Der Schweizer Schauspieler und Dramatiker Curt Goetz (1888–1960) war in der Weimarer Republik ein Star auf der Bühne und im Film. Er verfasste für sich und seine Gattin, Valerie von Martens, eine Anzahl Bühnenstücke, welche heute noch gespielt werden. Nur: Er hat Rollen geschrieben, welche sein schauspielerisches Potenzial und dasjenige seiner Gattin und Partnerin demonstrieren sollten.

Rolle der Frauen umgeschrieben

Es ist immer schwierig, solche auf einen gewissen Leib geschriebene Rollen nachzuspielen. Regisseur Remo Streit hat denn zu Recht das Stück gestrafft und in eine Form gebracht, welche die Handlung zügig voranschreiten lässt und das überraschende Ende nach knapp zwei Stunden alle Rätsel löst. Er hat zudem aus den ursprünglich männlichen Rollen des Gerichtspräsidenten und des Staatsanwaltes weibliche Amtsträger gemacht. Heute eine Selbstverständlichkeit, damals 1927 kaum denkbar. Das verschiebt allerdings den Akzent der Komödie etwas. Wollte Goetz die Angeklagte Agda Kjerulf auch als Opfer des männlich dominierten Gerichtsapparates sehen, so wird sie jetzt Gegenstand einer Art Zickenkrieges.

Agda steht wegen der Ermordung ihres Mannes, des Kunstmalers Hilmar Kjerulf, vor Gericht. Sie soll ihn, den Nichtschwimmer, zu einer Bootsfahrt überredet haben, das Boot kentern lassen und als Preisschwimmerin an Land geschwommen sein. Ihren Gatten habe sie dem Schicksal überlassen. Erst Tage später habe sie ihn als vermisste gemeldet und seine Leiche soll inzwischen angeschwemmt worden sein. Die Indizien sind überzeugend und werden durch Zeugen bestätigt.

Verteidiger kontra Staatsanwältin

Als Gerichtspräsidentin Ferdinanda Arden vermag Helena Kountoudakis in jeder Phase zu überzeugen, sei es die oft schneidende Stimme oder die selbstbewusste, herrische Geste. In der Stimmlage nicht weniger sarkastisch gibt sich Petra Gehrmann als Staatsanwältin Wilkens. In beschwörendem Tone wendet sie sich in ihrem Plädoyer an die Geschworenen (das heisst, ans Publikum). «Sie, meine Damen und Herren Geschworenen, sind berufen, seinen Tod zu sühnen. Ich beantrage, die Angeklagte des heimtückischen Mordes an ihrem Gatten schuldig zu sprechen!» Als Gegenpart, unverkrampft und eher einem Spieler gleich, hält Remo Streit als Verteidiger Peer Bille sein Plädoyer: «Vertrauensvoll lege ich das Leben und die Ehre dieser Frau in Ihre Hände.»

Als liebliche Erscheinung und mit sanfter Stimme gibt Milica Stanojevic als Angeklagte Agda ihr Debüt im Teatro Mobile. Ebenfalls erstmals zu sehen sind Elian Frei als Mary und Melanie Egger als Zeugin Eunano. Sie und die übrigen Mitwirkenden bleiben im Schatten der dominierenden drei Figuren, sind aber für das Stück und den Gesamteindruck der Aufführung unerlässlich. Michael Weibel als Arthur Graham, Franziska Glutz als Frau Engstrand und Nadine Krieg als Zeugin komplettieren das Ensemble. Da das Stück in der Villa der Gerichtspräsidentin und im Gerichtssaal spielt, eignet sich das Ambiente des Salons im Schloss Blumenstein bestens. Die Umbauarbeiten im Theater Mausefalle sind demnächst abgeschlossen, sodass die nächste Produktion, «Der Kaufmann von Venedig» von William Shakespeare, wieder im Stammhaus zu sehen sein wird.

Nächste Aufführungen Freitag bis Sonntag, 12. bis 14. April, jeweils 20 Uhr im Museum Blumenstein.