Stadtbummel Solothurn
Tee auf Bier, das rat ich Dir

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Eine Tasse Tee gefällig?

Eine Tasse Tee gefällig?

Solothurn ist die Stadt der Flüssigkeiten: Davon können die Wein-Fährleute der Ambassadorenzeit, die ihrer Fracht näher kamen, als es dem Endverbraucher lieb war, ein Liedchen lallen. Oder Franco Supino, der auf die mediterrane Kraft des Fluss- (pardon!) Meerwassers hinweist. Oder die Stadt wird zur Milchmetropole, wenn am Tag der Milch die «stärksten Familien der Schweiz» wetteifern, wie am vergangenen Wochenende. Ausserdem wuchs in Solothurn nach dem langen Winter der Prohibition auch wieder das schweizweit erste Wermutspflänzchen in Form einer Absinth-Bar in die Höhe.

Und ja: Ihre Krönung findet die Aufzählung natürlich beim bierseligen Grossanlass, der im Moment gerade die Stadt erquickt. Die Biertage. Wobei: Im Gegensatz zu vielen anderen Dingen (wie dem Schweizer Hardrock, der Uhr mit elf Ziffern, der Solothurner Torte) wurde das Bier ja nicht in Solothurn erfunden: So hätten schon die alten Babylonier mit stattlichen 20 Biersorten locker ihre eigenen Biertage im Zweistromland auf die Beine stellen können. Oder die Kelten mit ihrer Cervisia. Erst auf den Anfang des zweiten Jahrtausends nach Christus reicht hingegen die hiesige Biertradition zurück. Dafür ist sie im Gegensatz zum Babylonier Hellen oder Kelten Bock quicklebendig...

... und demokratisch obendrein. Womit sie ja umso besser nach Solothurn passt, wo die direkte Demokratie dank Gemeindeversammlung (im Moment noch) ausgeprägter gelebt wird als anderswo. Aus einer demokratischen Gesinnung heraus sind aber auch die meisten anderen auswärtigen Braustuben entstanden, die an den Biertagen anzutreffen sind. In Küchen oder Garagen, nach dem Feierabendbier oder aus einer Bierlaune heraus, nach langem Experimentieren oder nach einer Expedition mitten in die Hopfenfelder hinein. Kein Dorf mehr ohne Brauerei – eine feine Sache in einer Welt des Einheitsbreis.

Leider fristet im Schatten des Hopfensafts eine andere, nicht weniger wichtige Flüssigkeit ein weitgehend stiefmütterliches Dasein: Tee, ein entfernter Verwandter des Biers, kommt ebenfalls in tausend Gesichtern oder Sorten daher, von denen aber im allgemeinen Ausschank bestenfalls fünf Sorten zu haben sind. Dabei lässt sich beim Tee sogar der Rohstoff sehr niederschwellig anbauen. Und auch das Brauen geht wesentlich einfacher, wenn man nur die Ziehzeiten beachtet. Wie wäre es also mit einem royalen, englischen Teesalon gleich neben dem «Red John»? Oder einer Teeplantage im hiesigen Kapuzinerkloster? Oder mit einer Winterveranstaltung namens «Solothurner Teetage»?

Dabei sind die beiden einander so spinnefeind nicht: Gegen den Kater am Tag danach eignet sich zwar kein Tee Rum, kein Jägertee und erst recht kein Long Island Ice Tea, dafür aber ein Grün- oder Kamillentee. Und so gilt als heilsames Losungswort für die Zeit nach den Biertagen: Tee auf Bier, das rat ich Dir...