Gassenfasnacht
Tausende Narren stellen Honolulu auf den Kopf

Abertausende sorgten am Samstagabend für eine infernalische Gassenfasnacht in der Solothurner Altstadt. Auch die zahlreichen Fasnachtslokale waren stets gut besucht.

Wolfgang Wagmann
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Zirkusdirektor Wagmann schaut auf der Gasse nach dem Rechten
22 Bilder
Zahlreiche Guggenmusige unterhielten das bunt kostümierte Publikum
Überall hätts Pilzli dra, Pilzli dra...
Gassenfasnacht Samstagabend Solothurn 2016
Tetris für Fortgeschrittene
Wie aus tausend und einer Nacht
99 Luftballons...
Fühlt den Rhythmus, fühlt die Musik!
Die Qualle der Wahl
So macht zur Schule fahren Spass!
Eeeeis, zwöööi, drüüü
Auch kunterbunte Einhörner waren anzutreffen
Er hat die Haare schön
Die Minnies waren ausnahmsweise ohne ihre Mickeys unterwegs
Ein Herz für 4 Pfoten
Jenseits der Donnerkuppel liegt Honolulu
Houston, wir haben ein Problem
Schaurig schönes Make-Up
Back to the 80s
Passend zum Frühlingswetter spriesst es schon ganz grün auf den Gassen
Lego für einmal grösser als Duplo
Diese flotten Bienen laben sich am Nektar

Zirkusdirektor Wagmann schaut auf der Gasse nach dem Rechten

Tina Dauwalder und Thomas Ulrich

«Letztes Jahr wars um diese Zeit voll.» Der Security-Mann vor der Honolulu-Bar verfolgt einige vorbeihuschende bunte Gestalten. Sie streben dem Märetplatz zu, wo die Gassenfasnacht im Herzen von Honolulu zaghaft aufkeimt.

Eine halbe Stunde später liegt der gute Mann völlig daneben: Die Nacht hat Tausende von schrillen Figuren ausgespien. Hexen, Feen, Bären, gruslige Geister und dazu jede Menge Krach. Die Jugend macht mobil. Mit verkleideten Wägeli, die nichts anderes sind als rollende Ghettoblaster.

Mit an Bord: Jede Menge Alkohol. Doch es gibt auch die stillen, feinen Fasnachtsszenen: Auf einem Bänkli am Märetplatz lismen zwei Annis um die Wette. Wortlos, Masche um Masche. Nach einem ersten Kampf durchs Gewühle endlich am noch ruhigeren Friedhofplatz angekommen, versperrt dir dort eine lange Leine voll Wäsche, gespannt zwischen den beiden Platanen, den Weg. Die Wöschwiiber haben einiges drauf. Sie werden sich später beim Durchgang zum Vigierhof als versierte Buchtrommel-Combo outen.

Kampf um den Brunnen

Besonders eng wirds um den Gerechtigkeitsbrunnen. Die Böögge Brätscher aus Welschenrohr haben den steinernen Trog okkupiert, ihre Fans toben und tanzen darum. Doch noch ehe der letzte Thaler wieder heruntergestiegen ist, besteigen den Brunnen schon die Baarburg Geischter aus dem fernen Zugerland. Und schmettern posaunierend in die Menge hinunter.

Eine Riesengugge hat sich vorab einen veritablen Safety-Car zugelegt, um durch die Massen zu surfen. Inzwischen geben vorne auf der St.-UrsenTreppe die Bätterkindener Schrottofoniker, verstärkt durch eine Kohorte römischer Legionäre aus Biberist, eine tosende Gugge-Sinfonie von sich – die Stadt kocht.

Und immer wieder skurrile Sujets: Ein Pulk von Hippies auf selbst gebastelten, motorlosen Harleys hupt sich den Weg runter zum Landhaus frei. Ein schwieriges Manöver. Da haben es die zwei Schuhputzerinnen vor der Jesuitenkirche leichter. Denn an Schuhwerk fehlt es ebenso wenig wie an Dreck, der zunehmend mit scheppernden Getränkebüchsen angereichert wird.

Das Wasserstadt-Quiz

Um die vielen Aussenstände gibts kaum ein Durchkommen. Es ist trocken, also bleibt man draussen, auch am Landhausquai. Der grosse Irrtum. In der Säulenhalle, am Ballzillus, sind kaum mehr Quadratzentimeter für ein Tanzbein da.

Und oben im Circus Wieduwotsch haben es die Stadtmischtschnüffler nicht leicht, mit ihrem Quiz über die Wasserstadt, die Fusion mit Zuchwil und anderen kniffligen Fragen, um ihre Opfer auszuquetschen. «Grüezi!» Die beiden Daunenverkäufer der Ernst Fischer Bettwaren AG fertigen dir dein Kissen auf Wunsch an.

Doch nun drängt alles zur Bar, als wäre ab Mitternacht das Trinken verboten. Ist es natürlich nicht. Und so bleibt Honolulu noch lange im festen Griff der Fasnacht. Bis der Kampf ums Taxi beginnt, und die letzten Guggenklänge hinter dem Bieltor verhallen.

Für ein paar Stunden kommt Solothurn nun zur Ruhe. Ehe neue Fasnachtswolken aufziehen: wuchtige Wagen auf dem Amtshausplatz. So schnell wird die Stadt die Narren nicht los.