Solothurn

Tagung sollte allen Teilnehmern als Inspiration dienen, sich zu engagieren

Die diesjährige Tagung der Schweizer Unesco-assoziierten Schulen fand in Solothurn statt.

Konsterniert blicken die Tagungsteilnehmer, als Vertreter der Unesco-assoziierten Schule Collège Ousmane Ngom aus Thiès, Senegal, erzählen, dass an ihrer Schule 1'200 Schüler von nur 30 Lehrkräften unterrichtet werden.

Rund 50 Schüler pro Schulklasse also. Die fünfköpfige Delegation aus der Partnerschule der Kantonsschule Solothurn setzte mit ihren Erzählungen zum Schulalltag in Senegal den ersten Schwerpunkt der diesjährigen Jahrestagung der Schweizer Unesco-assoziierten Schulen.

Tagung an der Aare

Menschenrechtsbildung, Demokratieerziehung, interkulturelles Lernen, Umwelterziehung heissen die Leitlinien der Unesco. Nebst ihr bemühen sich weltweit rund 10'000 Unesco-assoziierte Schulen, anhand von ausserschulischen Projekten diese Ziele zu erreichen. 60 davon sind in der Schweiz. Die jährliche Tagung fand dieses Jahr in Solothurn statt. In Zusammenarbeit mit der Unesco übernahm die Kantonsschule Solothurn die Organisation.

Gegenseitige Befruchtung

Die zweitägige Tagung startete am Donnerstag in der Säulenhalle des Landhaussaales. Anwesend waren nicht nur Schüler und Lehrer der Kantonsschule Solothurn und die Vertreter ihrer Partnerschule, sondern auch Vertreter anderer Unesco-assoziierter Schulen der Schweiz, zum Beispiel vom Schulhaus Brühl in Solothurn oder dem Berufszentrum Rorschach-Rheintal. Eingeladen waren zudem die Bundeskoordinatoren aus den beiden Nachbarländern Deutschland und Österreich.

Im Zentrum dieses Anlasses stand primär eines: der interkulturelle Austausch. Der Koordinator der Unesco-assoziierten Schulen der Deutschschweiz, Josef Kunz, erläuterte: «Die Andersartigkeit ist eine gegenseitige Befruchtung und keineswegs eine Ausgrenzung.» In diesem Sinne diente das Tagungsprogramm allen Teilnehmern als Inspiration, um sich zu engagieren.

Informatives Programm

Einen musikalischen Einstieg bot ein Musiktrio aus Senegal, welches auf den traditionellen Instrumenten Djembe, Kora und Kalabasse spielte. Darauf folgte die Begrüssung durch den Solothurner Bildungsdirektor Remo Ankli. Als anschliessend der Präsident der Schweizerischen Unesco-Kommission, Jean-Bernard Münch, erklärte, dass solch eine Tagung im folgenden Jahr nicht mehr stattfinden werde, waren einige im Saal schockiert.

Einlage der Trommler an der Tagung der Unesco-assoziierten Schulen in Solothurn

Einlage der Trommler an der Tagung

Josef Kunz klärte später auf Anfrage auf: Das schwache Engagement, das in den letzten Jahren bei rund einem Drittel der Schweizer Mitgliedsschulen beobachtet wurde, solle verbessert werden. Daher werde nächstes Jahr eine Tagung nur für die Schulleitungen der Mitgliedschulen stattfindet. Ein weiteres Jahr später finde wieder eine gewöhnliche Tagung mit den Schülern statt.

Senegal im Schwerpunkt

Nach einem musikalischen Intermezzo des Schweizer Ländlerquartetts Ohalätz fand das erste Podium mit den Delegierten aus Senegal statt. Alle fünf richteten einen grossen Dank an die Kantonschule Solothurn, die ihnen nicht nur diese Reise ermöglicht hat, sondern auch einen Sozialfonds finanziert, welcher Kindern aus Thiès den Zugang zur Schule ermöglicht, die ihn sich ansonsten finanziell nicht leisten könnten.

Musik aus Senegal und der Schweiz wird am Unesco-Treffen ins Solothurn gespielt – am Ende gibt es noch ein gemeinsames Stück

Musik aus Senegal und der Schweiz wird am Unesco-Treffen ins Solothurn gespielt – am Ende gibt es noch ein gemeinsames Stück

Der zweite Schwerpunkt des ersten Tages war das Podium mit zwei berühmten Schwingern: Der mehrfache Eidgenosse Bruno Gisler und der senegalesische Ringkämpfer und Schwinger Dieylani Pouye tauschten untereinander und mit dem Publikum ihre Erfahrungen als Kampfsportler aus. Videos ihrer sportlichen Auftritte verhalfen dem Publikum zu einem besseren Verständnis der Unterschiede beim Kämpfen zwischen Senegal und der Schweiz.

Am Freitag folgten dann noch Filme, ein Besuch in der Kantonsschule und eine weitere Podiumsdiskussion mit Politikern, Ethnologen und Botschaftern.

Meistgesehen

Artboard 1