Uferbau
Tells Apfelschuss-Szene für einmal aus der Wurm-Sicht

«Tell schnell» bietet im Uferbau Theaterunterhaltung der besten komödiantischen Art. Mit viel kreativen Einfällen und fantasievollen Verwandlungen nehmen sich die Darsteller Schillers Drama an.

Helmuth Zipperlen
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Theaterkomödie «Tell schnell» im Uferbau
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Theaterkomödie «Tell schnell» im Uferbau
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Theaterkomödie «Tell schnell» im Uferbau
Theaterkomödie «Tell schnell» im Uferbau
Theaterkomödie «Tell schnell» im Uferbau

Theaterkomödie «Tell schnell» im Uferbau

Hansjörg Sahli

Akustisches Stimmengewirr mit einem deutlichen österreichischen Akzent, aber sonst unverständlich ist zu hören. Dann treten Wilhelm (Hanspeter Bader), Walter (Jens Wachholz) und Gertrud (Rada Radojcic) in Katerstimmung auf. Sie haben eben die Produktepräsentation gegen den österreichischen Strizzi Franzl Stranzl verloren. Es ging darum, Schillers «Wilhelm Tell» in zwölf Minuten möglichst originell darzustellen. Nach einem kurzen Gedankenaustausch sind sich die drei Protagonisten einig, dass sie unter Pseudonym doch an der öffentlichen Ausschreibung teilnehmen wollen.

Mit der Darstellung, wie sie dies anpacken wollen, beginnt der Spass für das Publikum. Mit viel kreativen Einfällen und fantasievollen Verwandlungen nehmen sie sich Schillers Drama an. Prämisse ist, dass jeder Akt in einem andern Stil zu halten sei. Filmeinblendungen ergänzen das Geschehen auf der Bühne. Kinder erzählen aus ihrer Sicht die Tellgeschichte. Den Vogel schiesst aber die Montage ab, in welcher Texte der Rütliszene bekannten Politikern in den Mund gelegt werden, und der Rütlischwur zum «Yes We Can» wird.

Mozart versus Tell

Gertrud liebt Mozartkugeln, Wilhelm hält Mozartkugeln-Diät und Walter sinniert darüber, wie die Österreicher ihren Mozart vermarkten, während die Schweizer weder eine Tell-Kugel noch etwa eine Apfelsorte namens Tell haben. Das gibt Jens Wachholz Gelegenheit, das Märchen vom Apfel vorzulesen. Aber Hanspeter Bader doppelt gleich nach, wenn er die Apfelschuss-Szene aus der Perspektive des Wurms im Apfel zum Besten gibt.

Die Liebesszene Berta und Rudenz soll als Ballett gestaltet werden. Einig ist man sich, dass nur die Zeilen-Endungen Verwendung finden, aber bei der Musik scheiden sich die Geister. So wird die Szene mal à la Offenbach, mal à la «Carmen» und mal à la Rossini geprobt.

Und wieder wandeln sich die Darsteller und treten mit Masken auf, um die Todesszene von Attinghausen im Stil des japanischen Kabuki-Theaters zu spielen. Schliesslich rechnet Gertrud aus, dass bis und mit viertem Akt zwölf Minuten vorhanden sind. Stöhnen, denn der fünfte Akt ist noch ganz happig, doch die kluge Gertrud hat bereits eine Lösung: Der fünfte Akt wird als Rap-Song dargeboten. Sie hat den Text bereits aufgesetzt und Walter als Deutscher und somit Schnellsprecher soll ihn lesen. Er benötigt dafür 91 Sekunden. Zu lang. Kürzen? Nein, was gibt 12 Minuten und 91 Sekunden? Und damit lässt sich der Wettbewerb gewinnen.

Satire aufs Regie-Theater

Natürlich passiert dies alles nicht so einfach wie es der obige Text glauben lassen will. Da klingelt mal wieder ein Telefon im dümmsten Moment, die Protagonisten streiten und Gertrud verliebt sich in den Franzl. «Man kann nicht bestimmen, wo die Liebe hinfällt.» - «Aber man kann auch mal was liegen lassen.» Das Stück ist von den drei Darstellenden selber entwickelt worden. Neben all dem vordergründigen Amüsement ist es auch eine Satire auf das moderne Regie-Theater. Da werden von Regisseuren im Zuge ihrer Selbstverwirklichung Klassiker ähnlich auf die Bühne gebracht, wie dies auf grossartige Weise Rada Radojcic, Hanspeter Bader und Jens Wachholz am Beispiel des Tell demonstrieren.

Für die Regie zeichnet Pedro Haldemann und für die Produktion Jean-Claude Käser verantwortlich. Madeleine Lehmann hat die Bühne sparsam, aber praktisch ausgestattet und Max Aeschlimann in der Technik sorgt für die erforderlichen Ton- und Bildeinblendungen. Das Publikum bedankte sich an der Premiere mit grossem Beifall.

Nächste Aufführungen: Samstag, 24. und 30. November, Samstag,. 1. Dezember, sowie 6., 7. und 8. Dezember, je 20 Uhr

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