Tageszentrum Wengistein

Tageszentrum im Wengistein wird nicht geschlossen

Hansruedi Moor, Leiter Alterszentrum Wengistein, hält die Türe zum Tageszentrum offen. Andreas Kaufmann

Hansruedi Moor, Leiter Alterszentrum Wengistein, hält die Türe zum Tageszentrum offen. Andreas Kaufmann

Das Alterszentrum Wengistein übernimmt das Tagesangebot des Roten Kreuzes und führt es dank Spenden nahtlos weiter. Ein gewichtiger Grund dafür ist die bekundete Solidarität für das Tageszentrum nach dem Schliessungsentscheid.

«Ein Wunder wäre nötig, um das Tageszentrum zu retten», an seine Worte vor einem Monat mag sich Hansruedi Moor, Leiter des Alterszentrums Wengistein, sehr gut erinnern. Damals vermeldete der Kantonalverband des Schweizerischen Rote Kreuzes SRK als Betreiberin, dass das Angebot für Tagesgäste per Ende Jahr eingestellt werde. Für das Alterszentrum selbst, das dem SRK-Angebot im neu eröffneten östlichen Annexbau 70 Quadratmeter an Platz freigehalten hatte, war dies ein herber Rückschlag.

Das Wunder, an das wegen der prekären Finanzlage des Tageszentrums kaum jemand zu glauben wagte, ist nun eingetroffen: Gestern durfte Moor den zehn betroffenen Mitarbeitenden die vollständige Übernahme durchs «Wengistein» und die nahtlose Weiterführung des Angebots bekannt geben. Entsprechend gelöst zeigte sich die Belegschaft über die Meldung.

Solidaritätswelle sondergleichen

Doch durch einen beherzten Willensentscheid seitens Zentrumsleitung allein lässt sich ein Tageszentrum nicht aufrechterhalten. Es brauche die starke Kooperation zweier Partner, darüber waren sich SRK und «Wengistein» einig. Im Alleingang aber hätte das Alterszentrum eine tagsüber angebotene Dienstleistung dieser Art kaum tragen können, ausser: es fände sich breite Unterstützung aus der Bevölkerung.

Und tatsächlich wurde Moor nach der Bekanntgabe der Schliessung von Solidaritätsbekundungen geradezu überhäuft: «Neben Mails und Telefonaten erhielten wir gar Spontanbesuche von Leuten, die uns ermunterten, das Angebot weiter zu betreiben.» Die Mitarbeiterinnen bekannten sich, statt Trübsal zu blasen, ebenfalls zu «ihrem» Tageszentrum. Angehörige von Betagten brachten ihre Ängste zum Ausdruck. Und die SP-Ortspartei reichte unter Erstunterzeichnerin Anna Rüefli eine Interpellation ein, die sich auf dem Hintergrund der Schliessung mit dem Stellenwert von Tagesangeboten für betagten Menschen befasst.

«Was uns insgesamt besonders berührte und auch dankbar macht: Die Betroffenheit und auch das Vertrauen ins ‹Wengistein› sind sehr gross.» Doch es blieb nicht nur bei Worten des Mitgefühls: Zwei private Gönner engagieren sich nun mit je 100000 Franken für die nachhaltige Fortführung des Tageszentrums.

«Genau das können wir sicherstellen», bestätigt Moor. So sei die Auflage einer der Gönner gewesen, das Angebot für die nächsten fünf Jahre zu garantieren. Bei einem voraussichtlichen Defizit zwischen 8000 und 20000 Franken pro Jahr könne man diese Garantie geben. «Dieses Startkapital von insgesamt 200000 Franken nimmt uns das Schwert aus dem Nacken», kommentiert ein sichtlich erleichterter Hansruedi Moor.

Wirtschaftlichkeit erreichen

Natürlich ist sich die Zentrumsleitung des «Wengistein» auch der Pflichten bewusst, die mit der Übernahme einhergehen. Neben der Weiterbeschäftigung der zehn Mitarbeiterinnen soll das Tageszentrum mittel- bis längerfristig eine ausgeglichene Rechnung schreiben, zu einem späteren Zeitpunkt allenfalls wieder mit einem Kooperationspartner.

Auch werden Möglichkeiten überprüft, das Angebot nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen aufs Wochenende auszudehnen oder ein Angebot für Übernachtungen oder Ferienaufenthalte zu realisieren. Lediglich die Tagestaxe wird ab 2012 von 100 auf 120 Franken erhöht. Ein Ausbau der Betreuungskapazitäten selbst ist nicht geplant. Zurzeit ist das Angebot für sechs bis acht Leute täglich ausgelegt, und das soll auch so bleiben. Für Moor ist das Allerwichtigste nun allemal gesichert: «Nämlich, dass es ab 1.Januar nahtlos weitergeht.»

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