Die Fasnacht ist eingeläutet!

Tausende Chessler erschüttern Honolulu

In Solothurn ist um fünf Uhr morgens endgültig das Fasnachtsfieber ausgebrochen. In weissen Nachthemden, Zipfelmützen und roten Halstüchern wurden die lärmigsten Tage des Jahres mit der Chesslete eingeläutet.

Der honolulesische Alltag hat begonnen! Die Fasnacht ist nach der Chesslete vollends eingeläutet. Am Vortag deutete die Kinderchesslete zwar schon an, was folgen würde. Doch am Donnerstagmorgen gings dann richtig los.

Punkt fünf Uhr ertönte der Knall vom Amthausplatz her. Der Oberchessler Reto Stampfli konnte den weissen Tatzelwurm zum zweiten Mal mit dem unüberhörbaren Startsignal von UNO-Ober-Ober Kusi Wälti in Bewegung setzen. «Ich war extra in der Kaserne Thun, um in der Zugschule das regelmässige Laufen und das Einhalten der Laufgeschwindigkeit zu üben», outete sich der Oberchessler.

Solothurner Chesslete 2016

Solothurner Chesslete 2016

In der Tat zog die lärmende Schlange in einem angenehmen Tempo durch Altstadtgassen und Vorstadt. «Als wir auf die Kreuzackerbrücke einbogen, sahen wir den Schluss auf der Wengibrücke», beobachtete Stampfli. «Es hatte sehr viele Leute, eher mehr als letztes Jahr», stellte Konrad Müller fest. Eine Zahl zu nennen, sei unmöglich. Der Dienstchef Verkehrsinstruktion begleitete als Einsatzleiter die Chesslete.

Als gewiefter Instruktor konnte er so eine auswärtige zivil gekleidete Gruppe mit elektronischen Beschallungsmitteln mit den hiesigen Gepflogenheiten und Gebräuche bekannt machen. Ausser drei Beizen, die zu früh öffneten, machte Müller keine weiteren Wermutstropfen aus: «Es ist alles gut und problemlos verlaufen, es gingen keine Meldungen wegen Sachbeschädigungen ein».

Erfreulich war auch die Lehrerschaft des Wildbach-Schulhauses, die mit Schülern mitzogen. Als Kanti-Lehrer sah auch der Oberchessler viele ihm bekannte jugendliche Gesichter. «Es war schön, dass sie kamen, obwohl sie nachher in den Unterricht mussten», sagte Stampfli.

Ins Kapitel Nachwuchsförderung gehört ebenso, dass niemand zu klein ist, Chessler zu sein. Das sagte sich ebenfalls Jungvater, Ständerat und Vollblut-Schnitzelbänkler Pirmin Bischof. Anstelle einer Glocke oder eines anderen Lärminstruments band er sich nämlich seine bald halbjährige Tochter Norina mit Ohrenschutz in einer Bauchtrage um.

Petrus war der fünften vom theologischen Oberchessler Stampfli geleiteten Wintervertreibung wohlgesinnt. «Um halb Vier, als ich aufstand, hat es noch in Strömen geregnet», erfreute er sich über einen trockenen Umgang mit vorwiegend rechtsseitigen Abbiegungen. Am Schluss schlug der Oberchessler seiner Gefolgschaft zudem noch ein Schnippchen, zuletzt zweimal nach links.

Nach dem Märetplatz mit den beiden obligaten Riesenrätschen-Wagen der Vorstadtzunft erwischte er viele, weil er die Schaalgasse hinunter, durch die Löwengasse zum Stalden und dann via Hauptgasse West und die Judengasse hinauf auf den Säulimäret zurückkehrte. Diese Zusatzschlaufe zum Startpunkt zurück, wurde nicht erwartet.

Ein Novum war die Geiselklöpfer-Gruppe auf dem Klosterplatz. Verschiedene handbetriebene, neu konstruierte Lärmutensilien wie Rätschen, Oelfässer, Blechkessel mehr oder weniger rhythmisch bearbeitet, wurden als wieder entdeckte Innovationen gesichtet. Exklusiv hingegen war für die Postauto-Insassen des Halbsechsuhr-Kurses das Mitfahren mitten im Chessler-Pulk zwischen Wengibrücke und Dornacherplatz. Eben – wieduwotsch.

Seinen Auftakt unter dem obligaten Fackellicht nahm der rund fünfundfünfzig minütige Morgenspaziergang punkt fünf. Der Oberchessler Reto Stampfli gab das Startsignal.

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