100 Jahre nach der Niederschrift des Solothurnerliedes durch den Entlebucher Priester und Dichter Carl Joseph Enzmann hat der Komponist und Musiker Mario Ursprung in der Aula der Kantonsschule vor einem begeisterten Publikum eine CD aus der Taufe gehoben, die sich mit der Herkunft und Geschichte des Liedes befasst und durch die musikalischen Einspielungen und Huldigungen beeindruckt. Der minuziös vorbereitete Abend war reich befrachtet mit ergreifenden Augenblicken und musikalischen Höhepunkten.

Da waren zum einen die in Blau eingekleideten Solothurner Singknaben unter Leitung von Andreas Reize, die das Publikum mit ihren frischen Stimmen verzauberten und Heimatgefühle weckten. Anderseits ein zufriedener Mario Ursprung, der sich voll in seinem Element präsentierte und mit seinen Variationen am Flügel brillierte. Ebenso viel Applaus erntete Urs Benz, der in gewohnt gekonnter Versform durch den Abend führte und schliesslich der römisch-katholische Stadtpfarrer Thomas Ruckstuhl der sein Akkordeon meisterhaft beherrschte. Nicht zuletzt auch das Publikum, das bewies, dass es den Text der «Stadthymne» in- und auswendig kennt.

Eine Hymne fürs «Stedtli»

Eine «echte kulturelle Bereicherung» nannte Stadtpräsident Kurt Fluri das Erscheinen der neuen CD über das irische Liebeslied, dessen Melodie Enzmann, der 1913 als Vikar nach Solothurn berufen wurde, verwendete, um eine Hymne für das «Stedtli» am «schönen Aarestrand» daraus zu machen. Bei den Bezügen zur Aktualität sieht Fluri aber sehr wohl noch Handlungsbedarf: «Heute sollte man bei den Tauben auch an die Saatkrähen denken, die wiederum eine Saison Hafebar mit ihrer Anwesenheit bereichert haben.»

Staatsschreiber Andreas Eng störte vor allem die sechste Strophe des Liedes. Dem jeweils vor allem während der Fasnacht wieder aktuell werdenden, negativ besetzten Namen «Eselsgasse» setzte er mit Bezug auf das dort angesiedelte Rathaus entgegen: «Esel werden fälschlicherweise als dumm und faul bezeichnet. Richtigerweise sind diese aber klug und haben den Durchblick.» Grüsse aus Luzern, dem Heimatkanton von Enzmann, überbrachte FDP-Ständerat Damian Müller, der bereits an der 1.-August-Feier in Solothurn am Rednerpult stand. «Luzerner sind bekannt als Entwicklungshelfer», lobte er das Werk von Enzmann und die Leichtigkeit und Selbstironie, die das Solothurnerlied auszeichnen. Mit dabei war auch eine Delegation aus Schüpfheim mit Nachkommen des Dichters. Theodor Schmid durfte als Ältester von ihnen denn auch die erste CD in Empfang nehmen.

Den Ausklang des Abends begleiteten die Blasmusik Konkordia und die Schnitzelbankgruppe «Stedtlischisser».