Solothurn
Tauben werden in der Stadt weniger gefüttert, das freut den Fachmann

Den Solothurner Stadttauben gehts schlecht. Weniger Passanten - weniger Futter. Könnte man meinen. Doch Taubenvater Markus Morand sieht da kein Problem. Denn er füttert seine Tauben regelmässig mit geeignetem Futter, das tun Passanten nicht.

Wolfgang Wagmann
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Solothurner Zeitung

Es war Ende Februar eines der ersten, eindrücklichen Coronabilder überhaupt. Der menschenleere Markusplatz in Venedig nach der Absage des soeben lancierten Carnevale. Menschenleer schon. Aber die weltberühmten Tauben trippelten wie eh und je über die verlassene Piazza grande. Nur – es gibt seit Wochen schon keine Touristen mehr, welche die graue Schar füttert. Zunehmend aggressiv soll sich das Taubenvolk deshalb verhalten, wird auch von anderswo berichtet.

Und in Solothurn, wo die Stadttauben allgegenwärtig sind, aber die Gassen und Plätze ebenfalls menschenleer? «Nein, die Tauben verhalten sich nicht anders als sonst», sagt einer, der es genau wissen muss. Werkhof-Mitarbeiter Markus Morand hat seit 2014 als Nachfolger von Otto Marrer die Funktion des Solothurner «Taubenvaters» inne. Und ist deshalb oberster Schirmherr des stätischen Taubenbestandes, der seit Jahren konstant bei rund 600 Exemplaren liegt.

Brieftaube aus Luxemburg

Bei den meisten der 600 Stadttauben in Solothurn handelt es sich um domestizierte Felsentauben, die ursprünglich im Mittelmeerraum heimisch waren. Fast völlig durch Einkreuzung verschwunden sind die vor Jahrzehnten speziell für Solothurn ausgesetzten braunweissen «Soledurner Dübli.» Wieder recht häufig zu sehen sind in den grünen Aussenquartieren der Stadt Wildtauben wie die Ringel- oder Türkentauben. «Manchmal finden sich auch verirrte Brieftauben in den Schlägen ein», erzählt Markus Morand von einem durch Futtermangel geschwächten Exemplar, dass es von Luxemburg bis nach Solothurn geschafft hatte. (ww)

Sie werden offiziell gefüttert

«Jeden Dienstag und Freitag besuche ich die Taubenschläge oben in der Jesuitenkirche, im Burristurm und Baseltor sowie im alten Untersuchungsgefängnis in der Vorstadt. Dort werden die Tauben dann gepflegt und gefüttert», erzählt Morand. Insgesamt rund eine Tonne Spezialfutter mit Mineralstoffen verabreicht der Taubenvater pro Jahr seinen gefiederten Schützlingen. Und ist deshalb nicht unglücklich, wenn in den jetzigen ruhigeren Zeiten gewisse «Mödeli» von falschen Vogel-Liebhaberinnen und -Liebhabern nicht mehr so gepflegt werden (können). «Bei der Schwanenkolonie neben der Wengibrücke habe ich schon eine Frau beobachtet, die massenhaft Brot verfüttert hat.»

Was den Tauben eben nicht unbedingt bekommt. Denn das von ihm verabreichte Spezialfutter genüge durchaus, «und damit bleiben die Vögel auch vital», betont Morand.

Wenig Krankheiten, aber viel Kot

«Sie haben wenig Krankheiten», kann der Taubenvater mit Genugtuung feststellen, dass seine Betreuung auch entsprechende Resultate bringt. Nur etwa 30 Exemplare würden jährlich durch Verletzungen im Strassenverkehr oder durch Krankheiten «abgehen» und statistisch zuhanden des Kantons registriert.

Markus Morand, der auch engen Kontakt mit dem städtischen Wildhüter Arnold Netzer hält, muss sich aber ebenfalls mit der unangenehmen Kehrseite der städtischen Tauben-Population auseinandersetzen: 1,5 Tonnen Kot produziert sie jährlich allein in Solothurn, was etlichen Putzaufwand mit sich bringt. Kot, der gar nicht gerne auf Baudenkmälern und privaten Hausfassaden gesehen wird. Auch diesbezüglich ist der Rat des Taubenvaters bei Liegenschaftenbesitzern oft gefragt. «Ich rate ihnen zu baulichen Massnahmen, damit die Tauben die von ihnen bevorzugten Plätze nicht mehr anfliegen können.» Von andern Massnahmen zur Bestandesregulierung wie das Entnehmen oder Stechen von Eiern distanziert er sich. «Und schiessen tu ich nicht!»

Denn, wie heisst es so schön im Solothurner Lied: «Me söll die Tuube mache loh, es isch jo gliich wohii...» Nun, ganz so egal wohin ist es den Solothurnerinnen und Solothurnern dann doch nicht. Darum gibt es ihn auch – den Taubenvater.