsbereiten und mitdenkenden Opernstar, der sich seiner künstlerischen Verantwortung bewusst ist und Allüren verabscheut. Diese Haltung kam ihm auch beim Konzert in der Royal Albert Hall und der Europa-Tournee mit dem Royal Philharmonic Orchestra zugute.

Am liebsten geht er unbehelligt auf Entdeckungsreise. Auch in Solothurn. Er weiss, wo er den besten Kaffee, das knusprigste Gipfeli bekommt. «Ich komme immer wieder gerne hierher zurück. Das intime Ambiente im Blumenstein ist einmalig. Wo sonst ist der Sänger in so unmittelbarer Nähe zu den Zuhörenden. Da springt der Funke mit kleinsten Gesten und Nuancen, die in grossen Konzerthallen verloren gehen», resümiert er. Heute Abend wird er (mit Luisella de Pietro, Krum Galabov und Daniel Moos) eine Kostprobe davon geben.

Jubiläumskonzerte: Fr/Sa, 17./18. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, So, 19. Oktober, 10.30 Uhr. 

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