Solothurn
Tausende gegen Schliessung des Westbahnhofs, doch der Zug ist längst abgefahren

16 Personen haben 4555 Unterschriften am Hauptbahnhof Solothurn deponiert. Mit der Petition soll die Schliessung der Verkaufsstelle am Westbahnhof verhindert werden. Doch bei den SBB will man nicht mehr auf den Entscheid zurückkommen.

Wolfgang Wagmann
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Bea Beer und ihre Crew übergeben Stefan Bänziger die Unterschriften und den Lebkuchen-Westbahnhof. ww

Bea Beer und ihre Crew übergeben Stefan Bänziger die Unterschriften und den Lebkuchen-Westbahnhof. ww

Solothurner Zeitung

Wir haben uns nie Illusionen gemacht», meinen Bea Beer als Leiterin der Unterschriftenaktion und Monika Grossenbacher. «Unsere Mitglieder haben uns wegen der drohenden Schliessung auf Ende August kontaktiert», blicken die beiden im Quartierverein Weststadt engagierten Frauen auf die siebenwöchige Sammelaktion zurück.

Einzelne Proteste hätten nichts gebracht, deshalb habe man sich organisiert und das ganze Netzwerk, inklusive den Gemeinderat über die Petition informiert. Schulen im ganzen Leberberg, die ihre Kollektivbilletts am Westbahnhof beziehen, «haben unterschrieben, genauso wie Firmen, Arztpraxen oder auch Wohnheime. An einem Samstag kamen an unserem Stand von 10 bis 17 Uhr allein 350 Unterschriften zusammen.»

Bea Beer: «Das Ganze hat mit Lebensqualität zu tun. Denn gerade ältere Bahnkunden trauen sich nicht unbedingt an den Hauptbahnhof.» Und Monika Grossenbacher bezweifelt auch die Aussage der SBB, dass der Umsatz am Westbahnhof seit der Schliessungsankündigung um 20 Prozent zurückgegangen sei. Auf jeden Fall wäre ein Verzicht auf die Schliessung des bedienten Verkaufsschalters, an dem die Kundschaft manche persönliche Beziehung aufgebaut hat «imagemässig für die SBB eine gute Sache», meinen die beiden Frauen.

Bereits vermietet

Stefan Bänziger, Leiter Marktgebiet Solothurn der SBB, hörte sich wohl geduldig die Argumente der Petitionäre an, doch liess er klar durchblicken, dass am Entscheid nicht mehr zu rütteln sei. «Nein, einfach ist uns der Entscheid nicht gefallen, denn der Westbahnhof verfügt über ein sehr grosses Einzugsgebiet. Aber wir haben mit dem Hauptbahnhof die Möglichkeit, innert sehr kurzer Distanz, nur 500 Meter vom Westbahnhof entfernt, unsere Dienstleistungen in sehr guter Qualität anzubieten.» Dabei würden im Rahmen des Projekts «Mehr Bahnhof» am Hauptbahnhof bis Ende Jahr noch einiges investiert. «Uns ist zum Beispiel klar, dass die Zufahrtssituation zum Bahnhof nicht optimal ist.»

Auch in Sachen Park + Ride sei noch einiges angedacht, «wir stehen deswegen in engem Kontakt mit der Stadt.» Am Westbahnhof seien dagegen die Würfel eigentlich gefallen, stehe doch mit der Securitrans, einer Tochtergesellschaft der SBB, die sich mit dem Objektschutz befasst. Bereits der neue Mieter fest.

Bänziger ist überzeugt, dass mit dem Einzug der Firma und dem Einbau eines «Avec» der Westbahnhof «nicht zum Geisterbahnhof» wird.» Die Petition für die Beibehaltung der Verkaufsstelle zeige, dass «unsere Dienstleistungen geschätzt werden, die gesammelten Unterschriften sind für uns Bekenntnis und Auftrag, weiterhin einen guten Service zu bieten. Dies zudem mit attraktiven Öffnungszeiten während sieben Tagen in der Woche.»

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