Taucherfilme
Tauchlehrer begleitet den «Wal der Aare» mit der Kamera

Markus Fluri entführt ein platschvolles Kino Casablanca in die Unterwasserwelt von Solothurn und Altreu. Im Mittelpunkt: Der Wels, der Sauerstoff über den Darm aufnehmen und bis zu 300 Kilogramm schwer werden kann.

Wolfgang Wagmann
Drucken
Teilen
Ein Zwei-Meter-Wels, eingefangen im Unterwasserfilm von Markus Flury bei Altreu. zvg

Ein Zwei-Meter-Wels, eingefangen im Unterwasserfilm von Markus Flury bei Altreu. zvg

Markus Flury

«Ich bin überwältigt.» Für Markus Flury, den tauchenden Lehrer, hatte das Kino Casablanca seine Kapazitätsgrenze erreicht. Sogar Taucherfreunde aus Freiburg im Breisgau waren angereist, und so mussten die Welse in der Aare warten, bis eine Notbestuhlung aufgebaut war.

«Vor 40 Jahren haben wir die grossen Welse in Altreu entdeckt. Im dortigen Aarebogen ist der Fluss 18 Meter tief, und im Winter sind die grossen Fische dort zu beobachten.» Damals ein ziemlich unterkühltes Unternehmen für Flury sowie seine Kolleginnen und Kollegen vom Tauchclub Solothurn, denn «wir hatten nur Nassanzüge. Trockenanzüge lagen einfach noch nicht drin.»

Die pure Faszination der Grösse

«Wir haben die Welse x-mal vermessen. Nie sind wir über etwas mehr als zwei Meter gekommen.» Trotzdem, der im süddeutschen Raum auch «Waller» genannte Wels ist, wie die Wortherkunft verrät, «der Wal der Aare».

Im Rhein, in den Juraseen und im Bodensee, neuerdings auch im Thunersee kommt er ebenfalls vor. «Im Sommer sind die grossen Welse oft im ‹Häftli› bei Büren an der Aare zuhause», erzählt Flury in seinem eindrücklichen Film – im «Fall Häftli» gestützt auf Amateuraufnahmen von Kollegen.

Spannende Details gibt der Film über die urtümlichen Fische mit ihren Barteln preis: Wenn die Wassertemperaturen über 20 Grad liegen, hat der Wels weniger Probleme als andere Fische – er kann Sauerstoff auch über den Darm aufnehmen.

Zurück zur Grösse: Im russischen Dnjepr soll im 18. Jahrhundert ein Wels von sage und schreibe 5 Meter und über 300 Kilo Gewicht gefangen worden sein. Und als vor Jahren der Grenchner Alain Bauermeister einen Wels von drei Meter Länge gefilmt hatte, rief das den tschechischen Rekordfischer Jakub Vagner auf den Plan.

Der seine Ambitionen auf den 3-Meter-Wels jedoch nie einlöste – dank der grossen Opposition regionaler Wels-Fans, darunter auch Flury. Übrigens: Welse sind jung ein Leckerbissen, sie selber aber nicht wählerisch: Von Enten, lebenden und toten Fischen bis Insekten verwerten sie alles, was ihnen vors Maul kommt.

«Einmal fand sich im Magen sogar ein junger Hund.» Wobei der Wels kaum etwas sieht – er verfügt dagegen über einen ausgezeichneten Tast- und Geruchssinn, auch hört er bestens, beispielsweise Schiffsschrauben.

Da sie alles fressen, trotz ihres hohen möglichen Alters früh geschlechtsreif sind, und dann pro Kilo 20 000 bis 30 000 Eier legen, wächst ihr Bestand.

Vermehrt werden Welse gefangen – aber sie enden nicht mehr so traurig wie noch vor einigen Jahrzehnten: Damals wurde ein grosser Wels in einem Betonbecken, in dem er sich nicht drehen konnte, wochenlang den Schulklassen gezeigt, welche die Storchenstation Altreu besuchten. Und zuletzt den Störchen von Max Blösch verfüttert ...

Unter Solothurns Brücke

Nicht ganz so alt, aber doch schon einige Jahre her ist die Tauchdokumetation unter Solothurns Brücken – damals war die Rötibrücke noch nicht neu und die Westumfahrung gar nicht gebaut.

Vor allem unter der Rötibrücke fand sich Skurriles wie Antikes, weil dort bei der zweiten Juragewässerkorrektion die Aare nicht ausgebaggert worden war.

Neben Töffli, Velos und Einkaufswägeli kamen ein US-Pass, Übungsmunition, ein Beil aus der Steinzeit, eine Pfeilspitze der Bronzezeit und römische Amphorenfragmente nebst mittelalterlichen Ofenkacheln zum Vorschein.

Zuletzt entführte die Unterwasserkamera in die bunte Fisch- und Korallenwelt des Mittelmeers und der Tropen – ein farbenfroher Kontrast zum graugrünen Aaregrund.

Aktuelle Nachrichten