Das Innere des Theaters Mausefalle mit dem Garten des Blumensteins vertauscht, kann an einem warmen Sommerabend ganz reizvoll sein. Rudolf Fischer hat drei Einakter des sizilianischen Literaturnobelpreisträgers Luigi Pirandello übersetzt und für diese Aufführung eingerichtet. Fischer brilliert denn auch in zwei ganz unterschiedlichen Rollen.

In «Das Patent» ist er hinter der Maske des Rosario Chiàrchiaro kaum erkennbar. In dem 1918 in Turin uraufgeführten Einakter geht es um einen Sonderling, welcher die amtliche Bestätigung erhalten will, dass er über den «bösen Blick» verfügt.

Konversationsstücke

Ein Jahr zuvor wurde in Rom «Der grosse Krug» uraufgeführt. Hier hat Fischer Gelegenheit, sich als wortreichen, aber letztlich nichtssagenden Rechtsanwalt zu präsentieren. Allen drei Einaktern ist gemeinsam, dass sie Konversationsstücke sind. Sie müssen dem italienischen Duktus entsprechend schnell gesprochen und mit lebhafter Gestik versehen sein. Dem werden alle Mitwirkenden gerecht.

Insbesondere im ersten Einakter «Cecè», wo fast jedes Wort sich in der Körpersprache widerspiegelt. «Cecè», 1915 in Rom uraufgeführt, ist vermutlich einer der Urahnen von Fellinis «I Vitelloni». Ein Taugenichts, ein in den Tag hineinlebender junger Mann, welcher es versteht, die anderen für seine Zwecke zu nutzen. Christoph Stapfer spielt ihn als schlaksigen Müssiggänger. Wie sein Partner David Gnägi und seine Partnerin Anne-Catherine Kramis ist er auch in den beiden anderen Einaktern zu sehen.

Zerbrochener Krug – ohne Kleist

Eine grosse Rolle in jedem Einakter hat David Gnägi zu bewältigen. Ist er in «Cecè» ein hypernervöser Bauunternehmer, welcher in zwielichtige Geschäfte verwickelt ist, ist er als Untersuchungsrichter in «Das Patent» der vermeintlich ruhende Pol, um dann in «Der grosse Krug» einen polternden Grossgrundbesitzer zu geben.

Dieser kauft einen grossen Krug, um Olivenöl zu lagern. Doch unversehens ist der Krug entzwei und niemand will es gewesen sein. Deshalb wird der Krugflicker Zi Dima Licasi (Christoph Stapfer) geholt, welcher sich letztlich selber in den wieder reparierten Krug einschliesst. Anne-Catherine Kramis ist in «Cecè» eine Halbweltdame. In «Das Patent» wandelt sie sich zur eingeschüchterten Tochter, um schliesslich als Olivenpflückerin eine fröhliche Magd zu verkörpern.

Remo Streit kann nach seinem Kurzauftritt als zweiter Richter in «Das Patent» in «Der grosse Krug» als Knecht auftreten, welcher nach oben buckelt und nach unten befiehlt. Als Amtsdiener Marranca muss Jonathan Sollberger alle seine Ängste vor dem bösen Blick überwinden, um Rosario vor Gericht zu holen.

«Der grosse Krieg» ist ein Einakter mit vielen Personen. So kommen denn Franziska Glutz und Dominique Lysser als kecke Olivenpflückerinnen zu einem auch optisch reizvollen Einsatz. Aus der kleinen Rolle des Maultiertreibers vermag Nourdin Khamsi ein Kabinettsstückchen zu machen. Fazit: Dreimal Pirandello – mehr als dreimal schmunzeln.

Nächste Aufführungen: Fr/Sa, 21./22. Juni, Sa, 29. Juni, je 19.30 Uhr, So, 30. Juni, 17.30 Uhr.